Kanada-Prei­se 2021 ver­lie­hen

Zwar ohne die übliche beliebte Preisverleihung im November, dafür aber mit genauso viel Begeisterung und Stolz präsentiert das Zentrum für Kanadastudien der Universität Innsbruck seinen wissenschaftlichen Nachwuchs des Jahres 2021, der dieses Mal aus den Fachgebieten Soziologie, Informatik und Sportwissenschaft stammt.
Die Preisträgerinnen und der Preisträger der Kanada-Preise 2021.
Bild: Die Preisträgerinnen und der Preisträger (von links): Veronika Riedl, Svetlana Abramova und Maurice Mohr. (Credit: Riedl/Abramova/Mohr)

Seit 20 Jahren bereits, jeweils im November, feiert das ZKS Innsbruck – in Anlehnung an das nordamerikanische „Thanksgiving“ – auf einer meist musikalisch oder von Vorträgen umrahmten Veranstaltung seine ganz persönliche „wissenschaftliche Ernte“ des aktuellen Jahres und präsentiert vielversprechende Jungwissenschaftler*innen der Universität Innsbruck, die sich in ihrer wissenschaftlichen Arbeit – sei es eine Abschlussarbeit oder ein Artikel – entweder mit Themen der Kanadistik auseinandergesetzt oder mit kanadischen Wissenschaftler*innen zusammengearbeitet haben.

Die langjährige Leiterin des ZKS, Prof. Ursula Moser, die die Vorstandschaft im Zentrum für Kanadastudium nach 25-jähriger Tätigkeit am 1.1.2022 zurückgelegt hat, war vom Potential und der Wichtigkeit der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses stets überzeugt und hat ihr daher seit der Gründung des Zentrums im Jahr 1997 einen zentralen Stellenwert eingeräumt: „Ohne Nachwuchs führt sich die Forschung ad absurdum. Einmal Gedachtes muss ständig weitergedacht, hinterfragt und ergänzt werden, damit Fortschritt entsteht, und dazu brauchen wir unsere jungen Leute.“

Damit vertritt das ZKS aber auch eines der großen Anliegen der Universität Innsbruck, wie es insbesondere die Vizerektorin für Forschung, Univ.-Prof. Dr. Ulrike Tanzer, immer wieder betont: „Die Arbeiten junger Wissenschaftler*innen sind für die Entwicklung der Forschung zentral. Ihre kreativen Ideen sind entscheidend für Innovation in der Wissenschaft. Die Universität Innsbruck unterstützt diese frühe Phase in der wissenschaftlichen Laufbahn mit verschiedenen Förderprogrammen. Zum einen sind dies Stipendien für Doktorand*innen, zum anderen Preise wie etwa der 20 Jahre junge Kanada-Preis. Mein Dank gilt Prof. Ursula Moser für diese wichtige Initiative im Kontext der Forschungsförderung!“

Wenngleich die COVID-19-Pandemie die Preisverleihung nun schon zum zweiten Mal nicht in der gewohnten Form stattfinden ließ, konnte sie zumindest der Attraktivität kanadistischer Thematiken und dem wissenschaftlichen Austausch zwischen den beiden Ländern keinen Abbruch tun. Das beweisen die drei Preisträger*innen des Jahres 2021, die sich in die lange Reihe der bisherigen Gewinner*innen – aus den unterschiedlichsten human- wie naturwissenschaftlichen Disziplinen – einreihen und ähnlich wie ihre Vorgänger*innen zur Erweiterung und Bereicherung des wissenschaftlichen Netzwerks, das die Universität Innsbruck mit Kanada verbindet, ganz wesentlich beitragen. 

Die aktuellen Preisträger*innen

Die diesjährigen Gewinner*innen haben Arbeiten aus drei ganz unterschiedlichen Bereichen vorgelegt und die Evaluator*innen mit ihrem Konzept und dessen Ausführung überzeugt: Veronika Riedl, MA, ihres Zeichens Soziologin, setzte sich in der Kategorie „Kanadistik“ (i.e. inhaltlicher Kanadabezug) durch, während Svetlana Abramova, PhD MSc, vom Institut für Informatik und Maurice Mohr, PhD, vom Institut für Sportwissenschaft in der Kategorie „Wissenschaftliche Kooperation“ überzeugen konnten.

