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Gemeindehaus Andelsbuch, Vorarlberg
Zur regionalen Identität des Bregenzerwaldes gehört im großen Maße das Selbstbewusste, Eigenwillige. Schon in der Geschichte hatten die "Wälder" ihre eigene Verwaltung und Gerichtsbarkeit. Ein gewählter Landammann und Rat tagte in der "Bauernrepublik" in einem, 1807 abgetragenen, Rathaus auf der Bezegg. Das Gebäude war auf Steinsäulen errichtet und nur durch eine Falltür über eine Leiter zugänglich. Diese wurde erst dann wieder angesetzt, als alle nötigen Beschlüsse gefasst waren. Die Geschichte vom "Wälderparlament" wird in den Schulen überliefert und ist jedem Bregenzerwälder bekannt. In dieser Tradition entstand das Gemeindezentrum von Andelsbuch, auf dessen Gebiet sich das ehemalige Rathaus befand. Ebenfalls auf Säulen steht ein Kubus, der einen Sitzungssaal beherbergt. In seiner verschlossenen Geste ist er der dominierende Gebäudeteil. Offen und transparent hingegen zeigt sich der Baukörper mit Verwaltung und Tourismusbüro. Die Holzschalung des Würfels verweist in der Materialwahl auf die Tradition, in dessen glatter horizontaler Verarbeitung auf moderne Vorarlberger Holzbaukunst. Natürlichkeit wird der gewagten Form vorwiegend durch die graue Patina des Holzes zuteil. Farblich harmonisch verbinden sich Beton und verwittertes Holz. Durch die Verglasungen an den Ecken kommt es zu einer Dekonstruktion des Kubus - eine zeitgemäße Interpretation der Geschichte. Fragwürdig hingegen bleibt die Verbindung zum offenen Volumen. Wäre hier nicht eine leichte Holz-Glas-Konstruktion vorteilhafter gewesen? Sie hätte die beiden doch sehr differenten Gebäudeteile formal miteinander verbunden. Generell scheint der gläserne Abschnitt nicht schlüssig komponiert. Eine noch weiter gehende Reduktion in der Formensprache hätte mit dem Kubischen besser zusammengespielt. "Schöpft ein Entwurf alleine aus dem Bestand und der Tradition, wiederholt er das, was sein Ort ihm vorgibt, fehlt uns die Auseinandersetzung mit der Welt und das Aroma der Gegenwart. Erzählt uns ein Stück Architektur Weltläufiges und Visionäres ohne ihren konkreten Ort zum Mitschwingen zu bringen, vermisst derjenige, der die Aura bestimmter Orte erfahren hat und für lebenswert hält, die sinnliche Verankerung des Bauwerkes an seinem Ort oder das spezifische Gewicht des Lokalen." (Peter Zumthor, Bau-Kultur-Region) (Objektkommentar und Bilder: Josef Frick)