Master ohne Grenzen

Zwischen der Innsbrucker Slawistik und der Moskauer Staatlichen Geisteswissenschaftlichen Universität (RGGU) existiert ein Abkommen über einen internationalen Masterstudiengang, der mit einem Double Degree beider Universitäten abschließt. Ziel des Abkommens ist die gemeinsame Ausbildung von Studierenden im Bereich der kulturellen Wechselbeziehungen zwischen Russland und den EU-Ländern.
Studentinnen des neuen Masterprogramms mit ihren Professoren in Innsbruck und Moskau.
Bild: Die Studentinnen Ksenija Filimonova und Magdalena Kaltseis mit den Ansprechpersonen Prof. Dr. Wolfgang Stadler (rechtes Foto) und Dr. Arkadij Perlov an ihren neuen Universitäten zu Beginn des Wintersemesters 2016/17. (Credit: Eva Binder und Wolfgang Stadler)

Im WS 2016/17 wird zum ersten Mal die Möglichkeit von Studierenden der Universität Innsbruck und der RGGU Moskau genützt, ein Studium aus „Slawistik“ und „Russland und Europa: Wechselbeziehungen in Sprache und Kultur“ an beiden Universitäten abzuschließen. Aus Innsbruck ist Magdalena Kaltseis nach Moskau gefahren, um dort im September ihr Studium aufzunehmen und ihre Masterarbeit zum Thema „Die Skepsis gegenüber dem Westen als Fernsehunterhaltung. Eine Analyse des antiwestlichen Diskurses in der russischen TV-Talkshow Poedinok“ vor russischen Opponenten zu verteidigen. Aus Moskau kam Ksenija Filimonova nach Innsbruck, um hier ein Semester lang Lehrveranstaltungen im Masterstudiengang „Slawistik“ zu belegen. Ksenija Filimonova plant eine Masterarbeit zum Thema „Антисоветское, несоветское и частное в повседневности рабочих Завода им. Лихачева (ЗИЛ) в репрезентации архивов Дворца культуры ЗИЛ“ [Antisowjetisches, Nicht-Sowjetisches und Privates im Alltag der Arbeiter des Lichačev-Werks (LW) anhand der im Kulturpalast LW archivierten Dokumente (Übers. W. St.)].

Beide Studentinnen schätzen an dem Doppelstudium in Österreich und Russland die einzigartige Möglichkeit, das eigene bekannte System bzw. die eigene Arbeit zu überdenken und zu reflektieren. Darüber hinaus beschreiben sie ihre Motivation wie folgt:

Ksenija Filimonova (Innsbruck):

„Возможность погрузиться в другой язык и другую культуру. Моя работа связана с культурой, и в какой-то момент я поняла, что мне не хватает знаний о ней. Поэтому я решила поступить в магистратуру. […] Меня привлекло то, что европейская культура изучается непосредственно в Европе, а не в университетской аудитории в Москве. Это, на мой взгляд, единственно возможный подход. Опыт учебы в Европе дает возможность пересмотреть собственную преподавательскую практику, дополнять и совершенствовать ее.“

[Die Möglichkeit, in eine andere Sprache und Kultur einzutauchen. Meine Arbeit hat mit Kultur zu tun, und irgendwann habe ich verstanden, dass ich nicht genug über Kultur weiß. Deswegen habe ich mich für dieses Masterstudium entschieden. […] Mich hat fasziniert, europäische Kulturen direkt in Europa und nicht in einem Hörsaal an der Universität in Moskau zu studieren. Meiner Meinung nach ist das die einzige Möglichkeit. Die Erfahrung eines Studiums in Europa gibt mir die Gelegenheit, meine eigene Lehrtätigkeit zu überdenken, sie zu vervollständigen und zu perfektionieren. (Übers. W. St.)]

Magdalena Kaltseis (Moskau):

„Besonderes Interesse hat der Double Master bei mir geweckt, da er es mir ermöglicht, an einer russischen Universität gemeinsam mit RussInnen zu studieren und somit einen neuen Einblick in die akademische Welt zu erhalten. Insbesondere der Austausch und Kontakt mit den russischen StudentInnen sowie das echte russische Studentenleben machen diesen Master so attraktiv und spannend.“

Die Studierenden absolvieren jeweils 30 ECTS-AP im Rahmen ihres Studiums in Innsbruck bzw. Moskau, die restlichen Lehrveranstaltungen werden von den Universitäten in einem gegenseitigen Verfahren anerkannt. Am Ende des Studiums erhalten die AbsolventInnen zwei Diplome und somit zwei akademische Grade: einen Master in Kulturwissenschaft von der Moskauer Universität und einen Master of Arts (Slawistik) der Universität Innsbruck — zweifellos ein Trumpf bei späteren Bewerbungen für das Berufsleben.

(Wolfgang Stadler)


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