VORWORT

1. Zielsetzung

Fachwörterbücher für die globale Wissenschaftssprache Englisch sind für fast jede Disziplin schon lange eine Selbstverständlichkeit. Nicht so für die Philosophie! Das vorliegende Wörterbuch will diese Lücke schließen und ein Instrumentarium für den Erwerb von Fremdsprachenkompetenz im Fachgebiet Philosophie anbieten. Weil nach dem Vorbild anderer Disziplinen Englisch auch für die Philosophie zunehmend zur lingua franca wird, ist die Kenntnis der englischen Fachsprache eine entscheidende Bedingung für den Zugang zur internationalen scientific community. Mobilität - von Austauschprogrammen bis hin zu Gastprofessuren - ist an Fremdsprachenkompetenz geknüpft, und Mobiltätsbereitschaft ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Kompetenz im Bereich englischer Fachsprache ist daher eine zunehmend wichtige Voraussetzung, um die Chancen eines globalen Arbeitsmarktes nutzen zu können. Für die englischsprachige Welt ist dieses Wörterbuch ein Instrumentarium, um einen vertieften fachlichen Zugang zu derjenigen Sprache zu erschließen, die - durch Denker wie Kant und Hegel, Nietzsche und Freud, Heidegger und Habermas - für die Philosophie bekanntlich von besonderer Bedeutung ist.

Dieses Fachwörterbuch will neue Möglichkeiten auftun. Weil es sich dabei um ein Pionierunternehmen handelt und wir uns folglich nicht auf die Schultern von Vorgängern stellen konnten, waren wir naturgemäß mit allen Schwierigkeiten konfrontiert, die sich beim Betreten von Neuland ergeben: Pigmei gigantum umeris impositi, plusquam ipsi gigantes vident.


2. Auswahl

Die Frage der sinnvollen Abgrenzung stellt sich für jedes Wörterbuch und ist - wie jeder Wörterbuchbenutzer aus eigener Erfahrung weiß - immer nur annähernd befriedigend gelöst. Für ein Fachwörterbuch Philosophie ist diese Frage aber besonders schwierig, und zwar aus folgenden Gründen:

(1) Als Grund- und Integrativwissenschaft bzw. als Prinzipienlehre (des Seins, der Erkenntnis, der Ethik, der Kunst usw.) besetzt die Philosophie nicht einen Ausschnitt im Verbund der Wissenschaften, sondern greift mit Grundsatz- und Prinzipienfragen in so gut wie alle Wissens- und Wissenschaftsbereiche ein. Entsprechend breit ist folglich ihr terminologisches Spektrum und damit entsprechend groß die Schwierigkeit der Auswahl und Abgrenzung.

Wegen der vielen Berührungen mit anderen Fächern war es geboten, Fachwörter aus angrenzenden und umliegenden Wissenschaften mit aufzunehmen, wenn sie für die philosophische Diskussion eine Rolle spielen. Entsprechend dieser Richtlinie wurden beispielsweise Termini aus den Bereichen Mathematik, Wirtschaft, Technik, Kunst usw. aufgenommen, sofern sie für die Philosophie der Mathematik, für die Wirtschaftsphilosophie, für die Philosophie der Technik und der Kunst relevant sind. Hingegen blieben technische Begriffe, die in diesen Bereichen von bloß disziplinimmanenter Bedeutung sind, ausgeklammert. Die Entscheidung wurde dabei in Absprache mit einschlägig in den einzelnen Bereichen tätigen Fachleuten getroffen. Weil die Auffassungen, welcher Fachwortbestand zu einem bestimmten Themenbereich der Philosophie gehört, selbstredend schwankend und von subjektiven Präferenzen beeinflußt sind, kann die getroffene Auswahl niemals zwingend sein. Was dem einen als entbehrliche Eintragung erscheinen mag, ist für den anderen aus bestimmten Gründen von großer Wichtigkeit. Jede getroffene Auswahl erfolgt somit im Wissen, daß es unmöglich ist, sich mit jedermanns Vorstellung zu treffen. Weil wir unsere Aufgabe als deskriptive Erhebung des Fachvokabulars verstehen, haben wir es vermieden, präskriptive Vorgaben darüber zu machen, was Philosophie zu sein hat.

