Vermögen als Ursachen

Thomas Buchheim, München

Vermögen sind nach meiner These eine gewisse Art von Ursachen, wie sie sowohl in der belebten Natur als auch im menschlichen Handeln und Tun vorkommen. Ihre Art lässt sich dadurch abgrenzen, dass Vermögen im eigentlichen Sinne des Worts immer Ursachen von operativen Zuständen eines biologischen Systems sind, dem auch das betreffende Vermögen zugeschrieben wird. Dass Vermögen „Ursachen“ sind, bedeutet, dass auf ihre Heranziehung für die wissenschaftliche Erklärung solchen Tuns und Handelns nicht verzichtet werden kann. Vermögen zu besitzen ist außerdem exklusives Merkmal von Lebendigem.
Im ersten Teil des Vortrags widme ich mich näher der Frage, worin Vermögen als solche bestehen, warum sie nur Lebendigem zukommen und wie sie daran deskriptiv zu fassen sind. Im zweiten Teil soll genauer bestimmt werden, inwiefern sie tatsächlich als Ursachen aufzufassen sind, die nicht ohne weiteres mit den jeweils herrschenden somatischen Mikrozuständen in einem Organismus und deren ereigniskausaler Verknüpfung identifiziert werden können.

BUCHHEIM, THOMAS, Prof. Dr. phil., geb. 1957, Lehrstuhl für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, daneben u.a. geschäftsführender Herausgeber des Philosophischen Jahrbuchs der Görresgesellschaft sowie Gründungsmitglied des Munich Center of Neurosciences (MCNLMU). Forschungsschwerpunkte: Metaphysik (Philosophie der Freiheit; Begriff der Seele und der Person); Ontologie (Naturphilosophie, Begriff der lebendigen Substanz); Antike Philosophie (bes. Aristoteles, Vorsokratiker und Sophistik); Klassische deutsche Philosophie (Leibniz, Kant, Schelling). Ausgewählte Publikationen zum Vortragsthema: Unser Verlangen nach Freiheit, 2006; Das Leib-Seele-Problem  (hg. m. F. Hermanni), 2006; Freiheit auf Basis von Natur? (hg. m. T. Pietrek), 2007; „Neuronenfeuer und seelische Tat. Ein neo-aristotelischer Vorschlag zum Verständnis mentaler Kausalität“, Philosophisches Jahrbuch 119,2 (2012).