Neue Vermittlungs­räume in der Praxis

Mit einem dreistündigen Workshop und einem inhaltlich abgestimmten Gesellschaftsvortrag wurden am 24. Mai neue Vermittlungsformate für die seit 1971 bestehenden Innsbrucker Geographische Gesellschaft (IGG) ausprobiert.
Workshop und Vortrag am 24. Mai
Bild: Ein Workshop und ein Vortrag wurden am 24. Mai von der Innsbrucker Geographischen Gesellschaft ausprobiert. (Credit: AGEF)

Am 24. Mai 2016 veranstaltete die Innsbrucker Geographische Gesellschaft (IGG) gleich eine doppelte Premiere. Mit einem dreistündigen Workshop und einem inhaltlich abgestimmten Gesellschaftsvortrag wurden an diesem Tag neue Vermittlungsformate für den seit 1971 bestehenden Verein ausprobiert. Das am Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) in Leipzig angesiedelte BMBF-geförderte Projekt „Neue Vermittlungsräume“ gab den Anstoß zu diesem Prozess und begleitet die Entwicklung neuer Wissenstransferformate aus der geographischen Grundlagenforschung wissenschaftlich. 

Datenbuffet und Partizipation

Zunächst fand ein von Andreas Gemählich (Universität Bonn), Robert Hafner und Jutta Kister (beide aus der Arbeitsgruppe Entwicklungs- und Nachhaltigkeitsforschung (AGEF) am Institut für Geographie, Universität Innsbruck) konzipierter Workshop statt, bei dem sich Interessierte mit Fairem Handel am Beispiel der Rosenindustrie am Lake Naivasha in Kenia in neuer Art und Weise beschäftigten. Das Ziel: Die perzeptionsbasierte Herangehensweise an ein Thema, das sowohl den Globalen Norden, als auch den Globalen Süden betrifft. Um den ungleichen Zugang zu Informationen, Daten und Fakten für die Workshopteilnehmer_innen erlebbar zu machen, entwickelten die drei Nachwuchswissenschaftler_innen das Konzept des „Datenbuffets“: Eigenes empirisches Material – darunter anonymisierte Interviewausschnitte, Zeitungsartikel, Statistiken und Broschüren – wird, gleich einem Buffet, zur Verfügung gestellt. Je mehr sich die Kleingruppen an der Auswahl bedienen, umso weniger Daten bleiben für die anderen Teinehmer_innen; der Engpass an Informationen für gewisse Akteure kann somit verdeutlicht werden.

Die Workshop-Teilnehmenden hatten dann die herausfordernde Aufgabe, sich die Sichtweise eines Akteurs aus der globalen Wertschöpfungskette zu erarbeiten und sich mithilfe des Materials in diese Rolle hineinzuversetzen. Unter anderem aus der Perspektive eines kenianischen Farmarbeiters gaben sie am Ende des Workshops ein Videostatement ab und positionierten sich zur Frage, ob der Rosenhandel aus Sicht ihrer Rolle als fair empfunden wird.

Vom Workshop zum interaktiven Vortrag

Am selben Abend stellten die drei Nachwuchswissenschaftler_innen in einem Vortrag „Die Welt durch die Blume“ weitere Dimensionen des Fairen Handels in seinen globalen Verflechtungen am Beispiel der Schnittblumenindustrie vor und diskutierten die Ergebnisse des Workshops. Mithilfe von Video-Sequenzen aus dem Workshop und Statements der Workshopteilnehmer_innen wurde erfolgreich ein neues Format der Wissensvermittlung in die Praxis umgesetzt.

In der Einschätzung einiger Workshop-Teilnehmender hatte die selbstständige Auseinandersetzung Vorteile gegenüber einer frontalen Vermittlung, da eine besonders intensive Lernerfahrung stattfinden konnte. Insgesamt ist den Nachwuchswissenschaftler_innen Gemählich, Hafner und Kister die Gestaltung des Tages gelungen. Prof. Dr. Martin Coy, Vorstand der Innsbrucker Geographischen Gesellschaft, zieht eine positive Bilanz und will in seiner Gesellschaft zukunftsträchtige Formen des Wissenstransfers weiter diskutieren. Die Methodik des Workshops wird ausgewertet und im Rahmen des Projekts „Neue Vermittlungsräume“ als Handreichung anderen Wissensvermittler_innen zur Verfügung gestellt. Darüber hinaus sind noch weitere Aktivitäten geplant.

(Jutta Kister, Robert Hafner, Martin Coy (Institut für Geographie, Universität Innsbruck),
Verena Ott (IfL, Leipzig), Andreas Gemählich (Institut für Geographie, Universität Bonn))

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