(2) Historisch gesehen ist die Schwierigkeit der Verzahnung der Philosophie mit anderen Disziplinen angelegt in der Tatsache, daß viele wissenschaftliche Disziplinen ehemals Teil der Philosophie waren und sich erst in einem Prozeß der Ausdifferenzierung zu eigenen Fächern entwickelt haben. Die Mathematiker und Naturwissenschafter von ehemals waren größtenteils Philosophen, ebenso wie der Vater der modernen Wirtschaftswissenschaft Philosoph war. Analoges läßt sich von Rechts- und Staatstheoretikern, von Sozialtheoretikern, Kunsttheoretikern, Psychologen etc. sagen.

Gewisse - in der Regel sehr geringfügige - Überschneidungen mit großen Generallexika bzw. mit einzelwissenschaftlichen Fachwörterbüchern konnten kein Grund sein, die davon betroffenen Termini für dieses Fachwörterbuch auszuklammern. Wir haben es nicht zuletzt aus praktischen Gründen als Aufgabe eines Fachwörterbuchs angesehen, die einzelwissenschaftliche Terminologie, die in die Philosophie hineinspielt und folglich als philosophisch relevant angesehen werden muß, mit aufzunehmen, um dem Benutzer und der Benutzerin den meist sehr mühsamen Umweg über verschiedene, gerade im Ausland oft nur schwer zu beschaffende Auskunftsquellen zu ersparen.

Müßte man z.B. Unschärferelation in einem Wörterbuch der Physik, Arbeitswerttheorie in einem Fachwörterbuch der Volkswirtschaft und Hochrisikotechnologie in einem Wörterbuch der Technik nachschlagen, dann bräuchte man einen Riesenbestand an Wörterbüchern, die aber umgekehrt zu neunzig Prozent rein technische Fachtermini enthalten, die für die philosophische Diskussion mit Sicherheit nie benötigt werden.

Zu beachten ist auch, daß der Eindruck einer gelegentlich redundanten Auswahl oft nur vordergründig besteht. Das ist der Fall bei Eintragungen, die sich auch in Standardwörterbüchern finden, dort aber nicht in fachspezifischer, sondern in alltagssprachlicher Bedeutung (z.B. Heideggers Zeug oder Gestell). Was scheinbar der Alltagssprache angehört, erweist sich somit bei näherem Hinsehen als fachsprachlich relevant.

Aber auch in Fällen, wo sich die fachspezifische Verwendung eines Wortes mit der alltagssprachlichen deckt, erhält der Benutzer und die Benutzerin die nicht unwesentliche Information, daß die Übersetzung dem alltagsprachlichen Usus folgt. Weil dies in manchen Fällen so ist (siehe die vorhergehenden Beispiele), in anderen Fällen aber nicht, ist diese Klarstellung für die Benutzer von erheblicher Wichtigkeit.

Gelegentlich dienen Wörter der Standardsprache auch als Verweisbrücke für fachsprachliche Bildungen, z.B. Interesse für Erkenntnisinteresse, Ironie für sokratische Ironie, Kolonisation für Kolonisation der Lebenswelt, usw.

Schwierig ist natürlich auch die Frage, inwieweit selten gebrauchte und speziellen Schulen zugehörige Termini berücksichtigt werden sollen. Unter Wahrung des Kriteriums der Ausgewogenheit sind wir der Überzeugung, daß die Frage der Wichtigkeit von den Vertretern bestimmter Richtungen und Schulen immanent entschieden werden muß. Heideggersche Spezialtermini werden einem Vertreter der analytischen Philosophie zum Großteil entbehrlich scheinen - wie umgekehrt Heideggerianer der Terminologie der analytischen Philosophie kaum Wert beimessen werden. Wichtig scheint uns, daß jeder Interessent jeder Richtung den Kernwortschatz vorfindet, den er in seinem Arbeitsbereich benötigt. Dem einen ist die angeborene Tötungshemmung der Aggressions- und Friedensforschung wichtig, dem andern die exzentrische Positionalität der philosophischen Anthropologie; dem einen der Falsifikationismus der Wissenschaftstheorie, dem andern die Abschiedlichkeit der Metaphysik. Jeder sollte Antworten auf seine spezifischen Fragen finden.

Personennamen wurden nur aufgenommen, wenn sie im Englischen von der deutschen Schreibung abweichen (z.B. Aristoteles Aristotle).

Lateinische und griechische Termini wurden aufgenommen, sofern es sich um gängige Termini oder Wendungen handelt, die in der deutschen philosophischen Fachsprache eine Rolle spielen. Dasselbe gilt für die getroffene Auswahl aus der Terminologie der asiatischen Philosophie.

