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Einfamilienhaus/Anbau: Beim ursprünglichen Bau handelt es sich um einen traditionellen Bau mit Erker, Satteldach und Holzverkleidung im Dachgeschoss. Die Formensprache dieses ländlichen Einfamilienhauses ist durch eine kleinteilige Gliederung gekennzeichnet. (Fenstersprossen, Balken sowie Ausführung der Giebelhaube...) Nachdem die Giebelhaube vor allem in Österreich zahlreiche ländliche Bauten schmückt, sei an dieser Stelle noch einmal ihre ursprüngliche Funktion angesprochen. Die Giebelhaube, ein begehbarer Vorsprung der als Söller (Solarium) oder als „Gwandlgang“ bezeichnet wird, ist ein gestützter Gang, der primär als Trockenraum genützt wurde. Die Brüstungsbretter sind meist mit spiegelgleichen Ornamenten ausgesägt, oft mit Motiven von Wächterfiguren.
Die Möglichkeit im selben Stil an das Haus anzubauen schließe ich aus, zumal das Zitat eines derartigen Stiles in unserer heutigen Zeit mit großer Wahrscheinlichkeit in Kitsch gemündet hätte. Auch ich sehe bei diesem Neubau lediglich eine Chance, indem eine klare Gegenposition zur Formensprache des traditionellen Hauses bezogen wird. In diesem Fall denke ich, dass die Gestaltung des Anbaues konsequenter durchgezogen hätte werden müssen. Es wurden keine eindeutigen Gegenpole geschaffen, lediglich ein Wettstreit der beiden Körper. Die Formensprache des Ensembles ist nur schwer mit einem Auge fassbar. Es entsteht ein Wettstreit der unterschiedlichen formalen Ausdrücke. Man könnte folglich von einer architektonischen Ansammlung sprechen, die gegen Wahrnehmungsgesetzte verstößt. Die derzeitige Lösung sehe ich als eine halbe Sache:
Der Neubau erscheint mir nicht flächig genug, wird durch das stark gegliederte Fensterband zu kleinteilig. Folglich kann er sich formal nicht eindeutig vom Altbau abheben. Gut finde ich, dass der Neubau im Ensemble nach oben versetzt ist. Zum einem setzt er die bereits bestehende Ordnung von Garage, Haupthaus und Anbau fort und nimmt auch die Bewegung des Hanges auf. Dieser positive Aspekt wird jedoch durch die schräg gestellten Stützen vollkommen gehemmt. Sie treten in Konkurrenz mit den Pfeilern der Giebelhaube und dem Erker. Es besteht der Versuch, durch den Anbau eines weiteren stereometrischen Volumens auf der linken Seite ein Gleichgewicht zu erzielen, wenn gleich sich dieser Teil des Anbaues nur schwerlich von der Masse des Altbaues abhebt. (Bild und Objektkommentar: Michaela Huber)