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Wohnhaus in Gurten, Oberösterreich: '“Die Hochzeit des Figaro“ auf einer kleinen, ländlichen Schaubühne“
Mit etwas Phantasie hört man beim Anblick dieses Bildbeispieles Musik einer Oper der Wiener Klassik, wie „Die Hochzeit des Figaro“ von Wolfgang Amadeus Mozarts. Auszeichnend für die Musik der Wiener Klassik sind vereinfachte Harmonik, extreme Tempowechsel, wechselnde Dynamik, Kontraste zwischen Bass und Sopran. Komponisten streben klare, gefällige und universelle Formen an. Melodien sollten sehr eingängig und einfach sein. Allein schon das markante Gelb des Hauses lässt es zu, Töne und Klänge zu hören. Das Einfache wird durch eine klare Linie wiedergegeben – keine Verschnörkelungen! Bogenformen und rechteckige Formen stehen in ständiger Wechselwirkung – es wird ein Kontrast deutlich. Auch die abwechselnde Dachform lässt die Kontraste von Bass („Hauptdach“) und Sopran (einzelne „Kleindächer“) hören.
Der Bau für sich weist zusammenhängende, dynamische, auftrumpfende und kontrastreiche Elemente auf. Betrachtet man jedoch das Haus im Kontext der Umgebung muss man feststellen, dass das Musikstück am falschen Schauplatz aufgeführt wird. Das pompöse Werk ist in eine Landschaft gesetzt, in welcher Tradition und Bescheidenheit eine große Rolle spielt und bei einer Oper kann man nicht von bescheiden und still sprechen – sie ist viel mehr auftrumpfend. In einem amerikanischen Reichenviertel mit drei Hektar umrundende Grünfläche pro Villa, würde sich dieser Bau mehr der Umgebung anpassen. (Bild und Objektkommentar: Johanna Reisecker)