Neue Professur für Krebsprävention und Screening

Im Rahmen eines Pressegesprächs präsentierte gestern die Tiroler Landesregierung die Einrichtung eines neuen Landesinstituts für Krebsprävention, das vom Onkologen Martin Widschwendter geleitet werden wird. Als Professor für Krebsprävention und Screening wird er gleichzeitig am Forschungsinstitut für Biomedizinische Alternsforschung der Uni Innsbruck beheimatet sein.
Martin Widschwendter, knftiger Leiter des EUTOPS-Instituts
Bild: Christian J. Wiedermann, Geschäftsführer der Tirol Kliniken, Martin Widschwendter, LH Günther Platter, LHStvin Ingrid Felipe, Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg und Rektor Tilmann Märk (v.l.) (Credit: Land Tirol/Sax)

In Tirol erkrankt jede dritte Frau und jeder dritte Mann bis zum achtzigsten Lebensjahr an Krebs – derzeitige Prognosen gehen davon aus, dass die Zahl der Krebserkrankungen in den kommenden zehn bis zwanzig Jahren deutlich zunehmen wird. Eine sichtbare Form von Krebserkrankungen sind Tumore, mit welchen man sich im Bereich der Onkologie beschäftigt. Um die Früherkennung und Prävention in Tirol bestmöglich auszubauen, beschloss die Tiroler Landesregierung auf Antrag von LH Günther Platter und Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg bis 2023 insgesamt 1,5 Millionen Euro bereitzustellen, um die Errichtung eines eigenen Instituts für Prävention und Screening („Europäisches Onkologie Präventions & Screening Institut“, EUTOPS) in der Onkologie an den Tirol Kliniken bestmöglich zu unterstützen.
Umgesetzt wird das Institut in Kooperation mit der Universität Innsbruck, wo die wesentlichen Eckpunkte heute gemeinsam von LH Günther Platter, LHStvin Ingrid Felipe, LR Bernhard Tilg, Rektor der Universität Innsbruck Tilmann Märk, Martin Widschwendter als künftiger Leiter des EUTOPS-Instituts und Christian J. Wiedermann, Geschäftsführer der Tirol Kliniken, präsentiert wurden. „Heute kann es gelingen, Tumorerkrankungen vor ihrem klinischen Beginn vorherzusagen. Künftig soll es für jede Tirolerin und jeden Tiroler möglich sein, bereits vor einer Erkrankung zu erkennen, ob und welches erhöhte Krebsrisiko vorherrscht. Das wiederum stellt die Grundlage dar, um in weiterer Folge präventive Gesundheitsmaßnahmen zu ergreifen. Die erstklassige Gesundheitsversorgung in Tirol wird damit jedenfalls weiter verbessert“, betont LH Platter.

Personalisierte Prävention und Krebsfrüherkennung

Auf Basis neuester Forschungsergebnisse und neuer Parameter sollen Personen mit erhöhtem Krebsrisiko früher identifiziert werden. „Unser Ziel ist es, dass die Zahl der Krebsneuerkrankungen in Tirol ebenso reduziert wird wie die Krebssterberate. Dabei ist es wichtig, dass die Erkennungen in Spätstadien verringert werden. Gleichzeitig liegt der Fokus auf der personalisierten Prävention und Früherkennung. Risikopatientinnen und -patienten sollen sich künftig frühzeitig an einem professionell betreuten Gesundheitsprogramm beteiligen können“, erklärt LR Tilg, dass das Institut mit neuesten Methoden arbeiten wird. Erkenntnisse haben beispielsweise gezeigt, dass einfache Bluttests, in denen die DNA eines Tumors nachgewiesen werden kann, eine Krebsfrüherkennung möglich machen.

