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Gebauter „horror vacui“ (Pragsertal/Südtirol): Aus „Angst vor der Leere“ ist alles mit allen erdenklichen Formen und Gebilden zuornamentiert. Wir haben aus der Fassade springende Dreieckserker, eine ziselierte Holzkonstruktion in Weiß mit Bogenfeldern auf engstem Raum, Halbbögen mit Radspeichen, einen Arkadengang mit Doppelsäulen wie ein Klosterinnenhof oder eine Renaissance-Loggia (links unterhalb des Turms enger weitergeführt), einen auf zu dünne Stelzen gestellten Turm mit Halbbogenfeldern und einem hutförmigen Dachabschluß; grüne, vorspringende, kreisrunde Balkone mit barocken Einfassungen, darunter eine enggeführte Bogenreihe schon beinahe wie in Venedig… Die Bogenfelder der Südseite: mit anderem Radius und anderen Säulen; oben die Dachgauben als Zackenreihe im heftigen Kontrast zur Bogenreihe unten; die Terrasse hat weiße Rundsäulen als Stützen, der Balkon darüber Quaderbalken, usf. Die grauen Dachplatten wie von einem Gewerbebau kontrastieren heftig mit den gewollt luxurierenden Elementen im unteren Bereich. Summa summarum: Ein völlig disparates Sammelsurium, daß kein einziges Element als verbindende Klammer aufweist, ebensowenig ein gestalterisches Element mit Anknüpfung an die lokale Bautradition. Das ganze Erscheinungsbild ist so irreal, daß man sich vorstellt, Rapunzel zeigt sich in jedem Augenblick im Turm, Barbie auf dem Balkon. Der Bau ist geschwätzig wie ein Hühnerhof, ruhelos, unbeherrscht, konfus und zusammenhanglos, in sich zerrissen und mit sich selbst uneins. (Objektkommentar und Fotos: Elmar Waibl)