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Kloster der Karmelitinnen in Mühlau: bei Innsbruck (Nordtirol)
Oberhalb von Innsbruck, genau bei der unteren Waldgrenze, thront wie ein Adlerhorst das neue Kloster der Karmelitinnen. Bekanntermaßen ist die Nordkette sehr steil ansteigend, sodass dieses monumentale Gebäude wie „angeklebt“ wirkt.Von der Entfernung, insbesondere vom gegenüberliegenden Mittelgebirge aus, aber auch in der Stadt selbst, wirkt das Gebäude geradezu extrem monumental. Es gibt fast keinen Blick Richtung Nordkette, wo man diesem Bauwerk entgehen könnte. Die große Baumasse wird durch die helle weiße Farbe unterstrichen. Aus der Ferne betrachtet fürchtet man, es könnte auf die darunter liegenden Häuser stürzen.Völlig unterschiedlich ist die Wirkung, wenn man sich unmittelbar vor dem Gebäude befindet, denn es erscheint dann keineswegs monumental, sondern ist auffallend schlicht. Zwar sind die einzelnen Gebäudeteile voneinander aufgelöst, doch sind die Fenster schlicht, jeweils exakt übereinander und symmetrisch angeordnet.Aus der Nähe betrachtet entstehen Assoziationen mit Kirchenbauten der Romanik, nämlich links auf dem Bild Haupt- und Seitenschiffe (samt Obergaden), sodann das Querschiff mit (vom Grundriss her allerdings kleinerem) Vierungsturm, nur der Chor bzw. die Apsis fehlen. Die Zusammensetzung der Bauteile in Form von Quadern – als wären es Bauklötze – verstärkt den Eindruck der schlichten Form.Mir persönlich ist das Bauwerk aufgrund seiner exponierten Lage hoch über Innsbruck viel zu schreiend, man fühlt sich davon nicht nur im gesamten Stadtgebiet, sondern sogar auch auf dem auf der anderen Seite des Talkessels gelegenen Mittelgebirge verfolgt. Aus diesem Blickwinkel passt entweder das Gebäude nicht zum Ort oder der Ort nicht zum Gebäude. Völlig unerwartet ist das Erlebnis, wenn man das Bauwerk aus der Nähe betrachtet, denn dann besticht der einfache Baukörper in (so kurz nach Fertigstellung noch) jungfräulichem weiß und dezenter Schlichtheit. (Bild und Objektkommentar: Christian Fuchshuber)