Andreas Steinmayr ist seit Oktober 2020 Universitätsprofessor für Empirische Wirtschaftsforschung

Vor­ge­stellt: Zu­sammen­hänge richtig ver­stehen

Andreas Steinmayr widmet sich der Identifizierung von Kausalzusammenhängen in wirtschaftlich und politisch relevanten Themenfeldern. Der neue Professor für Empirische Wirtschaftsforschung legt dabei auch in der Lehre großes Augenmerk auf ökonometrische Methoden, die er seinen Studierenden als wichtige Werkzeuge für unterschiedlichste Berufsfelder mitgeben will.

Die Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung sind in einer zunehmend komplexeren Welt nicht immer so, wie es gängige Annahmen und vermeintlich fundierte Studien oft nahelegen. Selbst in Qualitätsmedien werden sie manchmal nicht richtig interpretiert, wie Andreas Steinmayr, der im Oktober 2020 an das Institut für Finanzwissenschaft berufen wurde, gelegentlich beobachtet. So zum Beispiel, wenn es um die Auswirkungen von Migration auf Politik und Wirtschaft geht, die der gebürtige Oberösterreicher seit vielen Jahren schwerpunktmäßig unter großer Beachtung der Fachwelt erforscht. Sein Interesse für die Migrationsforschung hat sich bereits während seiner Studienjahre in Wien sowie im Zuge eines Praktikums bei der Internationalen Organisation für Migration im Emigrationsland Moldawien entwickelt und ihn auch während seiner internationalen Karriere-Stationen begleitet. Dabei gilt Steinmayrs Aufmerksamkeit nicht nur den Auswirkungen von Einwanderung, sondern auch von Auswanderung in den jeweiligen Ländern.

Die Frage nach dem Effekt von ...

Erst jüngst konnte Andreas Steinmayr zwei peer-reviewed Papers zum Thema Migration publizieren: Eines davon gibt einen Überblick über die Auswirkungen von Migration in den OECD-Ländern, ein weiteres beschäftigt sich mit den Wahlergebnissen der FPÖ in oberösterreichischen Gemeinden im Kontext der Flüchtlingsströme 2015. „Zwar verzeichnete die FPÖ damals einen allgemeinen Stimmenzuwachs von 15 Prozentpunkten, was die Vermutung nahelegt, dass die starke Präsenz von Flüchtlingen die Unterstützung rechter Parteien begünstigt. Wir konnten aber zugleich zeigen, dass sich in jenen Gemeinden, in denen es zu Kontakt und nachhaltigen Interaktionen zwischen Einheimischen und Asylbewerbern kam, die Stimmen für die FPÖ um etwa 4 Prozentpunkte verringerten“, umreißt Steinmayr verkürzt das Ergebnis seiner Untersuchung. Diese stellt ein anschauliches Beispiel dafür dar, wie wichtig es seiner Ansicht nach ist, kausale Mechanismen methodisch strukturiert zu analysieren. – Eine Herangehensweise, die Andreas Steinmayr auch seinen Studierenden vermitteln möchte. „Absolventinnen und Absolventen werden mit Ursache-Wirkungs-Zusammenhängen konfrontiert sein, auch wenn sie nicht wissenschaftlich tätig sind“, verdeutlicht Steinmayr. „In meinem ersten Kurs hier an der Universität beschäftigen sich die Studierenden daher in kleinen Projekten mit spannenden Fragen wie ‚Was ist der Effekt der Pensionierung auf die Nachfrage nach ärztlichen Leistungen?‘ oder ‚Was ist der Effekt einer Ausweitung des Kinderbetreuungsangebots auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen?‘ – Ich möchte ihnen Werkzeuge der empirischen Forschung in die Hand geben, mit denen sie strukturiert über diese Probleme nachdenken können“, so der Wirtschaftswissenschaftler.

International vernetzt

Seine wissenschaftliche Laufbahn hat Andreas Steinmayr von der Wirtschaftsuniversität und der Universität Wien, wo er Volkswirtschaftslehre bzw. Soziologie studierte, über die Universität St. Gallen an die University of Chicago und schließlich an die Ludwig-Maximilians-Universität München geführt. Internationale Vernetzung und internationaler Austausch sind für ihn nach wie vor essentiell, um gute Forschung betreiben zu können, wie er betont. So es ist er affilierter Forscher an international tätigen Forschungsinstitutionen wie dem Stanford/Zurich Immigration Policy Lab, dem Institute of Labor Economics der Deutsche Post Foundation oder dem Center for Economic Studies des ifo Forschungsnetzwerks. „Mit diesen Institutionen affiliiert zu sein, verbessert die Möglichkeiten zum Austausch erheblich. Man nimmt an Konferenzen und Workshops teil, veröffentlicht dort Diskussionspapiere oder wird zu Forschungsvorträgen eingeladen. Dadurch bekommt die eigene Forschung mehr Sichtbarkeit, man erhält gleichzeitig aber auch wichtiges Feedback“, ist Steinmayr überzeugt.

Zur Person

Andreas Steinmayr, geboren 1983 in Rohrbach in Oberösterreich, studierte Volkswirtschaftslehre an der WU Wien und Soziologie an der Universität Wien. Im Februar 2014 promovierte er an der Universität St. Gallen bei Professor Michael Lechner zum Schwerpunkt mikroökonometrische Methoden. Im Anschluss an seine Promotion verbrachte er zwei Jahre als Gastwissenschaftler an der Harris School of Public Policy an der University of Chicago. Danach wechselte er an die Volkswirtschaftliche Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München, wo er von 2015 bis 2020 forschte und lehrte. Von 2018 bis 2020 war er gewähltes Mitglied des Jungen Kollegs der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Der Wirtschaftswissenschaftler ist affiliiertes Mitglied des Institutes of Labor Economics (IZA), des CESifo-Forschungsnetzwerks, sowie des Zürich/Stanford Immigration Policy Labs. Andreas Steinmayr ist verheiratet und hat zwei Kinder.

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