Bei allem Bemühen um eine angemessene Auswahl von Stichwörtern muß aber angesichts der besonderen Schwierigkeiten, die sich aus dem Charakter der Philosophie ergeben, klar sein, daß das Problem der fachbezogenen Wortauswahl nie endgültig befriedigend gelöst werden kann. Wer viel mit Wörterbüchern arbeitet, wird freilich zugestehen, daß wir mit diesem Problem nicht allein sind.

Da es meist sehr schwierig ist zu eruieren, wie Werktitel in der Zielsprache lauten, und Werktitel überdies oft über Wortverwendungen und Übersetzungen Aufschluß geben, wurde eine Auswahl an Werktiteln in einem Appendix zusammengestellt. Wo es aufschlußreich erschien, wurde von einem Stichwort im Hauptteil auf einen thematisch zugehörigen Werktitel im Anhang verwiesen.

 


3. Eintragungsmodus

Da ein zweisprachiges Fachwörterbuch naturgemäß nur von jemandem benutzt wird, der auf alltagssprachlicher Ebene mit der Zielsprache vertraut ist, wird - nach dem Vorbild von Fachwörterbüchern anderer Disziplinen - im Interesse einer benutzerfreundlichen Übersichtlichkeit auf alles Entbehrliche verzichtet. Leitend war für uns die Absicht, durch Eintragungsökonomie mit einem Minimum an Angaben ein Maximum an Aufschluß zu geben.

- Anordnung der Stichwörter: Die Anordnung ist alphabetisch, wobei die Umlaute (ä, ö, ü) wie die nichtumgelauteten Vokale (a, o, u) eingeordnet werden. Nach dem Vorbild vieler Fachwörterbücher werden Wortgruppen und Aneinanderreihungen Wort für Wort sortiert, wobei sowohl der Beistrich (z.B. bei Tatsache, empirische) als auch der Durchkoppelungsbindestrich (z.B. bei Tatsache-Wert-Unterscheidung) für die Sortierung ignoriert werden. Komplexe Wörter, die lediglich um der besseren Lesbarkeit willen mit Bindestrichen geschrieben werden und wahlweise auch zusammengeschrieben werden können (z.B. Anti-Illusionismus/Antiillusionismus), werden hingegen als ein Wort sortiert, weil sich dadurch in der Anordnung gelegentlich aufschlußreiche Begriffscluster ergeben. Nur bei Heidegger, der Bindestrich-Schreibungen mit philosophischer Bedeutung aufgeladen hat (z.B. Ent-fernung), wurde - um dieser Intention Rechnung zu tragen - die Eintragung nicht so gewertet, als wäre wahlweise auch Zusammenschreibung möglich.

Die Anordnung der Eintragungen ist somit exemplarisch folgende:

Tatsache der reinen Vernunft
Tatsache, empirische
Tatsache-Wert-Unterscheidung
Tatsachenargument

- Wortfolge in mehrteiligen Ausdrücken: In Übereinstimmung mit dem verbreiteten lexikographischen Usus erfolgt bei festen Wendungen die Eintragung unter dem ersten Wort der Wendung (z.B. Nietzsches blonde Bestie), bei anderen Wortgruppen hingegen unter dem bedeutungstragenden Bestandteil (z.B. Seins, Wesen des). Weil der bedeutungstragende Bestandteil nicht immer eindeutig feststeht, wurde in manchen Fällen eine Doppeleintragung in Kauf genommen. Dieser redundante Eintragungsmodus ist in manchen Fällen vorteilhaft, weil sich dabei übersetzungstechnisch aufschlußreiche Begriffscluster ergeben.

- Zusammengesetzte Nomen und Nomen mit Genitivattribut: Viele Wortverbindungen sind im Deutschen sowohl als Nomen mit Genitivattribut (z.B. Prinzip der Individuation) als auch als zusammengesetzte Nomen (z.B. Individuationsprinzip) geläufig. Wo dies der Fall ist, wurden oft beide Varianten aufgenommen. Ansonsten wurde dem üblicheren Gebrauch gefolgt.

- Bindestrich-Schreibweise: Ob eine Wortbildung (besonders bei Anti-, Contra- und Pseudo-Präfixen) mit oder ohne Bindestrich geschrieben wird, ist häufig arbiträr. Um dem Rechnung zu tragen, haben wir darauf verzichtet, die Schreibung in eine Richtung zu vereinheitlichen oder beide Möglichkeiten anzuführen. - Die Hinweise zur Anordnung sind zu beachten (siehe oben Anordnung der Stichwörter)!

