‚Hervorbringende Organe‘, ‚bildende Kraft‘? Heideggers Gegenentwurf zu Kants Theorie des Organismus

Heideggers in seiner frühen Vorlesung über die Grundbegriffe der Metaphysik entwickelte Theorie des Organismus lässt sich als Gegenentwurf zu Kants entsprechender Theorie in der Kritik der Urteilskraft verstehen. Sie unternimmt eine Entfaltung der spezifischen Teleologie des Lebendigen, die nicht nur Kants transzendentale Vorbehalte bezüglich teleologischer Erklärungen fallen lässt, sondern seinen Teleologiebegriff überhaupt als für das Verständnis der Seinsart des Lebens ungeeignet erweist. Der alternative Ansatz Heideggers bei einer natürlichen Teleologie als triebhafter Fähigkeit führt zu interessanten Thesen über die Ganzheit von Organismen, ihre spezifische Bewegtheit und ihr Verhältnis zur Welt.
Das Ziel meines Vortrags ist, Heideggers Organismustheorie in ihrer Antithese zu Kant wie in ihrem Anspruch, eine Wesensbestimmung des Lebens zu bieten, zur Diskussion zu stellen. Zu diesem Zweck werde ich zunächst die Grundvoraussetzungen von Kants Organismustheorie sowie ihre wesentlichen Elemente in Erinnerung rufen. Im Hauptteil meines Vortrages werde ich, nach einer kurzen Orientierung über das Anliegen, das Heidegger mit seiner Organismustheorie verfolgt, deren Grundzüge entfalten, um abschließend ihre Positionierung gegenüber Kant zu reflektieren.

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