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Einfamilienhaus in Strassen (Osttirol): Dieses Einfamilienhaus fällt nicht wegen seiner Schlichtheit, sondern viel mehr wegen seiner fast schon unangenehm aufdringlichen Südfront auf. Es streckt dem Betrachter quasi unübersehbar seine Nase entgegen. Ein etwas überdimensionierter, in der Mitte des Gebäudes hervorspringender Rundbalkon mit auffälligem Säulengeländer verleiht ihm diesen recht eigensinnigen bis fast schon hochnäsigen Touch.
Gut gelöst ist dagegen die Verbindung dieser runden Terrasse mit dem Erdboden. Der darunterliegende Runderker verstärkt zwar den Eindruck der Massigkeit des vorstehenden Teils des Hauses, scheint aber eine perfekte Stütze für den schweren Balkon zu sein. Durch den vierstufigen Übergang vom etwas engeren Erker zum umfangreicheren Balkon, liegt dieser wie auf einem zusammengedrückten Kissen auf und verliert dadurch an Gewicht. Die Säulenbrüstung wird durch zwei an die Antike erinnernde, große, herrische Säulen unterbrochen, die als Stützen für ein rundes, asiatisch wirkendes Kupferdach dienen, das die Rundterrasse abschirmen soll.
Teilt man nun den zentralen Teil dieses Objekts in zwei Hälften, fällt auf, dass er exakt symmetrisch ist. In jeder Hälfte schließen drei Solarzellen an den Dachgiebel an und darunter findet sich ein wiederum überdachter Ausschnitt im Dach mit dazugehörigem Fenster. Auch die Platzierung der übrigen Fenster und Bauelemente unterstützen dieses symmetrische Verhältnis. Wie tragisch zerreißt der westliche Zubau diese Harmonie! Fast wie ein Parasit saugt er sich am Hauptteil des Gebäudes fest und lenkt mit seinem angesetzten Kupferdach den Blick vom Zentrum ab. Er besitzt zwar auch wie das Zentrum ein Kupferdach und ist ähnlich dem Balkon teils rund, trotzdem ist er irgendwie fehl am Platz bzw. beinahe lästig. Durch seine Anwesenheit wird die Gewichtverteilung des Ganzen durcheinandergebracht. Das Gebäude droht nach Westen zu kippen.
Schlussendlich wirkt dieses Objekt zu sehr um Anerkennung heischend, zu angestrengt, zu unecht, um ein erfreuliches Urteil darüber fällen zu können... (Bild und Objektkommentar: Bettina Huber)