- Groß- und Kleinschreibung: In Absprache mit Altphilologen wurden lateinische und griechische Substantive groß geschrieben, wenn sie bereits - oder zumindest weitgehend - den Charakter von deutschen Fremdwörtern angenommen haben; im anderen Fall wurde Kleinschreibung gewählt. Es soll aber nicht verschwiegen werden, daß die Handhabung dieses Problems auch unter Fachleuten arbiträr ist. - Zur Groß-Kleinschreibung im Englischen siehe Punkt 6. (Übersetzungsproblematik).

- Singular/Plural: Substantive, deren Singular- und Pluralformen im Deutschen identisch sein können (z.B. Hegelianer), werden als Singular übersetzt (Hegelian). Substantive, die üblicherweise oder ausschließlich im Plural vorkommen (z.B. Eigentumsverhältnisse, notiones communes), sind in der Pluralform angegeben und mit pl gekennzeichnet. Es wurde darauf verzichtet, dort, wo Singularformen bildbar wären, das Genus des Singulars in Klammer hinzuzufügen, und zwar deshalb, weil sich für die angegebene Übersetzung daraus gelegentlich Sinnentstellungen ergeben können. Es muß der Sprachkenntnis des Benutzers/der Benutzerin überlassen bleiben, diesbezüglich eigenständig vorzugehen.

- Genus und Kasus: Bei Wortgruppen aus zwei Substantiven gilt der Artikel für das Kernsubstantiv der Wortgruppe, z.B. Abschreckungsfunktion des Gesetzes f: DIE Abschreckungsfunktion des Gesetzes; aber ebenso für Wortgruppen, bei denen nicht das Kernsubstantiv, sondern das Attribut das relevante Stichwort bildet, wie Sprachgeschöpf, Mensch als m: DER Mensch als Sprachgeschöpf. Aus pragmatischen Gründen wird das Lemma im jeweiligen Kasus der Wendung angegeben, z.B. Werdens, Stufen des. Auch bei Wortgruppen aus Adjektiv und Substantiv wird das attributive Adjektiv aus ökonomischen Gründen meist in deklinierter Form verwendet (z.B. ursprüngliches Sein anstelle von ursprüngliche Sein, das).

Lateinische und griechische Termini sowie Termini aus der asiatischen Philosophie wurden - wo es sinnvoll ist - mit Genusangaben versehen, die aber nicht unbedingt das Genus der Herkunftssprache reflektieren, sondern sich nach dem eingebürgerten Fremdwortgebrauch im Deutschen richten. In schriftlicher Verwendung empfiehlt es sich, kleingeschriebene lateinische oder griechische Ausdrücke kursiv zu setzen (z.B. die lex naturalis), um der Regel Rechnung zu tragen, daß die Artikel im Deutschen ausschließlich Substantive bestimmen.

Nach Verlagsvorgabe und in Anbetracht des Umstands, daß das grammatikalische Geschlecht nicht unbedingt das natürliche Geschlecht spiegelt (z.B. das Wort DIE Person, das Frauen und Männer bezeichnet), wurde darauf verzichtet, bei fraglichen Eintragungen (z.B. Logiker) die weibliche Form (/in-Variante) dazuzugeben. Es ist dem Benutzer und der Benutzerin überlassen, diese Variante selbst zu bilden. Es war uns wichtiger, das einschlägige Vokabular der feministischen Philosophie und der Gender-Studies anzubieten, als die Genus-Varianten anzuführen, die in der Notation für ausländische Benutzer verwirrend sein können.

- Reihung der Übersetzungen: Wo Übersetzungsvarianten anzuführen sind, wird (soweit sinnvoll entscheidbar) durch die Abfolge gewichtet. Eintragungen mit einem Schrägstrich verstehen sich als Reihung von Alternativen. Die Eintragung Grenzbegriff m limit(ing)/boundary/marginal concept/notion wäre beispielsweise zu lesen: limit(ing) oder boundary oder marginal concept; limit(ing) oder boundary oder marginal notion. Übersetzungsvarianten, die einen Bindestrich aufweisen, sind wie folgt zu lesen: normal/bell-shaped distribution als normal distribution bzw. bell-shaped distribution, während conflict- generating/producing situation zu lesen ist als conflict-generating situation bzw. conflict-producing situation.