Internationales Krebs-Wissen am Standort Innsbruck

„Krebserkrankungen werden in den kommenden Jahren noch deutlicher zunehmen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen als bislang führende Todesursache ablösen. Um in der Onkologie einen nachhaltigen Durchbruch zu erzielen, muss man deshalb beim Konzept der Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Anleihe nehmen: Identifizierung von Menschen mit erhöhtem Risiko (Blutdruck, Cholesterin), Vorbeugung (Blutdruck- und Cholesterinsenker) und Früherkennung – Stichwort „Integrierter Schlaganfallpfad“ –  haben zu einer deutlichen Reduktion von Inzidenz, Spätfolgen und Sterblichkeit geführt. Während meiner Zeit an der University of Southern California in Los Angeles und am University College London haben wir in den vergangenen 20 Jahren diesbezüglich vollkommen neue Strategien zur Früherkennung und Vorbeugung von Krebs erarbeitet. Wir wollen diese im Rahmen des neuen EUTOPS-Instituts nun von Tirol und London aus gemeinsam mit unseren europäischen Partnern umsetzen und der Bevölkerung im Rahmen wissenschaftlicher Untersuchungen anbieten. Das Gesundheitsland Tirol, gemeinsam mit seinen Universitäten, stellt hier eine ausgezeichnete Möglichkeit dar, zukünftige Gesundheitsprogramme international federführend zu entwickeln“, sagt Martin Widschwendter, künftiger Leiter des Instituts, das an den Tirol Kliniken bzw. räumlich im Krankenhaus Hall angesiedelt ist.
„Es ist mir eine außerordentliche Freude, dass Alumnus Martin Widschwendter als Professor an die Universität Innsbruck zurückkehren wird. Ich bin überzeugt davon, dass seine nunmehr auch hier in Tirol verankerten, weiteren wissenschaftlichen Forschungstätigkeiten und die dabei generierten Erkenntnisse zukunftsträchtig und eine tiefgreifende Bereicherung für unser Forschungsinstitut für Biomedizinische Alternsforschung bzw. den interfakultären Forschungsschwerpunkt Centrum für Molekulare Biowissenschaften Innsbruck (CMBI) sein werden“, sagt Rektor Tilmann Märk. Dem fügt Christian J. Wiedermann, Geschäftsführer der Tirol Kliniken hinzu: „Die Tirol Kliniken sind in zahlreichen Bereichen und Fachrichtungen Forschungs- und Entwicklungspartner bei medizinischen und humanwissenschaftlichen Projekten der Tiroler Universitäten. Die erfolgreiche Zusammenarbeit ist mit der Medizinischen Universität, der UMIT und der Leopold-Franzens-Universität gut etabliert. Die Entwicklung moderner genomischer Vorsorgemedizin ist ein wichtiger neuer Teilbereich, den wir im Rahmen unserer Möglichkeiten ebenfalls unterstützen und vorantreiben wollen.“

50 Millionen Euro für Wissenschaftsstandort Tirol

Das Land Tirol hat bereits in den vergangenen Jahren immer wieder Schwerpunkte im Bereich der Wissenschaft und Forschung gesetzt. So haben sich die Landesmittel für die Wissenschaft seit 2012 verdoppelt, im Doppelbudget 2020/21 klettert das Wissenschaftsbudget für das Jahr 2021 auf über 50 Millionen Euro. „Mit dem EUTOPS-Institut leisten wir einen wesentlichen Beitrag, Tirol als Wissenschafts- und Forschungsstandort weiter zu stärken. Für die Leitung des Instituts konnten wir einen Tiroler in die Heimat zurückholen. Martin Widschwendter ist ein internationaler Spitzenforscher, der nach vielen Jahren in den USA und Großbritannien seine umfassende Erfahrung nun zum Nutzen der Tirolerinnen und Tiroler einsetzen wird“, betonen LH Platter und LR Tilg unisono.

Zur Person Martin Widschwendter

Der Tiroler Professor Martin Widschwendter ist gynäkologischer Onkologe und leitet am University College in London das Department für frauenspezifische Krebserkrankungen. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt am Norris Comprehensive Cancer Centre in Los Angeles hat er 2003 das erste in Österreich zertifizierte Brustgesundheitszentrum mitbegründet und bis zu seiner Berufung nach London 2005 auch geleitet. Der international etablierte Spitzenforscher hat im Jahr 2017 den „Advanced Grant“, die höchste Auszeichnung des European Research Council (ERC), erhalten. Im Juni 2019 hat Widschwendter 150 international führende WissenschaftlerInnen und ÄrztInnen aus Europa, USA, Kanada und Australien zur 4-tägigen ENVISION Konferenz in Tirol zusammengeführt, um den aktuellen Stand der individuellen Früherkennung und Vorbeugung von Brustkrebs zu erörtern und zukünftige Strategien zu diskutieren und festzulegen. Widschwendter erhielt im September 2018 das Verdienstkreuz des Landes Tirol.

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