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Weiler Soplá – anonyme Architektur, St.Kassian in Abtei – Südtirol/Italien: Im ersten Moment scheint das Ensemble ganz idyllisch und stimmig. Betrachtet man das Bild länger, findet man einen mißglückten Neubau, welcher keineswegs Rücksicht auf die anderen existierenden Gebäude genommen hat.
Jedes besitzt ein Satteldach, der Neuling hingegen sitzt frech mit einem Krüppelwalmdach mittendrin. Je länger man das Bild prüft, desto mehr stört diese Bedachung. Nicht nur die Form, sondern auch die Dachdeckung ist völlig anders gewählt worden. Die rötlichen Dachziegel stechen markant heraus und verwirren das Auge. Die harmonische Komposition wird somit ungebührlich gestört. Dazu kommt noch der runde Erker an der Hausecke. Fraglich ist die Herkunft dieses Elementes, da der Erker eigentlich den Häusern von städtischen Gassen gehört, um mehr Licht in das Haus zu bringen. Aber was macht dieses Element an einem Haus, welches auf der Sonnenseite seinen Sitz hat? Tritt die dekorative Funktion in diesem Fall nicht mehr in den Vordergrund als die rein funktionalistische Nutzung? Dieser Erker ist wie ein Parasit, der hier überhaupt nichts verloren hat. Betrachtet man die Wohnhausfassaden des Ensembles, ist man bald der Meinung, daß der Neuling auch in diesem Fall eher versagt hat. Keines der anderen Wohnhäuser besitzt einen Balkon, statt dessen eine klare einfache glatte Fassade mit zurückhaltenden Fensteröffnungen. Traurig ist der Versuch Wirtschaftgebäude mit Wohnhausgebäude zu kombinieren, zumindest was den Söller betrifft. Grob gesagt, finde ich das neue Wohnhaus kitschig und zugleich abwertend. Dazu paßt ein Zitat von Adolf Loos recht gut: „Baue nicht malerisch. Überlasse solche Wirkung den Mauern, den Bergen und der Sonne.“ (Bild und Objektkommentar: Richard Glira)