Reli­gions­wissen­schaft­ler zu Gast

An der Fakultät für Bildungswissenschaften war im Herbst mit Martin Treml ein ausgewiesener Experte für Religionsfragen zu Gast. Im Rahmen des LFUI Gastprofessuren-Programms der Universität beschäftigte er sich in Innsbruck mit Kulturtheorie und der Analyse von Religionskulturen.
Martin Treml
Bild: Gastwissenschaftler Martin Treml vom Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin (Credit: Uni Innsbruck)

Dr. Martin Treml vom Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Berlin war auf Einladung von Prof. Irene Berkel vom Institut für Psychosoziale Intervention und Kommunikationsforschung von Oktober bis Dezember als Gastprofessor an der Universität Innsbruck tätig. Bereits seit 2014 war er immer wieder als Lehrender in Innsbruck. „Ich bin sehr gerne hier. Ich habe Tirol und Innsbruck ganz neu kennengelernt“, erzählt der in Linz geborene und in Berlin lebenden Kulturwissenschaftler. Treml ist ein international anerkannter Wissenschaftler. Er war Fellow am Franz Rosenzweig Institute an der Hebrew University of Jerusalem, Senior Fritz Saxl Fellow am Warburg Institute in London und Visiting Lecturer an der Stanford University. Während seiner Gastprofessur bot er zwei Lehrveranstaltungen an, in denen er sich mit den Studierenden einerseits klassischen und aktuellen Texten der Kulturtheorie widmete und andererseits die Rolle von Märtyrern als religionskulturelle Figuren beleuchtete.

Religionen sind für Martin Treml große Speicher kultureller Symbole und kultureller Formen. In einem öffentlichen Abendvortrag stellte er den vom ihm mitentwickelten Begriff der Religionskulturen vor. Er soll es ermöglichen, auch nach der Säkularisierung über Religionen zu sprechen. Mit dem Begriff nähert er sich aus kulturwissenschaftlicher Perspektive dem für unsere Gesellschaft charakteristischen Nebeneinander von Kulturen und Religionen. „Hier geht es darum, Wissen um Entstehung, um Entwicklung und um den wechselseitigen Austausch zwischen unterschiedlichen Religionskulturen sowie Einsicht in die diese prägenden Traditionsbestände und Rituale zu vermitteln“, sagt Martin Treml, der auch von einer Dialektik der Entzauberung und Wiederverzauberung spricht. Dies veranschaulicht er mit dem Bild von Weihnachtsfest, das von der Christenheit am heidnischen Kulttag für den römischen Reichsgott Sol Invictus begangen wird und als Fest der Heiligen Familie gefeiert wird. „Heute ist Weihnachten aus dem Christentum herausgetreten und hat sich zu einem privaten Familienfest entwickelt“, sagt Treml. „Es wird heute auch von Anhängern nichtchristlicher Religionen gefeiert.“

An der Universität Innsbruck sind in diesem Studienjahr insgesamt 17 LFUI Gastprofessorinnen und Gastprofessoren tätig, darunter auch ein Wittgenstein-Gastprofessor am Forschungsinstitut Brenner-Archiv.

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