- Systematische Indikatoren (z.B. epi, log, ant; siehe Liste der Zeichenerklärungen) geben in Kurzform Aufschluß über den thematischen Ort eines Begriffs. In Fällen unterschiedlichen Wortgebrauchs werden durch die Angabe der Verwendungskontexte die Bedeutungsvarianten unterschieden und damit Mißverständnisse vermieden, z.B. bei Primat m/n primacy (log), primate (nat, ant); oder bei Masse f mass (nat), mass, crowd, the masses (soc). Weil die thematische Zuordnung philosophischer Termini aber nicht immer eindeutig ist, ist zu beachten, daß die mit den thematischen Kürzeln vorgenommene Kurzkontextualisierung nur approximativen Charakter haben kann und die Zuordnungskürzel in einem weiten Sinn zu verstehen sind.

- Autoren als Zuordnungsetiketten: Wo es sinnvoll erschienen ist, verweisen zur weiteren Kontextualisierung in Klammern angeführte Namen auf die Autoren, mit denen die fraglichen Termini maßgeblich in Verbindung gebracht werden (was nicht unbedingt bedeuten muß, daß es sich dabei um die Urheber einer Wortprägung handelt). In manchen Fällen wird ein Name angeführt, um kenntlich zu machen, daß eine bestimmte Übersetzungsvariante im Hinblick auf einen bestimmten Namen gilt. Mehreren Namen werden unterschiedliche Übersetzungen zugeordnet, um die unterschiedlichen Bedeutungen zu spezifizieren, in denen die genannten Autoren einen Ausdruck verwendet haben. - In Anbetracht der Tatsache, daß nur fachlich versierte Benutzer und Benutzerinnen überhaupt in die Situation kommen, nach einem Fachwörterbuch zu greifen, wurde - mit Ausnahme der Fälle, wo Verwechslungsgefahr besteht (z.B. Francis Bacon, Roger Bacon) - auf die Nennung der Vornamen verzichtet.


4. Abkürzungen und Zeichen

a) Kürzel der thematischen Zuordnung
act Handlungstheorie jur Rechtsphilosophie
aes Ästhetik und Philosophie der Kunst lan Sprachphilosophie
AI Künstliche Intelligenz log Logik
ant Philosophische Anthropologie mat Philosophie der Mathematik
asp Asiatische Philosophie met Metaphysik
cul Kulturphilosophie min Philosophie des Geistes
dec Entscheidungstheorie nat Naturphilosophie
eco Wirtschaftsphilosophie ont Ontologie
env Ökologie pol Philosophie der Politik
epi Erkenntnistheorie psy Psychologie
eso Esoterik rel Religionsphilosophie
eth Ethik sci Wissenschaftstheorie
fem Feministische Philosophie und Gender-Studies soc Sozialphilosophie
gen generelle Bedeutung sys Systemtheorie
gep generelle Philosophie tec Technikphilosophie
his Geschichtsphilosophie    

Wir sind uns darüber im klaren, daß asp für asiatische Philosophie von den anderen Zuordnungen kategorial abweicht. Weil aus westlicher Perspektive die Herkunft der Fachtermini der asiatischen Philosophie aber häufig schwer zu bestimmen ist, und weil die obigen Zuordnungskategorien nur bedingt auf das asiatische Denken anwendbar sind, ist uns diese Zuordnung sinnvoll erschienen.

b) Andere Abkürzungen und Zeichen

f Femininum
m Maskulinum
n Neutrum
  Zwei durch Schrägstrich getrennte Kürzel geben an, daß sowohl der eine als auch der andere Artikel möglich ist (z.B. bei Kalkül m/n). Zwei mit Beistrichen aneinandergereihte Genuskürzel (z.B. Erscheinung und Wirklichkeit f,f) geben das Geschlecht der beiden Substantive an. Bloß ein Genus wird angeführt, wenn eine Wortverbindung geschlossen mit einem Artikel bezeichnet wird (z.B. Kants Notwendigkeit-Zufälligkeit f).
pl Plural
nt Das Wort wird im Englischen identisch übernommen. Steht nt und dahinter eine oder mehrere Übersetzung(en), dann bedeutet dies, daß sowohl der unübersetzte Begriff als auch die angeführten Übersetzungen verwendet werden.
Im Sinn von
etc Der Gebrauch erstreckt sich über die genannten Namen hinaus, und zwar chronologisch nach beiden Richtungen (z.B. Hegel etc).
/ Die vor und nach dem Querstrich stehenden Eintragungen sind wahlweise möglich.
0 Mit Vorbehalt. Die Übersetzung ist entweder unüblich oder erschlossen oder aus Gründen, die nicht im einzelnen spezifiziert werden können, als problematisch anzusehen.
; Das Nachfolgende ist thematisch vom Vorhergehenden abgesetzt. So bezieht sich ein Verweis nur auf den Teil der Eintragung, der hinter dem Strichpunkt steht. (z.B. Mutualismus m mutualism (nat); (Proudhon) (soc) < Tauschbank. Der Verweis nimmt nur auf den Mutualismus im sozialphilosophischen Sinn Bezug.

