Singa­pur stu­diert ILS-Forschungs­ansatz

Eine Forschungsgruppe unter Leitung von Dekanin Prof. Rebecca Ang und Dekan Prof. David Hung vom National Institute of Education besuchte im Jänner das Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung (ILS) an der Universität Innsbruck.
Gruppenbild am ILS
Bild: Vorne v.l.: Prof David Hung, Dean Education Research; Eva Moo, Deputy Research Admin Head; Dr Lynn Chiam; Dr Tan Mei Ying; hinten v. l.: Dr. Johanna Schwarz (ILS), Prof. Dr. Irma Eloff (University of Pretoria), Dr. Heike Beuschlein (PH Zürich), Prof. Dr. Michael Schratz (ILS), Dr. Vasilis Symeonidis (ILS, EDiTE), Assoz. Prof. Dr. Eveline Christof (ILS, Institutsleitung), Prof. Mag. Dr. Christian Kraler (ILS, Institutsleitung), Mag. Livia Rössler (ILS, nicht am Bild) (Credit: Uni Innsbruck)

Das National Institute of Education (NIE) ist an der Nanyang Technological University angesiedelt und in Singapur für die Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern, die Qualifizierung von Schulleitungen sowie die Qualitätssicherung im Schulsystem zuständig. Die Gruppe hat den in Innsbruck vertretenen Ansatz zur phänomenologischen Lernforschung, die Innsbrucker Vignettenforschung, studiert und eine Forschungskooperation mit der Universität Innsbruck initiiert.

Ausgangspunkt für den hochrangigen Besuch aus Singapur am ILS war eine Gastprofessur von Prof. iR Dr. Michael Schratz am NIE, der die Erfolgsgeschichte des PISA-Siegerlandes studierte: Lehrpersonen in Singapur haben ein hohes Ansehen, entsprechende Aufstiegschancen und verdienen im internationalen Vergleich überdurchschnittlich gut. Nur die besten Absolventinnen und Absolventen haben eine Chance auf den Lehrerberuf. Ihre Professionalität wird gefördert – sie genießen eine hoch qualifizierte Ausbildung, müssen 100 Stunden Fortbildung pro Jahr absolvieren und Rechenschaft darüber ablegen, wie sie sich kontinuierlich weiter professionalisieren.

Der Bildungsminister Singapurs sieht eine weitere Entwicklung des Bildungssystems nicht in der Weiterentwicklung von Leistungstests, sondern im Erkunden von neuen Erkenntnissen gemäß dem Motto „Nurturing Hearts and Minds“. Mit diesem Auftrag lernten die Gäste aus Singapur in einem viertägigen Workshop am ILS den Ansatz der Vignettenforschung kennen. Die Innsbrucker Vignettenforschung ist eine am ILS entwickelte qualitative, ethnographisch, narrativ und phänomenologisch orientierte Forschungsmethode, mit der SchulforscherInnen das Lernen von SchülerInnen über den Vollzug von Lernerfahrungen erschließen und Erfahrungsmomente pädagogischen Handelns versteh- und erfahrbar machen.

Nach der Einführung in die Grundlagen der Vignettenforschung durch Michael Schratz und Johanna F. Schwarz vom ILS übten die Gäste das Instrumentarium in mehreren Schulklassen der International School am Akademischen Gymnasium Innsbruck. Zudem konnten bestehende Kontakte über die Zusammenarbeit des ILS mit der Universität Pretoria und die PH Zürich eingebunden werden. Über die Mit-Erfahrung der Unterrichtserfahrungen einzelner SchülerInnen verdichteten sie Erfahrungsmomente aus dem schulischen Alltag in rekursiven Schreibprozessen in prägnante Narrationen. Die daraus entstandenen Vignetten halten als „Klangkörper des Lernens“ den Erfahrungsreichtum in Form „dichter Beschreibungen“ fest und werden in anschließender Deutung mittels „Vignetten-Lektüren“ phänomenspezifisch ausdifferenziert.

Die intensive Auseinandersetzung mit dem Innsbrucker Forschungsansatz hat den Gästen nicht nur neue Einblicke in die im deutschen Sprachraum verbreitete phänomenologische Perspektive gegeben, sondern bereits nach so kurzer Zeit ergaben sich fruchtbare Implementierungsanregungen für den Bildungskontext in Singapur. Dort soll als Ergebnis eine Forschungsgruppe aufgebaut werden, die mit Unterstützung des ILS die Anwendung im asiatischen Raum erproben wird. Damit werden neue Impulse zum „Nurturing Hearts and Minds“ in der Lehrerbildung und Schulforschung gesetzt, die auch auf unsere Bildungsarbeit am ILS zurückstrahlen wird.

(ILS/Red.)

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