Von Booten, Bergen und Zäunen am INTRAWI

Nach der erfolgreichen Veranstaltung „Piraten, Gin Tonic und Partnerwahl“ zur Langen Nacht der Forschung waren die Erwartungen an die zweite Dolmetschkonferenz am Institut für Translationswissenschaft, die am 24. Mai 2016 unter dem Titel „Global gesehen: von Booten, Bergen und Zäunen“ stattfand, natürlich hoch. Die TeilnehmerInnen wurden auch diesmal nicht enttäuscht.
Begrüßung des Gemeinderats Mesut Onay für die ZuhörerInnen der INTRAWI-Konferenz
Bild: Simultandolmetscherinnen in den Kabinen übertragen das Gesagte zeitgleich in andere Sprachen, hier die Begrüßung des Gemeinderats Mesut Onay für die ZuhörerInnen der INTRAWI-Konferenz. (Credit: Elvira Iannone)

Ein so aktuelles und weitreichendes Thema wie Flucht lässt sich kaum an einem Nachmittag abhandeln. Doch das war auch nicht die Zielsetzung der Konferenz „Global gesehen: von Booten, Bergen und Zäunen“. Vielmehr ging es darum, das Thema aus verschiedenen und – vielleicht für manche – neuen Blickwinkeln zu beleuchten. Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung durch Mesut Onay, dem Vorsitzenden des gemeinderätlichen Ausschusses für BürgerInnenbeteiligung, Petitionen und Zivilgesellschaft der Stadt Innsbruck, stellte sich Gilles Reckinger vom Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie in seinem Vortrag die Frage, ob es für einen Ethnologen denn zulässig sei, sich als Forscher in einen Slum zu begeben. Anlass zu diesen Überlegungen war seine eigene Forschung in Kalabrien – das Projekt „Bitter Oranges“ zur Ausbeutung von Plantagenarbeitern. Daran knüpfte der auf ihn folgende Redner an: Matteo De Checchi berichtete eindrücklich über seine Erfahrung als Journalist in Süditalien in solchen Slums und zeigte auf, dass sich für viele Menschen nach der Flucht nicht nur der Traum von einem besseren Leben nicht erfüllt, sondern sogar in einer neuen Form von Sklaverei enden kann. Genauso beeindruckend war der Vortrag von Laura Alsina Ona über ihre Arbeit als Freiwillige in „ihrer“ Stadt, Melilla, die zu einem der wichtigsten Übergangsorte in Nordafrika für MigrantInnen und Flüchtlinge auf dem Weg nach Europa geworden ist – trotz eines mehrere Meter hohen Zauns.

Nach diesem Blick über die Grenzen und den eigenen Tellerrand brachte Thomas Lechner, ehemaliger Referent am Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl, den ZuhörerInnen das asyl- und fremdenrechtliche Verfahren in Österreich aus juristischer Sicht ein wenig näher.

Die zwei letzten RednerInnen des Tages gingen auf den Aspekt des Dolmetschens, sowohl für Flüchtlinge als auch für MigrantInnen, ein. Katharina Redl berichtete über ihre langjährige Erfahrung als Dolmetscherin für Flüchtlinge und zeigte auf, wie wichtig gut geschulte DolmetscherInnen in diesem Bereich sind, nicht nur im eigentlichen Asylverfahren, sondern auch in der Rechtsberatung oder in der Psychotherapie. Den thematisch dazu passenden Abschluss der Konferenz machte Matthias Monreal, der seine „community interpreting platform“ interprAID vorstellte, die es Menschen ermöglicht, über einen Videocall die Hilfe von DolmetscherInnen in Anspruch zu nehmen.

Hubert Rinner vom INTRAWI führte durch einen höchst interessanten Nachmittag mit vielen Informationen, Diskussionen und Emotionen. Vielleicht wurde die eine oder andere Frage beantwortet, aber mindestens genauso viele neue sind wohl dazugekommen. Mit ein bisschen Glück bringt dieser Nachmittag bald neue Kooperationen zustande, beispielsweise zum Thema Süditalien.

Wer die zweite Dolmetschkonferenz verpasst hat, muss sich nun ein wenig gedulden: Das Institut für Translationswissenschaft organisiert immer im Sommersemester Konferenzen zu verschiedenen, aktuellen Themen, die von Studierenden der MA-Spezialisierung Konferenzdolmetschen simultan in die Institutssprachen Deutsch, Englisch, Italienisch, Französisch, Russisch und Spanisch gedolmetscht werden.

(Hubert Rinner)

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