5. Verweisstruktur

Im Gegensatz zu den meisten Fachwörterbüchern beschränkt sich das vorliegende Wörterbuch nicht auf das Anführen der Übersetzungsäquivalenzen, sondern bindet die angebotene sprachliche Information in ein Netzwerk von Verweisen ein. Der Informationsgehalt des Wörterbuchs wird dadurch sowohl inhaltlich als auch übersetzungstechnisch gesteigert. Für die Verweise gelten folgende Zeichen:
verweist auf das Synonym
verweist auf das Antonym
< assoziativer Streuverweis
< W Verweis auf das Übersetzungsverzeichnis philosophischer Werktitel

Es gilt zu beachten, daß bei Synonym- und Antonymverweisen die Synonymie und die Antonymie oft nicht im engen Sinn zu verstehen sind bzw. sich bei Mehrdeutigkeit nur auf eine bestimmte Bedeutungsebene beziehen oder auf die spezifische Wortverwendung bestimmter Autoren Bezug nehmen (z.B. Kants Verstand Vernunft oder Jungs Animus Anima).

Ohne Übersetzung wird auf das Synonym verwiesen, wenn im Deutschen der fragliche Ausdruck praktisch nicht mehr verwendet wird, z.B. Alienation Entfremdung.
Ein rückläufiger Synonymverweis (z.B. Verhaltensforschung Ethologie, Ethologie Verhaltensforschung) findet sich, um in beide Richtungen den alternativ gebräuchlichen Terminus anzuzeigen. Auf einen rückläufigen Synonymverweis wurde verzichtet, wenn der Ausgangsbegriff veraltet und obsolet ist (z.B. Gynäkokratie für Matriarchat; Hylismus für Materialismus). Auf Umleitungseintragungen wird dann rückläufig verwiesen, wenn wir der Meinung sind, daß dies für den Benutzer aufschlußreich ist. Auf lateinische Termini oder Wendungen wird dann rückläufig verwiesen, wenn diese in der rezenten Philosophie noch eine wichtige Rolle spielen.

Der assoziative Streuverweis < versteht sich als weiterführende Gedankenbrücke, die einen assoziativen Fingerzeig geben will bzw. der weiteren Kontextualisierung einer Eintragung dienen soll.


6. Übersetzungsproblematik

Der Stichwortbestand wurde sowohl aus den Primärtexten als auch aus einschlägigen Enzyklopädien, Glossaren, Lexika und aktuellen Fachzeitschriften erhoben, die aus Umfangsgründen hier nicht bibliographisch angeführt werden können. Die Richtigkeit und Gebräuchlichkeit der von uns recherchierten bzw. selbständig erarbeiteten Übersetzungen wurde in der Endphase der Projektarbeit in einem mehrschleifigen Korrekturdurchgang von international anerkannten, in beiden Fachsprachen versierten Wissenschaftlern, kritisch überprüft. Es sei allerdings betont, daß sich die philosophische Fachsprache - im Unterschied etwa zu den Fachsprachen der Medizin oder der Technik - durch besondere terminologische Komplexität und Diffizilität auszeichnet, was zur Folge hatte, daß in manchen Fällen auch die Meinungen der Skrutatoren nicht auf einen Nenner zu bringen waren, weshalb die letzte Verantwortung bei uns liegt.

Weil ein Fachwörterbuch kein erläuterndes Lexikon ist, wird bei der Benutzung die Kenntnis des nachgeschlagenen Fachworts vorausgesetzt. Es wurde deshalb vermieden, erläuternde Umschreibungen anstelle von Übersetzungen anzubieten.

