Wer war Pierre-Augustin Caron de Beau­marchais?

Er war Freigeist, Erfinder, Amerika-Freund, Geschäftsmann, Reeder, Spekulant, Geheimagent, Politiker, Voltaire-Herausgeber, Libertin, Theatermann und Kämpfer für Autorenrechte. Seinen Zeitgenossen war er als Autor geistreicher und scharfzüngiger Streitschriften viel bekannter denn als Dichter und Schriftsteller.
Silvia Tschörner bei der Lesung
Bild: Dr. Sylvia Tschörner bei ihrer Lesung. (Credit: Romana Kaier)

Er war auch Musiker und erfand ein eigenes Pedal an der Harfe – aber die Musik zu den beiden Stücken, die ihm Unsterblichkeit bescheren sollten, schrieben andere. Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais (1732-1799) ist der Autor von „Der Barbier von Sevilla“ und „Der tolle Tag oder die Hochzeit des Figaro“. Aber an diesem Abend im Claudiasaal, an dem der Frankreich-Schwerpunkt zur Buch­präsentation mit der Übersetzerin und Schauspielerin Dr. Sylvia Tschöner eingeladen hatte, ging es nicht nur um ihn. Denn das Buch „Briefe ohne Nadeln: Figaros Vater an Mme de Godeville“, das im Tiroler Limbus-Verlag erschienen ist, lässt eine Liebesgeschichte wieder lebendig werden. Sie ist die „femme galante“ Madame de Godeville, von ihrem Mann getrennt lebend, Mätresse berühmter Männer, befreite, selbstbestimmte Frau, Intrigantin und Agentin. Im Londoner Exil lernen sie sich kennen, und es entspinnt sich eine mehrjährige Beziehung, ein amour fou, dessen Aufs und Abs, heftige Zerwürfnisse, zärtliche Tändeleien und sinnliche Extasen sich in einer Korrespondenz widerspiegeln, von der nur eine Hälfte – die seine – erhalten ist, die allerdings die ganze bewegte Beziehung dieser zwei starken Charaktere in witzigen, erotisch expliziten Texten nachvollziehbar macht. Die Leiterin des Frankreich-Schwerpunkts, Prof. Eva Lavric, brachte es auf den Punkt: „Dieses 18. Jahrhundert ist uns sehr nahe, ihm verdanken wir unsere geistige und gesellschaftliche Freiheit. Dank der Übersetzung von Dr. Sylvia Tschörner, die das französische Original bei einem Pariser „bouquiniste“ ausgegraben hat, können wir diese köstlichen Texte jetzt auch auf Deutsch nachlesen.“

(Eva Lavric)


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