Kategorie: Kanadistik

Veronika Riedl, MA

Mit erst Mitte zwanzig blickt die in Tirol geborene Veronika Riedl auf eine ganze Reihe von Leistungsstipendien, Auszeichnungen, wissenschaftlichen Publikationen und internationalen Auslandserfahrungen zurück. Neben einem Bachelor in Französisch schloss sie 2017 ihren Bachelor in Soziologie mit einem Doppelabschluss der Universität Innsbruck und der Université Paris-Descartes ab, an der sie ein Auslandsjahr verbracht hatte. Der Master in Soziologie führte sie anschließend im akademischen Jahr 2018/19 an die Université du Québec à Montréal, nach Kanada kehrte sie alsbald im Rahmen eines Reisestipendiums der Gesellschaft für Kanada-Studien (GKS) zurück, um in Toronto für ihre mit dem Kanada-Preis 2021 gekrönte Masterarbeit Feldforschungen zu betreiben. In der Masterarbeit „Urban Resistance in the Global City – Responses to Socio-Spatial Polarization in Toronto“ rückt Veronika Riedl die Perspektive marginalisierter, oft migrantischer Bewohner*innen des Torontoner Stadtviertels Parkdale in den Fokus ihrer soziologischen Forschungen, indem sie über ethnographische Methoden wie Beobachtungen und sogenannte bewegte Interviews herauszufinden versucht, inwiefern Städter*innen auf sozialräumliche Polarisationen reagieren und sozialer Widerstand auch im Kleinen möglich ist. 

 

Kategorie: Wissenschaftliche Kooperation

Svetlana Abramova, PhD MSc

Reisen ist im IT Bereich, wie allgemein bekannt ist, nicht unbedingt erforderlich. Die am Institut für Informatik, genauer gesagt im Security and Privacy Lab der Universität Innsbruck als Postdoc Researcher tätige Svetlana Abramova aber trägt Internationalität im Herzen ihrer Ausbildung: Nach dem Abschluss eines BSc in Business Economics in Russland im Jahr 2010 absolvierte sie zwei Jahre später ihren MSc in Information Systems an der Universität Münster und sammelte anschließend Berufserfahrung bei zeb consulting und im Information Security Lab der Universität Münster. Dies führte sie schließlich nach Innsbruck, wo sie 2019 ihren PhD in Computer Science beendete und in der Forschungseinrichtung unter der Leitung von Univ.-Prof. Dr. Rainer Böhme arbeitet. Ihre Publikationen aus den Bereichen der Kryptowährung und -ökonomie und der Informationssicherheit und Privatsphäre wachsen seit dem Jahr 2016 stetig an, und mit dem wissenschaftlichen Artikel „Bits Under the Mattress: Understanding Different Risk Perceptions and Security Behaviors of Crypto-Asset Users“ legt sie eine Arbeit vor, die auf der Basis einer quantitativen Studie das soziale Verhalten von Krypto-User*innen in den Blick nimmt, diese in drei Gruppen teilt und daraus praktische Vorschläge für die zukünftige userindividuelle Bereitstellung von Sicherheitsvorkehrungen ableitet. Die Arbeit ist in Zusammenarbeit mit Forscher*innen der University of British Columbia (Vancouver) entstanden, ein sehr ansprechender Teaser zu dieser höchst aktuellen Forschung kann auf YouTube angesehen werden.

 

Maurice Mohr, PhD

Obwohl erst Anfang dreißig, ist Maurice Mohr bereits seit Langem mit Kanada verbunden. Nach seinem Bachelorabschluss im Studienprogramm Sport und Technik an der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg im Jahr 2012 zog es den gebürtigen Deutschen an die University of Calgary, wo er zunächst seinen Master und 2018 seinen PhD in Kinesiology mit Schwerpunktsetzung auf Biomechanik absolvierte. Unter der Leitung von Dr. Benno Nigg arbeitete er dort im Human Performance Laboratory und spezialisierte sich auf die Rehabilitation nach Knieverletzungen. Weitere einschlägige Publikationen folgten. 2019 begann der selbst deklarierte Bergsportbegeisterte in der Alpenstadt als Assistenzprofessor am Institut für Sportwissenschaften zu arbeiten, und er widmet sich dort der Frage, wie Sportverletzungen durch ein ausgeklügeltes und vorausschauendes Training verhindert werden können. Knieprobleme resultieren bekanntlich sehr oft aus einer ungeeigneten Schuhausstattung, weshalb der Jungwissenschaftler in einem besonders fruchtbringenden Forschungsprojekt gemeinsam mit seiner Alma Mater in Calgary mögliche Optimierungsstrategien von Laufschuhen erforscht.

Summa summarum: Sei es die Thematisierung der Handlungsfähigkeit marginalisierter Gruppen in der Mitgestaltung urbaner Lebensräume, sei es das userorientierte Reagieren von Informatiker*innen auf die individuellen Bedürfnisse von Krypto-Investor*innen oder sei es das Austüfteln einer für den Körper möglichst schonenden Sportbekleidung – alle drei Preisträger*innen beweisen neben ihrer beachtlichen internationalen Erfahrung eines ganz klar: dass sie Wissenschaft betreiben, die auf lebensweltliche Fragen mit konkreten Lösungsvorschlägen antwortet. Sie „schaffen“ „Wissen“ und bauen – ganz im Sinne der Universität Innsbruck – bedeutsame Brücken in die Welt der Praxis. Im sinnbildlichen Elfenbeinturm verharren sie jedenfalls ganz bestimmt nicht.

Wir gratulieren dem herausragenden Trio von ganzem Herzen und wünschen Ihnen eine spannende Zukunft!

(Andrea Krotthammer)

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