Scientists for Future unter­stützen Fridays for Future

Am vergangenen Dienstag fand im Innsbrucker Leokino ein gemeinsames Pressegespräch der beiden Bewegungen Fridays for Future Tirol und Scientists for Future Tirol/Vorarlberg statt. Georg Kaser und Johann Stötter von der Uni Innsbruck und Anna-Lena Habsburg und Sarah Nobis von Fridays for Future Tirol informierten über ihre gemeinsamen Forderungen.
Johann Stötter, Sarah Nobis, Anna-Lena Habsburg und Georg Kaser (v.l.)
Bild: Scientists for Future und Fridays for Future präsentierten heute ihre gemeinsamen Forderungen: Johann Stötter, Sarah Nobis, Anna-Lena Habsburg und Georg Kaser (v.l.). (Credit: Universität Innsbruck)

Derzeit demonstrieren regelmäßig viele junge Menschen in der Fridays-for-Future-Bewegung für Klimaschutz und den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Uni Innsbruck unterstützen diese Bewegung im Rahmen der internationalen Initiative „Scientists for Future“ (S4F) bereits seit mehreren Monaten und bauen die Strukturen für S4F in Tirol und Vorarlberg auf.

Statement der Fridays-for-Future- und Scientists-for-Future-Bewegung Tirol/Vorarlberg

Die Klimakrise lässt der Menschheit nicht mehr viel Zeit, um das Problem anzugehen und zu lösen. Die Klimaaktionswochen bieten daher einen guten Grund, wenige, aber grundlegende Fakten auf den Tisch zu legen. Am 16. September 2019 stellte Fridays for Future sechs nationale Forderungen an die Bundesregierung. Diese beinhalten, dass die Regierung sofort Maßnahmen ergreifen muss, um gegen die Klimakrise anzukämpfen. Konkret fordert Fridays for Future den Erhalt sowie die Förderung der Biodiversität, den Ausstieg aus Öl, Kohle und Gas bis 2025, eine drastische Senkung der CO2-Emissionen, beginnend mit 2020 und dem Erreichen von Netto-Null-Emissionen mit 2030, sowie eine sozial-ökologische Steuerreform.

Diese Maßnahmen werden von S4F Tirol und Vorarlberg vollinhaltlich unterstützt. Denn im Pariser Klimaabkommen von 2015 haben sich Österreich sowie 196 weitere Staaten dazu verpflichtet, den von Menschen verursachten Klimawandel deutlich unter 2 Grad, möglichst auf 1,5 Grad, gegenüber den vorindustriellen Werten zu begrenzen. Unter der Annahme, dass alle Staaten in gleicher Weise zur Erreichung dieser Klimaziele beitragen, kann/darf Österreich noch zwischen 1 und 1,5 Gigatonnen CO2-Äquivalente (1 Gigatonne = 1 Mrd. Tonnen) verbrauchen bzw. emittieren. Derzeit beträgt die jährliche Emission ca. 0,08 Gt CO2-Äquivalente. Dies bedeutet, dass bei gleichbleibender Lebensweise das Kontingent bis ca. 2030 ausreicht. Anschließend müsste der Lebensstil der Österreicherinnen und Österreicher CO2-neutral gestaltet sein, damit wir unseren Nachkommen einen Planeten übergeben, auf dem sich die Klimaerwärmung durch Rückkoppelungseffekte nicht verselbständigt hat. Rückkoppelungseffekte können ab einer Erwärmung von 1,5 Grad eintreten. Zum Beispiel wird davon ausgegangen, dass ab einer globalen Erwärmung von 2 Grad Celsius weltweit die Korallenriffe absterben werden (siehe Great Barrier Reef). Korallenriffe sind sogenannte CO2-Senken, welche intakt enorme Kapazitäten an CO2 aus der Luft aufnehmen können, beim Absterben jedoch wieder freigeben. Mit der Abgabe des CO2 erwärmt sich die Temperatur weiter und andere Prozesse könnten in Gang treten (z.B. ab 3 Grad Erwärmung -> 100 % Absterben des Amazonas-Waldes durch Feuer).

Um diesen Ereignissen zuvorzukommen, muss die Menschheit global agieren. Da Österreich Teil der globalen Gemeinschaft ist und zudem die westliche Welt eine historische Verantwortung trägt, da wir seit einem Jahrhundert von den fossilen Energieträgern zehren, müssen wir aus Klimagerechtigkeitsgründen schneller handeln als andere Staaten, die sich erst einen gleichwertigen Lebensstandard aufbauen müssen. Um die Emissionen von CO2-Äquivalenten zu verringern, gibt es unterschiedliche Ansätze. Expertinnen und Experten sind sich jedoch einig, dass jetzt und auf höchster politischer Ebene gehandelt werden muss. Dies ist einerseits wichtig, um Lock-in-Effekten vorzubeugen und andererseits, um den benötigten tiefgreifenden Systemwandel in allen Lebensbereichen zu vollziehen. Lock-in-Effekte entstehen, wenn Technologien mit hohen Emissionswerten angeboten werden, die zeitgleich eine lange Lebensdauer aufweisen, wie z.B. Ölheizungen. Um diesen Effekten entgegenzuwirken, muss rechtzeitig entgegengesteuert werden (z.B. mit einem Verbot neuer Ölheizungen ab 2020). Um einen tiefgreifenden Systemwandel und somit auch gesellschaftlichen Wandel einzuläuten, sind sich wiederum alle Expertinnen und Experten einig, dass eine sozial-ökologische Steuerreform hierfür derzeit eines der effektivsten Werkzeuge darstellt. Mit entsprechenden Steuern werden klimaschädliche Güter und Technologien teurer sowie die klimaneutralen Güter und Technologien konkurrenzfähiger. Zudem können mit den Einnahmen die notwendigen Schritte in eine klimaneutrale Zukunft, wie z.B. der Ausbau des öffentlichen Verkehrs, gesetzt werden. Weiters könnte die sozial-ökologische Steuerreform zu einer Umverteilung des Vermögens von Reich zu Arm beitragen, und zwar durch Ausschüttung eines gewissen Prozentsatzes des eingehobenen Betrages über die gesamte Bevölkerung in gleichen Teilen. Die einkommensschwächsten 10 % der Österreicherinnen und Österreicher emittieren ca. 9 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person und Jahr, wohingegen die einkommensstärksten 10% ca. 22 Tonnen CO2-Äquivalente pro Person emittieren (Details dazu: https://awblog.at/was-treibt-die-treibhausgase-ein-blick-auf-konsum-und-verteilung/). Um eine klimaneutrale Lebensweise aufzuweisen, würde uns pro Kopf ca. 1 Tonne CO2-Äquivalente/Jahr zustehen.

Fridays for Future Tirol (FFF) und Scientists for Future Tirol/Vorarlberg (S4F)

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