Plan der Landwirtschaftsschule.

Raum für Bildung

Gemeinsam mit dem ehrenamtlich arbeitenden Verein „Kindern eine Chance“ sollen zwei berufsbildende Schulen in Uganda entstehen. Am Institut für Städtebau und Raumplanung arbeiten Studierende seit einem Jahr an der Planung einer Tourismus- und einer Landwirtschaftsschule.

Seit Jahren engagiert sich der Verein „Kindern eine Chance“ mit seinem Obmann Stefan Pleger für den Bau von Schulen und Infrastruktur im zentralafrikanischen Land Uganda, um so Kindern eine Schulausbildung und eine gesicherte Zukunft zu bieten. „Die Kinder sollen ein Dach über dem Kopf bekommen, damit sie nicht zu Straßenkindern werden, sie sollen zur Schule gehen, damit sie als gebildete junge Erwachsene selbst ihr Leben in die Hand nehmen. So kann den Kindern nachhaltig geholfen werden“, engagiert sich Pleger von „Kindern eine Chance“. Nach dem Besuch der Grundschule sollen auch Jugendliche die Chance für eine für die Region wichtige Berufsausbildung erhalten. Maria Schneider, Professorin am Institut für Städtebau und Raumplanung und Johannes Mitterdorfer leiteten die Lehrveranstaltung im vergangenen Sommersemester und betreuen nach wie vor die Studierenden bei der Planung und Umsetzung der Projekte. „Die Aufgabe für die Studierenden bestand darin, in Uganda städtebauliche und landschaftsarchitektonische ökologische Konzepte für zwei Bildungscampus zu entwickeln und in Folge die erforderlichen Gebäude sowie den Außenraum detailliert zu entwerfen und zu gestalten“, erklärt Maria Schneider. Gemeinsam mit Johannes Mitterdorfer und einer Jury, wurden je ein Projekt zur Umsetzung der Landwirtschafts- und der Tourismusschule ausgewählt. Noch heuer soll mit dem Bau der Landwirtschaftsschule in Nakaziba begonnen werden. Für die Wissenschaftlerin ist es wichtig, dass die Schulen nicht nur geplant, sondern auch gebaut werden und so vor Ort eine Wertschöpfung entsteht.

Einfache Materialien

Keine modernen Maschinen, Dübel aller Art, ein gut sortierter Baumarkt oder die neuesten Materialien stehen für die Planung und Umsetzung vor Ort zur Verfügung. „Die größte Herausforderung für uns ist, mit den einfachen Materialien Eukalyptusholz und gebrannten Lehmziegeln, die von Hand gefertigt und bearbeitet werden, zu planen. Die Bretter sind unterschiedlich dick und lang, denn die Bäume werden so verwendet, wie sie halt sind“, führt Johannes Mitterdorfer aus. Für diese spezielle Situation luden Schneider und ihr Team Hannes Wegscheider, Experte für die Verwendung von Holz und Lehm im modernen Aktiv-Klimahaus, ein. „Zusammen mit Holz und Naturstein erlebt Lehm im modernen Bauen einen Aufschwung. Zudem habe ich noch gelernt, Bauwerke mit wenig und einfachem Material zu errichten“, so Wegscheider, der den Studierenden mit Rat und Tat zur Seite steht. Die Veränderung der Sichtweise war auch für die Teams herausfordernd. „Man muss aufpassen, dass man es im architektonischen Konzept nicht übertreibt, denn die Umsetzung muss einfach und machbar bleiben. Wir dürfen nicht vergessen, dass vor Ort fast alles händisch gebaut wird. Gleichzeitig wollen wir aber auch nicht auf eine ansprechende Architektur verzichten“, so Fabian Brand, der gerade an der Planung mitarbeitet. Auch für Mitterdorfer war dies ein Aspekt, der für die architektonische Gestaltung herausfordernd war: „Wir müssen einfach mitbedenken, dass es in Uganda nicht so einfach ist, einen Bagger oder Kran zu beauftragen, etwa 200 Kilogramm schwere Elemente zu liefern. Die Menschen tragen die Baumaterialien selbst zur Baustelle.“ An einem Ort zu planen, dessen landschaftliche Umgebung und dessen Kultur den Studierenden nur aus Erzählungen bekannt sind, ist eine weitere Herausforderung für die angehenden Architektinnen und Architekten.

