Wie kom­muni­kativ ist Wissen­schaft?

Im Rahmen der PhD-Lehrveranstaltung „Auf den Punkt gebracht“ haben sich Ende Januar/Anfang Februar 2021 angehende Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen rund um Stefan Mayr und Johannes Rüdisser versammelt, um sich mit den Möglichkeiten der Wissenschaftskommunikation zu beschäftigen.
Gehäckelte Bakterien
Bild: Für ihren Science Slam Beitrag mit dem Titel ‚Abwasser als Ressource‘ hat Anna Arthofer sogar online taugliche Bakterien gehäkelt. (Credit: Uni Innsbruck)

Zum Thema Wissenschaftskommunikation, die sich im besten Fall durch Sichtbarkeit und eine große Reichweite zeigt, haben sich im Rahmen einer PhD-Lehrveranstaltung Ende Januar/Anfang Februar 2021 angehende Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Disziplinen rund um Stefan Mayr und Johannes Rüdisser versammelt. Es wurde schnell klar, dass Wissenschaft Spaß und Nähe bedeuten kann. Sie zeigt sich beispielsweise beim Tagfalter-Monitoring-Projekt, das in Tirol auch Nicht-Wissenschaftler*innen an der Forschung teilnehmen und Schmetterlinge zählen lässt, oder beim Baumprojekt Citree, bei dem auch Laien einfache Messungen an Bäumen durchführen dürfen. Wissenschaftskommunikation ist so vielseitig und bunt wie die Welt der Schmetterlinge, und die spannende Online-Lehrveranstaltung zu diesem immer wichtiger werdenden Thema hat dies einmal mehr gezeigt.

Es gab Einblicke in die Verifikation, eine Reise zum absoluten Nullpunkt, welche das Leben eines ultrakalten Atoms zeigte, einen großartigen Artikel über die Auswirkungen und Risiken globaler Erwärmung, ein Kartenspiel namens Seeker, welches das Interesse für wissenschaftliche Themen spielerisch wecken soll, einen Comic zum Thema Phospholipide und die Bedeutung für die Krebstherapie und es gab sogar Tipps und Tricks zu Sport im Lockdown. Es wurden Comics gezeichnet, Videos gemacht, Karikaturen gezeigt und spielerisch Atome vorgestellt, die die Fähigkeit besitzen, zu kommunizieren. Eine Forscherin zeigte die Entdeckungen und Herausforderungen eines automatisierten und permanenten Laser-Scanning-Systems an einem Ötztaler Gletscher. Was hat Reibung von Ski auf Schnee mit der Titanic gemein? Auch auf diese Frage gab es eine Antwort. Nach der Lehrveranstaltung war klar, dass der Angriff eines Engerlings aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet werden kann. Vom Bakterium zum Superkeim und Abwasser als Ressource, das waren weitere Themen, die durch einen gekonnten Science-Slam beleuchtet wurden. In einem Artikel über Wissenschaftskommunikation, den Sie nun lesen bzw. selektiv überfliegen, wurde versucht, all diese interessanten Einblicke zu verarbeiten und unter dem Aspekt Wissenschaft, Sprache und Kommunikation noch einmal zu reflektieren. Die Lehrveranstaltung hat gezeigt, dass Wissenschaft unglaublich begreifbar gemacht werden kann. Sie kann eine Sprache wählen, die verstanden wird. Trotzdem wirkt sie für Außenstehende oftmals unnahbar. Die Frage ist nun, ob die Wissenschaft das ausreichend kann, was diese kleinen Atome können.

Kommunikation sei nicht gerade die Stärke der Wissenschaft, behaupten manche. Von all dem war bei der Lehrveranstaltung nichts zu merken. Und während die Wissenschaft sich hier kommunikativ und zugänglich zeigte, wird sie manchmal als kleiner, elitär anmutender Kreis gesehen, in dem eigene Regeln und Gesetze gelten. Bei dem Wort Wissenschaft mag man an bahnbrechende Erkenntnisse, aber auch an geniale Professor*innen mit Brille und/oder Baum denken. Angeblich nimmt das Interesse für Wissenschaft bei den meisten Menschen im Laufe des Lebens dramatisch ab. Der Weg vom neugierigen Kind zum desinteressierten Erwachsenen scheint vorprogrammiert zu sein. Dies ist jedoch nicht ausschließlich eine Frage der Wissenschaftskommunikation, sondern möglicherweise das Defizit eines Systems, das zu wenig Raum für das Wachstum kindlicher Explorationsfreude lässt. Die Wissenschaft leistet auch hier einen Beitrag und hält für junge interessierte Menschen, die Junge Uni und die Lange Nacht der Forschung bereit. Wissenschaft kann offen sein und sie kann kommunizieren. Es ist unbestritten, dass Wissenschaftskommunikation zwischen Wissenschaftler*innen funktioniert. Da gibt es jede Menge Diskurse, Publikationen, Papers, Titel, Jahreszahlen, Quellen und Zitate. Mit Wissenschaftskommunikation ist auch jene Form der Verständigung gemeint, die sich an die Außenwelt richtet, und zwar auch an all jene, die nicht Teil der sogenannten Wissenschaftscommunity sind.

Es ist wichtig, dass die Wissenschaft Einblicke in die geleistete Arbeit gibt. Sie wendet sich über Wissenschaftsjournalisten, die sozialen Medien, Wissenschaftsblogs, Citizen Science bzw. Open Science an ein breiteres Publikum bzw. lässt es an der Forschung teilnehmen. Dass Wissenschaftler*innen auch nur Menschen sind, hat die Krise in den letzten Monaten gezeigt und auch die Tatsache, dass Erkenntnis nicht über Nacht generiert wird, sondern einem Prozess unterworfen ist, wurde deutlich. Und doch hat die Wissenschaft bewiesen, dass sie sich stetig und präzise einer Lösung annähern kann. Qualität vor Quantität, Kommunikation nach außen und nach innen, den Inhalt wirklich und klar vermitteln wollen, lesefreundliche und etwas größere Schriften, nicht nur das Ergebnis, sondern manchmal auch den Prozess dorthin, transparent teilen und echtes Interesse am Nutzen für die Gesellschaft – das sind die besten Voraussetzungen für eine kommunikative Wissenschaft. Und vielleicht ist die Wissenschaft auch nur ein ganz normaler Held, der sich anfangs etwas betteln lässt, aber am Ende doch alle rettet.

(Nadja Gruber)

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