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Das Gelbe Haus in Flims (Architekt Rudolf Olgiati): Hier wurden extremste Eingriffe in die alte Baustruktur gemacht. Das Haus wurde „ausgekernt“, der Eingang wurde von der Straßen- auf die östliche Seitenfassade verlegt und auch das Dach wurde neu konzipiert. Fenster erscheinen nun eher als quadratische Öffnungen, darin sprossenlose Glasscheiben, die in leicht trichterförmigen Laibungen soweit zurückversetzt wurden, dass sie Ihren Bezug zur Fassadenfläche aufgeben. (Heinrich Helfenstein, in. Valerio Olgiati: Das Gelbe Haus, S. 20)
Das markanteste an diesem Baukörper ist für mich das Zusammenwirken von klobig wirkender Bausubstanz und einer Oberfläche – Haut – , deren Charakter sehr grob, rau, archaisch ist. „Der sehr glatte, flächig in Erscheinung tretende Verputz ist vollständig abgeschlagen worden. Die zu schließenden Öffnungen sind mit Ortsbeton aufgefüllt; dies wurde so ausgeführt, dass dieses Zu“flicken“ sichtbar ist. „Eine hochweisse Kalkschlämmung bindet diese neuen Flicken in die alte Substanz aus grob gemauertem Bruchstein ein.“ (a. a. O., S. 22)
Die Oberfläche kann nun in diesen alpenländischen Raum wirken. Sie kommt nun dem Gebirge gleich. Ein Stein oder Steinwürfel, der fest steht in seinem Weiß erstrahlt, aber nicht als kristalliner Körper, doch licht, hell und klar. Die grobe Oberflächenstruktur der alten Mauer hat gleichzeitig auch etwas Weiches. Die durchgehende Kalkschlämmung verleiht dem Objekt einen samtenen Schimmer. Dieses Objekt ist alles in einem. Schneebedeckte Berge, rauhe, karge Felswände können beim Hinsehen assoziiert werden. Es ist wie ein Teil aus seiner umgebenden Natur. Ein einfacher, reduzierter Baukörper, eine gelungene abstrakte Umsetzung. Wind, ungestümes Wetter und Stürme könne ihm nichts anhaben. Ausgesetzt und doch beständig.
In dieser Schlichtheit ist er selbst auch etwas Besonderes und für eine museale Nutzung stimmig. Ein Baukörper, der wertvolles Kulturgut beinhaltet – er darf sich von anderer umliegender Architektur abheben. Bestehendes wurde bewahrt und kraftvoll und stark neu umgesetzt. Diese abstrakte Umsetzung, die doch mit einigem Aufwand betrieben werden musste, findet hier ihren Sinn und ist somit auch legitim. Die Öffentlichkeit kann daran teilhaben, indem Ausstellungen und Veranstaltungen darin stattfinden. Das Gelbe Haus wirkt in seinem strahlenden Weiß und bewirkt. (Foto und Objektkommentar: Roswitha Häfele)