Italia­nistik-Stu­dent­Innen in einer inter­na­tio­nalen Film­jury

Die Pandemie macht seit einem Jahr Kinobesuche fast unmöglich, Reisen zu inter­nationalen Film­festivals sind aus­geschlossen. Doch die Festivals finden inzwischen neue Wege online, so auch das französische Filmfestival Univerciné Italien, das jährlich in Nantes stattfindet – ein Glücksfall für filmbegeisterte Innsbrucker StudentInnen.
Filmjury aus Innsbrucker StudentInnen
Bild: Teile der Innsbrucker Festivaljury mit Univ.-Prof. Sabine Schrader vom Institut für Romanistik (links oben). (Credit: Screenshot/Schrader)

Vom 9. bis 15. März 2021 boten die französischen FestivalmacherInnen von Univerciné Italien erstmals ihr ausgesprochen vielfältiges Programm online über die Streamingplattform Festival Scope an. Im Rahmen des Festivals starteten auch vier junge Filmemacher mit ihren Erstlingswerken in den Wettbewerb: L‘Agnello (2020, Mario Piredda), Mio fratello rincorre i dinosauri (2019, Stefano Cipani), Non Odiare (2020, Mauro Mancini) und I predatori (2020, Pietro Castellitto). Neben den üblichen Preisen wie z.B. den Publikumspreis und den High School Award lobten sie erstmals den studentischen 2021.IT International E-Jury Award aus. Nicht die heimischen StudentInnen und auch nicht die italienischer Universitäten sollten den besten Film prämieren, sondern die der sogenannten Auslandsitalianistik, sodass sich die Jury diesmal aus jeweils 6 StudentInnen der Universitäten Banja Luka (Bosnien-Herzegowina), Budapest (Ungarn) und unserer Universität Innsbruck zusammensetzt. Die Filme konnten so erst in ihren heimischen Gruppen diskutiert werden und dann wurden die jeweiligen ‚presidenti‘ (VertreterInnen) zusammengeschaltet. Natürlich fehlte das präsentische Festivalgefühl, aber so sehr wir die Onlinezeiten verfluchen, so machen sie doch auch neue Begegnungen möglich.

Hitzige Diskussionen

Es war nicht schwer, 6 Innsbrucker StudentInnen der filmbegeisterten Italianistik rund um Professorin Sabine Schrader für die Jury zu finden, die sich sowohl aus dem Bachelor- als auch dem Master-Studiengang rekrutierten: Natasha Bianco, Delia Destro, Veronica Rungger, Katharina Steinlechner, David Antelmi und Linda Stockhammer bildeten für eine Woche ein ausgesprochen eingespieltes Team: Zunächst entwickelten sie unter der Leitung von Natasha Bianco für alle  drei Universitäten einen Bewertungskatalog und sahen dann alleine auf dem Bildschirm die Wettbewerbsfilme, die sie sonst aber nicht hätten sehen können.  Live partizipierten sie auch an den Plenumsdiskussionen mit den Regisseuren. In langen Onlinesitzungen wurden – natürlich auf Italienisch – hitzig Meinungen und Bewertungen ausgetauscht, um den Siegerfilm zu küren. Es war eine einzigartige, spannende und gleichzeitig sehr intensive Erfahrung, die die Studierenden gemeinsam teilten. Schon mit der Innsbrucker Jury fächerten sich die Meinungen auf. Natasha Bianco, die die Short List auf der abschließenden, internationalen Sitzung mit den StudentInnen aus Banja Luka und Budapest diskutieren durfte, traf hier nochmals auf neue Perspektiven: „Es war wirklich faszinierend, sich mit StudentInnen anderer Staaten und damit Realitäten auszutauschen, die so anders sind als unsere. Das schlug sich in unterschiedliche Interpretationen der Filme nieder. Ich bin mit festen Standpunkten über die Filme in das Treffen gegangen, und ich bin mit einem Rucksack voller neuer Ideen, neuer Fragen und neuer Interpretationen für das ‚Lesen‘ der Filme hinausgegangen.“

Mein Bruder, der Superheld

Gewonnen hat dann ein Film, der nicht auf Platz 1 der Innsbrucker Jury war, nämlich der einzige Jugendfilm im Wettbewerb, Mio fratello rincorre i dinosauri (Mein Bruder, der Superheld). Es ist die Geschichte der Geschwister Giacomo und Giovanni. Als Giacomo fünf Jahre alt ist, verkünden ihm seine Eltern, dass er einen kleinen Bruder haben wird und dass dieser ganz besonders sein wird. Giacomo ist sich sicher: Sein Bruder wird ein richtiger Superheld sein! Doch Giovanni hat ein Chromosom zu viel und Giacomo wird viele Jahre brauchen, bis er Giovannis wahren Superkräfte anerkennen kann. Der Innsbrucker Jury war der Film zu traditionell erzählt, zu wenig aufregend. Wahre Superkräfte hat die Jury hingegen, indem sie mit viel Engagement in neue Film- und Gesprächswelten eingetaucht ist.

(Natasha Bianco, Sabine Schrader im Namen der Innsbrucker Jury)

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