Von der Friedensidee zum Zankapfel

In der 4. eeecon-Lecture analysierte der bekannte deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn am Dienstag die jüngsten wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa. Bei seinem Vortrag im vollbesetzten Kaiser-Leopold-Saal zeigte er auf, wie die Architektur der Eurozone reformiert werden müsste, um die Krise zu beenden.
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Bild: Der deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn zu Gast an der Uni Innsbruck

Der Vortrag des deutschen Ökonomen Hans-Werner Sinn rief großes Interesse hervor. Ging es dabei doch um ein Thema, das uns alle direkt betrifft: den Euro. Der ehemalige Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung war am Dienstag auf Einladung der von Prof. Janette Walde geleiteten Forschungsplattform Empirische und Experimentelle Wirtschaftsforschung (eeecon) zu Gast an der Universität Innsbruck. Die bereits 4. eeecon-Lecture wurde von Rektor Tilmann Märk eröffnet, der sich freute, einen so renommierten Gast an der Uni Innsbruck begrüßen zu dürfen. Die Veranstaltung sei ein schönes Beispiel dafür, wie die Universität ihrer gesellschaftspolitischen Aufgabe nachkommen.

Hans-Werner Sinn hat mehrere populärwissenschaftliche Bücher zu wirtschaftspolitischen Themen verfasst. In den jüngsten Publikationen beschäftigt er sich mit dem Euro und der Krise der gemeinsamen europäischen Währung. Die Krise sieht Sinn nämlich bei weitem noch nicht überwunden, denn die Arbeitslosenzahlen in den Krisenländern sind nach wie vor hoch. Die zum Teil dramatische Jugendarbeitslosigkeit bedeutet für Sinn den „Verlust einer ganzen Generation von jungen Leuten“. In seinen Ausführungen erläuterte der Ökonom sehr anschaulich, wie es zur Euro-Krise gekommen ist und wie das Anhäufen von weiteren Schulden die Situation immer noch zuspitzt. Für Sinn gibt es vier Optionen mit der Krise umzugehen, die aber alle nicht zufriedenstellend seien: eine Transferunion, in der die stärkeren Regionen die schwächeren unterstützen, mit dem Nachteil, dass diese lange am Tropf hängenbleiben werden; eine Deflation in der Peripherie, was aufgrund der Überschuldung zu Insolvenzen und Massenarbeitslosigkeit führen kann; eine Nachinflation in den ökonomisch stabilen Regionen, was die Gefahr von neuen Investitionsblasen mit sich bringt; oder der Austritt von Krisenländern aus der gemeinsamen Währung, was aufgrund des Schuldenproblems mit einem erheblichen Ansteckungsrisiko verbunden ist. Jedenfalls sei die Krise noch lange nicht überwunden, sie werde in der öffentlichen Wahrnehmung nur durch die Flüchtlingskrise verdrängt. Diese vergrößere ebenfalls die Währungsprobleme, weil aus politischen Gründen der Reformdruck von den Krisenländern genommen werde, wie sich aktuell am Beispiel Griechenland sehr gut zeige.

Die Veranstaltung im Kaiser-Leopold-Saal war zugleich die letzte Aktivität des Sowi-Clubs. Dieser wurde als erster Alumni-Verein an der ehemaligen Sozial- und Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät gegründet, wie Obmann Prof. Franz Pegger bei seiner Begrüßung betonte. Inzwischen ging durch das Universitätsgesetz die Betreuung der Absolventinnen und Absolventen zu den Universitäten über, wofür in Innsbruck nun die neugegründete Transferstelle Wissenschaft – Wirtschaft – Gesellschaft zuständig ist.


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