Kreis­lauf­wirt­schaft im Fokus

Im Projekt CIRCE 2020 arbeiten acht europäische Partner aus fünf Ländern zusammen, um das Kreislaufwirtschaftskonzept besser auf das produzierende Gewerbe anzupassen und in ausgewählten Pilotregionen zu verankern. Unterstützt wird das Projekt durch den Arbeitsbereich Umwelttechnik der Uni Innsbruck. Erste Ergebnisse wurden nun bei einem Treffen im polnischen Posen präsentiert.
CICRCE2020
Bild: Die ProjektpartnerInnen bei einem Treffen im polnischen Posen. Dort wurden erste Ergebnisse des Projekts CIRCE2020 präsentiert. Der Arbeitsbereich Umwelttechnik der Universität Innsbruck hat im Auftrag der ATM die Materialflussanalysen und Ökobilanzen sowie Lebenszykluskosten-Analysen für das Projekt durchgeführt. (Credit: Interreg)

Das Projekt CIRCE 2020 (Expansion of the CIRcular Economy concept in the Central Europe) hat zum Ziel, die Wiederverwertung von Abfällen- und Nebenprodukten, die im produzierenden Gewerbe anfallen, zu steigern und dadurch sowohl Abfälle zu vermeiden als auch den Verbrauch von Primärrohstoffen zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, sind ein besseres Verständnis der Abfall- und Stoffströme, einheitliche Rahmenbedingungen, innovative Geschäftsmodelle und Qualitätsstandards für Sekundärrohstoffe erforderlich. Seit Juli 2017 ist die Abfallwirtschaft Tirol Mitte GmbH (ATM) Projektpartner des Projektes CIRCE 2020, das vom EU-Programm Interreg Central Europe finanziert wird, und betreut die Pilotregion Tirol. Der Arbeitsbereich Umwelttechnik der Universität Innsbruck hat im Auftrag der ATM die Materialflussanalysen und Ökobilanzen sowie die Lebenszykluskosten-Analysen für das Projekt durchgeführt. „Diese Analysen sind eine gute Möglichkeit, zu erwartende Auswirkungen auf die Umwelt und die Ökonomie bereits vor der Einführung neuer Kreislaufwirtschaftskonzepte abzuschätzen“, erläutert Julika Knapp vom Arbeitsbereich Umwelttechnik. „Dabei hängen die Ergebnisse stark von den verfügbaren Daten und den getroffenen Annahmen ab. Für Tirol erweisen sich die getesteten neuen Konzepte vorwiegend als ökologisch und ökonomisch sinnvoll. In Sensitivitätsanalysen hat die Übertragung der Ergebnisse auf andere Länder jedoch gezeigt, dass regionale Rahmenbedingungen, wie z.B. der nationale Strom-Mix, eine entscheidende Rolle spielen und dort nicht zwangsläufig zu einem ökologischen und/oder ökonomischen Mehrwert führen“, so Knapp weiter.

Drei Phasen

Das Projekt ist in drei Phasen unterteilt: Nach einer umfangreichen Analyse des abfallwirtschaftlichen Status quo in den fünf Pilotregionen (Tirol, Venetien (IT), Split-Dalmatien (HR), Wielkopolska (PL), Tatabanya Industrial Park (HU)) wurden pro Region zehn relevante Abfallströme der lokalen produzierenden Betriebe definiert. In Tirol wurden hierfür Interviews mit Stakeholdern aus der Industrie, der öffentlichen Verwaltung, und mit Wirtschaftsverbänden und Vertretern aus der Forschung durchgeführt. Basierend auf Materialflussanalysen und einem entwickelten Kriterienkatalog (sozial, ökologisch, ökonomisch, technologisch) wurden zwei der zehn Abfallströme in Verbindung mit einer „Closing the Loop“-Lösung für die weiteren Pilotaktivitäten ausgewählt: Für Tirol sind das zum einen organische Abfälle und Glas aus dem Restmüll, die sich bei der mechanischen Abfallaufbereitung in einer Schwer- und Feinfraktion (Niederkalorik) anreichern. Der organische Anteil dieser Niederkalorik soll nach einem weiteren Aufbereitungsschritt als Substrat zur Biogasproduktion in Faultürmen von Kläranlagen genutzt werden. Das dabei abgetrennte Gas soll recycelt werden. Der andere ausgewählte Abfallstrom ist Altholz, das momentan einer thermischen Verwertung zugeführt wird. Als Pilotaktivität soll dieses Altholz durch einen Vergasungsprozess sowohl energetisch als auch stofflich, in Form von Biokohle, genutzt werden. Die Überführung in Pilotaktivitäten dieser beiden Szenarien soll bis März 2020 abgeschlossen sein. Nach der Überprüfung der technischen Machbarkeit im Pilotmaßstab folgt die Herausforderung die Prozessoutputs (die aufbereitete Organikfraktion des Restmülls bzw. die Biokohle aus Altholz) als Produkte bzw. Sekundärrohstoffe einzustufen und diese am Sekundärrohstoffmarkt zu vermarkten. „Das wird uns auch noch nach Ende der Projektlaufzeit beschäftigen“, sagt Dr. Maria Ortner, Projektleiterin bei der Abfallwirtschaft Tirol Mitte GmbH. „Die Ergebnisse der ökologischen und ökonomischen Analysen des Arbeitsbereichs für Umwelttechnik der Universität Innsbruck liefern uns hierzu jedoch eine sehr gute Grundlage. Wir achten bewusst auf regionale Verwertungsoptionen, um Transportwege kurz zu halten und die lokale Wertschöpfung zu stärken. So soll die produzierte Biokohle beispielsweise zur Reinigung des Deponiesickerwassers von Graslboden eingesetzt werden.“

Um insgesamt das Bewusstsein für das Thema Kreislaufwirtschaft bei Tiroler Unternehmen zu erhöhen, wird im Rahmen des Projekts CIRCE 2020 auch ein so genannter „Environmental Counselling Service“ etabliert. In Zusammenarbeit mit der Standortagentur Tirol, ecotirol, der WKO, der IV und Tirol 2050 werden hierzu noch bis Juni 2020 verschiedene Veranstaltungen und Weiterbildungsmöglichkeiten organisiert und angeboten.

 

 

 

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