Geschichte


In der Zeit der Thun-Hohensteinschen Universitätsreform nach der Märzrevolution von 1848 wurde das Fach Philosophie an der Philosophischen Fakultät der Universität Innsbruck durch Georg Schenach vertreten. Als dieser 1857 an die Universität Wien berufen wurde, ging der Lehrstuhl an Tobias Wildauer, dessen Interesse aber spätestens nach seiner 1873 erfolgten Wahl in den Reichsrat offenbar mehr der Politik als der Philosophie galt.

1871 wurde eine zweite Lehrkanzel für Philosophie eingerichtet und mit dem Neukantianer Karl Sigmund Barach-Rappaport besetzt. Dessen Nachfolger wurde 1885 Karl Überhorst, der Philosophie und Psychologie lehrte. Unter dem Einfluss von Überhorst wurde 1896 der Brentano-Schüler und Experimentalpsychologe Franz Hillebrand zum Nachfolger von Wildauer bestellt.

Die Innsbrucker Brentano-Schule wurde durch die Nachbesetzung der zweiten Lehrkanzel durch Emil Arleth im Jahr 1905 gefestigt, der allerdings bereits 1909 verstarb, worauf der Brentano-Schüler und -Herausgeber Alfred Kastil nach Innsbruck berufen wurde. Kastil wurde außerhalb der akademischen Philosophie unter anderem dadurch bekannt, dass er sich 1920 in der Innsbrucker "Karl-Kraus-Affäre" auf die Seite des Schriftstellers stellte. Mit Ende des Wintersemesters 1933/34 zog er sich aus politischen Gründen vorzeitig aus seinem Amt zurück.

Nachfolger von Hillebrand wurde 1926 Theodor Erismann, der vor allem Experimentalpsychologie betrieb (die bekannten "Innsbrucker Brillenversuche"). Nach dessen Emeritierung im Jahr 1956 kam es zur Teilung der Lehrkanzel. Seine Nachfolger wurden Ivo Kohler für Psychologie und Hans Windischer für Geschichte der Philosophie und systematische Philosophie. Windischer war 1938 als Dozent entlassen worden und vertrat eine katholische Existenzphilosophie. Bereits in einer 1936 vom Innsbrucker Institut für scholastische Philosophie herausgegebenen Studie hatte er Brentanos Philosophie als unchristlich kritisiert.

1930 hatte Richard Strohal auf Kastils Initiative ein Extraordinariat für Philosophie mit besonderer Berücksichtigung der Pädagogik erhalten. Da er 1938 ebenfalls seines Amtes enthoben wurde, musste er die Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft als Mittelschullehrer in Vorarlberg verbringen. Der Nationalsozialist Walther Schulze-Soelde trat an seine Stelle. Philosophie lehrten in dieser Zeit auch die beiden in Innsbruck habilitierten Dozenten Ernst Foradori und Walter Del-Negro. Nach 1945 wurde Strohal reaktiviert und 1948 zum ordentlichen Universitätsprofessor ernannt. Neben Erismann war Strohal der letzte Vertreter des Faches Philosophie im umfassenden Sinn, der auch experimentelle Psychologie und Pädagogik abdeckte.

1968 wurde Gerhard Frey aus Stuttgart auf die neu errichtete Lehrkanzel für Philosophie und Wissenschaftstheorie berufen. Dieser trug wesentlich dazu bei, dass in Österreich wieder eine wissenschaftlich orientierte Philosophie Fuß fassen konnte, die durch das Ende des "Wiener Kreises", die nationalsozialistische Herrschaft und die nach dem Krieg erfolgte katholische Restauration beinahe von den Universitäten verschwunden war.

Als Nachfolger von Windischer kam 1977 Wolfgang Röd aus München nach Innsbruck - einer der wichtigsten Philosophiehistoriker im deutschsprachigen Raum, dessen philosophischer Standpunkt die Transzendentalphilosophie war. Nach dessen Emeritierung im Jahr 1996 blieb die Professur vakant, bis 2009 Paola-Ludovika Coriando von der Universität Freiburg eine Professur für Metaphysik übernahm.

1982 erhielt Hans Köchler eine außerordentliche Professur für Philosophie (mit besonderer Berücksichtigung der Politischen Philosophie und Philosophischen Anthropologie), ein Jahr später auch Josef Zelger, der die Zeitschrift "Conceptus" mitbegründet hatte und bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2005 als Professor am Institut lehrte. Freys Nachfolger wurde 1989 der Logiker Reinhard Kleinknecht (zuvor TU München), der 2002 einem Ruf nach Salzburg folgte.

Die Philosophin und Psychologin Franziska Mayer-Hillebrand war die zweite Frau, die an der Universität Innsbruck promoviert wurde - im Jahr 1919. 1932 erfolgte ihre Habilitation. 1935 habilitierte sich Simon Moser, der nach dem Krieg das Europäische Forum Alpbach mitbegründete und Professor in Karlsruhe wurde.

Zu den nach dem Krieg in Innsbruck habilitierten Philosophen gehören unter anderen Amadeo von Silva-Tarouca (später Professor in Graz), Wolfgang Stegmüller (der bei der Erismann-Nachfolge zwar erstgereiht war, aber aus weltanschaulichen Gründen übergangen wurde - kurz darauf wurde er Professor in München und begründete eine bedeutende Schule der Analytischen Philosophie), Bernulf Kanitscheider (Gießen), Reinhard Kamitz (Berlin und später Graz) sowie Rudolf Wohlgenannt (Linz).