- Ungewöhnliche Bildungen: So wie das Deutsche neigt auch die englische Fachsprache gelegentlich zu ungewöhnlichen Bildungen. Eine Nichtvertrautheit sollte nicht zur voreiligen Meinung verleiten, daß es diese im Englischen nicht gibt. So wie angesichts der schier unendlichen Komplexität sowie der Wandlungsfähigkeit der Sprache keinem noch so gebildeten Deutschsprachigen alle deutschen Wörter (einschließlich der Fremdwörter) geläufig sind, sowenig gilt dies für englische native speakers in bezug auf das Englische. Alle in diesem Wörterbuch verwendeten Fachwörter sind in anerkannten Nachschlagewerken belegt. Wo dies nicht der Fall ist, weil es sich um erschlossene Bildungen oder Kunstwörter handelt, sind die Übersetzungen mit einem kleinen hochgestellten Kreis o markiert.

- Zusammensetzungen: Die Übersetzung zusammengesetzter Wörter (z.B. Wahrheitstheorie: theory of truth, truth theory) stellt ein spezifisches Problem dar. Es fällt auf, daß die Präferenzen des britischen und des amerikanischen Englisch diesbezüglich häufig auseinandergehen, ohne in sich einheitlich zu sein.

- Varianten von Substantivendungen: Bei abgeleiteten Substantiven finden sich neben den etymologisch naheliegenden Suffixen zunehmend auch Suffixe, die dem Sprachpuristen fraglich erscheinen mögen, z.B. logicality/logicalness. Die Eintragungen richten sich nach dem etablierten Gebrauch.

- Historismen: Da das Wörterbuch nicht nur die Gegenwartsphilosophie abdeckt, sondern die relevante Nomenklatur der gesamten Ideengeschichte berücksichtigt, kommen - ohne besondere Kennzeichnung - auch sprachlich veraltete Ausdrücke vor bzw. Ausdrücke, deren Bedeutung sich in der Zwischenzeit verändert hat. So wird beispielsweise Hobbes' politischer Körper - entsprechend seiner Sprachregelung - als body politic wiedergegeben.

- Gebrauch: Ausschlaggebend für die Übersetzung ist immer der jeweilige Sprachgebrauch und nicht die Symmetrie der Eintragungen. Dies erklärt die Abweichungen im Detail, die verschiedentlich innerhalb eines Wortclusters zu finden sind. So richten sich z.B. die Übersetzungen von Wortverbindungen mit Zufall (Zufallselement, Zufallsentdeckung etc.) nach dem jeweiligen kontextabhängigen Gebrauch (random/ aliatory element, chance/accidental discovery etc.).

- Englisch/Amerikanisch: Die verwendete Schreibung richtet sich nach den Normen des britischen Englisch. Da eine gleichzeitige Anführung der britischen und der amerikanischen Variante die Lesbarkeit der Eintragungen erheblich beeinträchtigt hätte, wurde darauf verzichtet, beide Varianten zu berücksichtigen. Häufige Abweichungen betreffen Wörter wie behaviour, US: behavior; labour, US: labor: fulfilment, US: fulfillment; centre, US: center etc.; sie sind mit Leichtigkeit den einsprachigen Standardwörterbüchern zu entnehmen. Sind einzelne Buchstaben, z.B. bei judg(e)ment, oder Wortteile, z.B. bei dialectic(al) oder Lamarck(ian)ism, in Klammern gesetzt, so sind damit Schreibvarianten angezeigt.

- Groß-/Kleinschreibung der Übersetzungen: Die Großschreibung im Englischen richtet sich nach dem Kriterium, ob etwas als Eigenname anerkannt ist oder nicht. Da der Gebrauch das entscheidende Kriterium ist, werden Schreibvarianten (z.B. Theatre of the Absurd) nicht berücksichtigt. Die Groß- bzw. Kleinschreibung von Fachwörtern, die aus dem Deutschen ins Englische übernommen wurden (z.B. abschiedlichkeit, entwicklungsroman), richtet sich nach dem Grad der Einbürgerung und ist arbiträr. Daß diese Germanismen im Englischen oft kursiv wiedergegeben werden, wurde hier ignoriert.

- Einklammerungen: Sind Teile der Übersetzung (Wörter) in Klammern gesetzt, z.B. ontologischer Gottesbeweis m ontological proof (of the existence of God), so wird damit angedeutet, daß der Sachverhalt im Englischen sowohl in der ausführlichen als auch in der verkürzten Variante gebräuchlich ist.

