FWF-Forschungsprojekt

Membership Metaphors as 'Doorkeepers'

Metaphorical Language in Philosophical Discourses on Migration and Refuge

Migration und Flucht gehören zu den umstrittensten Themenfeldern der Gegenwart. Dies gilt auch für den Bereich der Philosophie. Forderungen nach Inklusion oder Exklusion von „Fremden“, die Bedingungen kosmopolitischer Rechte in einer durch (staatliche) Grenzen zerklüfteten Welt oder humanitäre Verpflichtungen in Bezug auf Gastfreundschaft und Asyl werden kontrovers debattiert. Die philosophischen Meinungen hierzu gehen deutlich auseinander und die Argumentationen gelangen zum Teil zu gegensätzlichen Schlussfolgerungen.

So verschieden die philosophischen Diskurse zu Migration und Flucht auch sein mögen, eine Gemeinsamkeit, die sich wiederholt feststellen lässt, ist der häufige Gebrauch von Metaphern und Analogien bei der Entwicklung von Argumenten. So ist etwa mehrfach vom Staat als „Club“, „Familie“ oder gar als „Wohnzimmer“ die Rede. Das Verlangen nach Mitgliedschaft wird zuweilen als „Heiratsansuchen“ umschrieben. Die Legitimität von Abschiebungen wird sogar in Analogie zum Recht auf „Abtreibung“ erörtert.

Der Gebrauch solcher und weiterer Metaphern und Analogien wurde bisher noch nicht eigens recherchiert und soll von unserem Forschungsprojekt in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen Aufmerksamkeit gerückt werden. Das Projekt ist an den Instituten für Philosophie der Universitäten Innsbruck (Projektleitung) und Graz (nationaler Forschungspartner) angesiedelt.

Wir wollen insbesondere zeigen, (1) welche Metaphern und Analogien in philosophischen Texten zu Migration und Flucht gebraucht werden, (2) wie diese Metaphern und Analogien argumentativ genützt werden, (3) welche politischen und ökonomischen Interessen sie dabei reflektieren, aber auch (4) welche Zusammenhänge es zwischen akademischen Diskursen und öffentlichen Kontroversen gibt.

Methodisch knüpfen wir an die philosophische Metaphorologie an und entwickeln diese zugleich zu einer kritischen Metaphorologie philosophischer Diskurse zu Migration und Flucht weiter. Wir werden dafür eine eigene Datenbank mit relevanten Textpassagen erstellen und durch detaillierte Studien des Textkorpus prüfen, ob und inwiefern diese Metaphern der Mitgliedschaft metaphorische „Türsteher“ sind, welche die philosophische Reflexion von Flucht und Migration strukturieren und die Argumentation durch suggestive Wortbilder präjudizieren. Diese metaphorologische Kritik wird verdeutlichen, dass Metaphern und Analogien einen erheblichen Anteil an gegenwärtigen Verständnissen von Migration und Flucht haben und dass eine Problematisierung ihres Gebrauchs dazu beitragen kann, diese umstrittenen Themenfeldern anders denken zu lernen.

Projektleitung

Prof. Dr. Andreas Oberprantacher

Projektmitarbeiter:innen

Dr. Stephanie Graf

Dr. Laurin Mackowitz

Florian Pistrol, MA

 

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