Die menschliche Seele bei Albertus Magnus. Ein nicht-reduktionistischer Beitrag zum Leib-Seele-Problem

Runggaldier, Edmund

Lectio Albertina 11

Heute spricht man zwar selten, wenn überhaupt von der menschlichen „Seele“. Den alten Fragen nach der „anima“ Buchcoverentsprechen aber die neuen Fragen zum personalen Selbst und seiner naturalistischen Deutung. Unabhängig davon, ob Christ oder nicht, auch der moderne Mensch wird mit zwei entgegengesetzten Deutungen seiner selbst konfrontiert und hat Intuitionen, die einerseits für die naturalistische, andererseits auch für die dualistische Position sprechen. Er sucht unwillkürlich nach Positionen, die berechtigte Einsichten der einen Richtung mit berechtigten Auffassungen der anderen kombinierbar erscheinen lassen. Albert bietet ein Musterbeispiel einer derartigen Vermittlung. Er ist überzeugter Vertreter der Auffassung, man müsse beide Traditionen, die empiristisch geprägte aristotelische und die geistig, religiöse und platonische berücksichtigen, sofern man dem Menschen in seiner Eigenart gerecht werden will. Trotz seines Platonismus bzw. Neuplatonismus darf man Albert nicht die Überzeugung unterstellen, auf der einen Seite hätten wir es mit einem animalischen Körper mit rein naturalistischen Funktionen, auf der anderen mit einer ganz anderen Art von Wirklichkeit zu tun, nämlich einer geistigen, die nur für die intellektuellen Funktionen zuständig wäre. Die menschliche Seele, die rationalis, sensitiva und vegetativa zugleich ist, bestimmt und konstituiert den ganzen Menschen, also auch die bloßen Lebensfunktionen und die Körperlichkeit.

Münster: Aschendorff 2010.
ISBN 978-3-402-11192-5