Raumkonzept

Da die geplanten Schulen nicht direkt in eine Siedlung eingebunden sind, müssen Räume geschaffen werden, in denen die Lehrenden gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern leben werden. „Wir wollen ja nicht einfach nur Häuser in die Landschaft stellen. Für uns ist es wichtig, mit unserem Konzept eine Landschaft zu entwickeln, in der es private und öffentliche Räume gibt, in denen sich die Menschen aufhalten können“, so Schneider. In den durch Spendengelder finanzierten Projekten ist die direkte Verbindung von Wissensvermittlung und Praxisbezug wichtig. Lernen die Schülerinnen und Schüler in der Landwirtschaftsschule direkt an einem angrenzenden Übungsfeld das richtige Anbauen von Gemüse oder Kräutern, die dann direkt in der integrierten Küche verarbeitet oder am Marktstand vor dem Gebäudekomplex verkauft werden, üben die Schülerinnen und Schüler der Tourismusschule direkt an der integrierten Hotelanlage, die aus kleinen Hütten, den sogenannten Pandas, besteht. Etwa zwölf dieser Hütten, ausgestattet mit fließendem Wasser, bieten für jeweils zwei Touristinnen und Touristen am Wamalasee Platz. Die Tourismus- aber auch die Landwirtschaftsschule sollen jeweils aus einem Gebäudekomplex bestehen, der Schule, Wohnräume für Lehrende und Schülerinnen und Schüler sowie Schnittstellen zwischen den Bereichen beinhaltet. „Uns waren vor allem auch jene Räume wichtig, in denen die Menschen zusammenkommen. Zudem sollen in den Schlafräumen nicht nur zwei Löcher als Fenster, sondern eine vollständig zu öffnende Fensterfront zum Innenhof entstehen. So werden die in der Nacht privaten Räume am Tag Teil des offenen Raumkonzepts“, erklärt Fabian Brand. Während diese Schule frühestens im Jahr 2017 realisiert werden soll, startet der Bau der Landwirtschaftsschule schon im August 2016. Die Studierenden hoffen, dass sie auch selbst an den Bauarbeiten in Uganda, zumindest zeitweise, beteiligt sein werden. Luisa-Maria Riepl vom Planungsteam der Landwirtschaftsschule erklärt: „Der sorgsame Umgang mit Flächen, die Verbindung mit der Natur sowie der Fokus auf kurze Wege, um die Sicherheit zu erhöhen, war für unseren Plan besonders wichtig.“ Eine Lehrveranstaltung wird so Teil des sozialen Vereins „Kindern eine Chance“. Alle Beteiligten verfolgen das Ziel, die zwei Campus mit Einbeziehung der lokalen Bedürfnisse zu entwerfen und umzusetzen. „Wir zeigen den Menschen in Uganda auch, wie man solche Bauten erstellen, was man vielleicht einfacher oder anders machen kann. Wir wollen mit unserer planerischen Vielfalt auch Möglichkeiten aufzeigen, mit einfachen Mitteln und Materialien schöne Gebäude zu erstellen“, so Mitterdorfer, der beide Planungsprojekte gemeinsam mit Hannes Wegscheider, Maria Schneider und Stefan Pleger betreut. Lernen, um Lernraum zu schaffen – das ist das Ziel der engagierten Studierenden.

Die Teams

Jeweils ein Projekt wurde zur Realisierung der Pläne der Tourismus- und der Landwirtschaftsschule ausgewählt. Die daran beteiligten Studierenden arbeiten gerade unter der Leitung von Maria Schneider, Hannes Mitterdorfer, Hannes Wegscheider und Stefan Pleger an der Detailplanung. Team Tourismusschule: Fabian Brand, Marie Hohenleitner und Tatjana Wudy. Team Landwirtschaftsschule: Katharina Schöch, Luisa-Maria Riepl, Christoph Bierwirth und Stefan Hartlieb.

Dieser Artikel ist in der Februar-Ausgabe des Magazins „wissenswert“ erschienen. Eine digitale Version ist hier zu finden (PDF).

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