Kritische Edition von De Glorificatione des Rupert von Deutz

FWF-Projekt P-16732

Zeitdauer: 2004 - 2007

Projektleiter: Prof. DDr. Gerhard Leibold

Mitarbeiter: Doz.Dr. Hans Kraml, MA MTh Bruno Niederbacher, Dipl.theol. Rainer Klotz.

Ziel des Forschungsprojekts ist die kritische Edition des Werkes De Glorificatione Trinitatis et Processione Sancti
Spiritus Ruperts von Deutz (1075-1129). De Glorificatione stellt Ruperts reifstes Werk dar, in dem er sich am
freiesten thematischen Fragen in seiner größten gedanklichen Dichte widmet, während er ansonsten fast nur
Kommentare zur Heiligen Schrift verfasste. Das Werk bildet eine wichtige Stufe innerhalb der Entwicklung der
theologischen Traktate, näherhin der Trinitätstraktate in der Frühscholastik. Rupert, der als Exeget, Liturgiker,
Historiker, Dog-matiker und Visionär bekannt ist, gilt als "Vater des deutschen Symbolismus" und einflußreichster
Denker im deutschsprachigen Raum im 12. Jahrhundert. Er wurde wiederholt als "Vermittlungs-theologe"
gekennzeichnet, der zu einer gelungenen und einzigartigen Verbindung von auctoritas und ratio, Tradition und
Fortschritt, geistlicher und wissenschaftlicher Theologie fand, was ein Anliegen jeder Epoche ist und bleiben wird.
Der Einfluß dieses Theologen auf die Kunst ist wohl einmalig, vor allem im Rhein-Maas- und im süddeutschösterreichischen
Raum. Er gilt als Innovator auf vielen Gebieten, so durch ein positiveres Menschen- und
Frauenbild, wie auch als Wegbereiter für die Entwicklung der modernen Wissenschaften und Künste. Seine Werke
wurden vor allem im 12. und 13. Jh., zur Reformationszeit und kontinuierlich zunehmend seit dem Ende des 19.
Jhs. rezipiert und erforscht. De Glorificatione stellt einerseits eine Auseinandersetz-ung mit dem Gottesbild der
Juden dar, speziell mit deren Auslegung des Alten Testamentes, andererseits ein Dialog mit den orthodoxen
Kirchen anhand der Frage des Filioque. Auch aufgrund der unerschöpflichen typologischen Vergleiche, im Alten
Testament eine Fülle von Bildern und Zeichen für die Trinität zu entdecken, kann dieses sein reifstes Werk als
Frucht eines ganzen Lebens der Bibelbetrachtung angesehen werden. Gerade in unserer Zeit der Religionsdialoge
verdient und bedarf Ruperts ehrliches Ringen um einen Dialog mit dem Gottesbild der Juden sowie der Theologie
der christlichen Ostkirchen einer Erforschung und Wertschätzung. Für die theologische Forschung ist vor allem die
Geschichtstheologie und Trinitätslehre in De Glorifica-tione von Bedeutung. Die Einleitung zur Edition soll
Methode und Kriterien derselben erläutern, sowie eine ausführliche Hss-Beschreibung und -bibliographie mit
anschließendem Stemma voranstellen. Die Einleitung bietet Forschungsergebnisse zu Entstehungszeit und -kontext,
Anlaß, Adressaten, Intention, Struktur und Anlage des Werkes, sowie eine knappe Inhaltsbeschreibung. Der
kritische Text von De Glorificatione (8 Hss) wird durch ausführliche Apparate ergänzt. Für das Projekt sind, wegen
des umfangreichen Textes (ca. 300 S.) und der Fülle bisher nicht identifizierter Zitate, 36 Monate veranschlagt.