Lire les montagnes – Berge lesen

Das ist der Titel einer Veranstaltungsreihe, die die Länderzentren der Universität gemeinsam mit der Alpenkonvention dieser Tage in Innsbruck organisieren. Am 6. Dezember 2016 las in diesem Rahmen das französische Bergsteiger-Urgestein François Labande auf Einladung des Frankreich-Schwerpunkts in der Claudiana aus seinen Büchern.
François Labande bei seiner Lesung
Bild: François Labande bei seiner Lesung. (Credit: Romana Kaier)

François Labande ist als Bergsteiger, Schriftsteller und Naturschützer über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt. Der Autor unzähliger Klassiker unter den Bergführern ist insbesondere mit dem Écrins-Massiv in den französischen Dauphiné-Alpen verbunden, dem er in seinem preisgekrönten Bildband „La Saga des Écrins“ ein Denkmal gesetzt hat. Er engagiert sich seit Jahrzehnten prominent im Rahmen der NGO „Mountain Wilderness“ für den Erhalt der Bergwelt in ihrer natürlichen Unberührtheit.

Moderiert von der Romanistin Dr. Doris Eibl, die sich bei dieser Gelegenheit als Bergliebhaberin outete, präsentierte Labande einem ebenso bergsteig-begeisteren Publikum (auf Französisch und Deutsch vorgetragene) Ausschnitte aus seinem soeben erschienenen Roman „La ligne d’horizon“, das das Berufsleben einer Bergführerin mit aktuellen Geschehnissen und Entwicklungen in Syrien und Frankreich verknüpft, und dem Schlusskapitel aus seinem autobiographisch-essayistischen Werk „Traces écrites“, bei dem es um die Zukunft des Bergsteigens geht und darum, wie die Jugend für den Alpinismus, der ja viel mehr ist als nur ein Sport, begeistert werden kann. Sollen wirklich alle wichtigen Bergrouten ausgebaut und abgesichert werden, oder geht es nicht vielmehr darum, das Gefühl von Freiheit, Abenteuer und unberührter Natur zu bewahren, das den Ruf des Berges ausmacht? Was ist von der Heldenverehrung zu halten, die die großen Bergsteiger unweigerlich umgibt und die von diesen auch oft bewusst genährt wird? Und was macht einen wirklich großen Bergsteiger aus – z.B. den als Idol verehrten, aber auch oft kritisierten Reinhold Messner? Ist es der Purismus des Stils, die ethische Haltung, oder die Solidarität in der Seilschaft? Wie kann man Kindern und Jugendlichen die Schönheit der Berge und die Freude am Wandern, Bergsteigen, Klettern und Schitouren-Gehen nahebringen? Und wie kann man die Bergwelt für künftige Generationen erhalten?

All diese Fragen wurden in Labandes Text aufgeworfen und anschließend bei Glühwein und Lebkuchen intensiv diskutiert.

(Eva Lavric)

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