Weil auf Grund der jeweiligen sprachlichen Eigentümlichkeiten und Sprachspiele Sprachen nur bedingt konvertierbar sind ("traduttore traditore..."), sind vor allem viele Fachwörter nur approximativ übersetzbar. Jeder Gebrauch eines Fachwörterbuchs hat diesem Umstand Rechnung zu tragen.


Danksagungen

Das vorliegende Wörterbuch wäre ohne den Jubiläumsfonds der Oesterreichischen Nationalbank und ohne die Stiftung Südtiroler Sparkasse nicht zustande gekommen. Die großzügige finanzielle Förderung dieser beiden Institutionen hat es ermöglicht, unser ehrgeiziges Projekt zu realisieren. Dafür gebührt ihnen unser nachdrücklicher Dank.

Namentlich danken möchten wir dem Doyen der österreichischen Bankwirtschaft, Präsident Dr. Heinrich Treichl, der mit seiner tatkräftigen Unterstützung entscheidend dazu beigetragen hat, daß für die Projektarbeit die finanziellen Segel gesetzt werden konnten. Gleichermaßen zu Dank verpflichtet sind wir Altsenator Präsident Dr. Hans Rubner, der sich ebenso engagiert hinter dieses Projekt gestellt und dafür gesorgt hat, daß dieses große Unternehmen finanziell auf gesichertem Kurs bleiben konnte. Ein besonderer Dank gilt Dr. Albert Galvan, der uns mit seinem ganzen persönlichen Einsatz bei der Bewältigung finanzieller Probleme unermüdlich zur Seite gestanden ist. Dasselbe gilt für den Geschäftsführer der "Ausbildungsförderung Alfred Amonn e.V.", Direktor a. D. Dr. Alois Gartner, der uns mit seinem Entgegenkommen und Engagement über viele Schwierigkeiten hinweggeholfen hat. Wir bedauern zutiefst, daß wir Dr. Christoph Amonn unseren Dank für seine vielfältige Unterstützung und Förderung nicht mehr zu seinen Lebzeiten abstatten konnten.

Sehr zu danken haben wir auch Landesrat Dr. Bruno Hosp vom Kulturassessorat der Südtiroler Landesregierung, Direktor Dr. Marjan Cescutti vom Südtiroler Kulturinstitut, Landesrat Fritz Astl von der Kulturabteilung der Nordtiroler Landesregierung, der Österreichischen Forschungsgemeinschaft, Konsul Dr. Otto Kaspar von der Bank für Tirol und Vorarlberg, der Tiroler Sparkasse, der Österreichischen Hochschülerschaft sowie der Universität Innsbruck, wobei es der Hilfe und Hartnäckigkeit von Frau Monika Meller von der Österreichischen Hochschülerschaft zu danken ist, daß unsere Universität sich um die Förderung dieser für die Studierenden und Absolventen so bedeutsamen Initiative zu guter Letzt doch noch Verdienste erworben hat.

Unser Dank gilt - stellvertretend für die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die nicht alle namentlich angeführt werden können - auch denjenigen, die über lange Zeit am Projekt mitgewirkt haben (in alphabetischer Reihenfolge): Silvia Breuss, Carl Albert Fähndrich, Heinz Hauffe, Helmut Kalb, Regina Obexer, Thomas Palfrader und Wolfgang Pichler.

Ein besonderer Dank gilt den Kollegen, die für die Überprüfung der Übersetzungen ihre Kompetenz zur Verfügung gestellt haben (in alphabetischer Reihenfolge): Allan Janik (Universität Innsbruck/Universität Wien), Kevin Mulligan (Université de Genève), J. C. Nyíri (Universität Budapest), Graham Parkes (University of Hawaii at Manoa), Christian Piller (University of York), Peter Simons (University of Leeds) und Barry Smith (University at Buffalo, State University of New York).


"Making a dictionary is like painting a bridge: by the time one coat of paint has been applied, the bridge is in need of another." Angesichts der unumgänglichen Unabgeschlossenheit und Verbesserungswürdigkeit einer derart komplexen Pionierarbeit sind wir für Verbesserungs- und Ergänzungsvorschläge offen und dankbar.

Elmar Waibl Philip Herdina
Institut für Philosophie Institut für Anglistik
Universität Innsbruck Universität Innsbruck
elmar.waibl@uibk.ac.at philip.herdina@uibk.ac.at