INT­RAWI goes MEUS: Dol­­­­met­­­­schen im EU-Parla­ment

Von 18. bis 25. März 2017 fand die Model European Union Strasbourg (MEUS) statt, auf der junge Menschen aus ganz Europa in den Plenarsälen des Europäischen Parlaments echte EU-Gesetzestexte diskutieren und novellieren dürfen. Auch angehende KonferenzdolmetscherInnen kommen zum Einsatz. Eine Studentin vom Institut für Translationswissenschaft (INTRAWI) war dabei. Ein Erfahrungsbericht.
EU-Parlamentsgebäude
Bild: Das EU-Parlamentsgebäude in Strassburg. (Credit: Alice Barwich)

Als größte Simulation des EU-Gesetzgebungsverfahrens bietet die Model European Union Strasbourg jährlich rund 200 TeilnehmerInnen die Chance, einen umfassenden Einblick in die europäischen Gesetzgebungsprozesse zu gewinnen. Dabei werden die jungen Menschen selbst aktiv und tragen im Rollenspiel als MEPs, MinisterInnen, LobbyistInnen, (Foto-)JournalistInnen und KonferenzdolmetscherInnen zu einer erfolgreichen Konferenz bei, an deren Ende die Verabschiedung von zwei novellierten Gesetzestexten steht.

Während nun die MEPs und MinisterInnen im Plenarsaal heiß Gesetzesvorschläge diskutierten und darüber abstimmten, durfte ich die Konferenz von der Dolmetschkabine aus verfolgen – und simultan dolmetschen! Allerdings nicht allein: In der deutschen Kabine arbeiteten wir als dreiköpfiges Team, das die ganze Woche über Simultanverdolmetschungen aus dem Englischen ins Deutsche und retour lieferte. Außerdem wurden noch elf weitere Sprachen angeboten, darunter Polnisch, Französisch, Tschechisch und sogar Türkisch.

Dieser spannenden Arbeit ging ca. ein Monat Vorbereitungszeit voraus, in der Vokabeln gelernt, Hintergrundwissen gesammelt und viel geübt werden musste. Doch die mühevolle Vorbereitung hat sich gelohnt: Es folgte eine sehr intensive Woche in der Dolmetschkabine, während der wir unsere im Unterricht erlernten Dolmetschfertigkeiten auf die Probe stellen und die Zusammenarbeit in der Kabine üben konnten. Wir hatten aber auch Gelegenheit, uns im Flüsterdolmetschen und Konsekutivdolmetschen zu erproben. Die TeilnehmerInnen im Plenarsaal ihrerseits wurden von Beginn an dazu ermutigt, die Simultanverdolmetschung in insgesamt zwölf Sprachen zu nutzen – was sie auch eifrig taten: So ergriffen viele die Gelegenheit, ihre Argumente in ihrer jeweiligen Muttersprache vorzubringen. Das machte die Konferenz noch interessanter und realistischer. Nach getaner Arbeit im Parlament gab es anschließend die Möglichkeit, auf den extra organisierten Social Events den Tag in geselliger Runde ausklingen zu lassen.

Insgesamt lässt sich sagen, dass die MEUS ein großartiges Bildungsprojekt für politisch interessierte junge Menschen, angehende (Foto-)JournalistInnen und nicht zuletzt KonferenzdolmetscherInnen ist, auf der man sehr viel lernen, spannende Erfahrungen sammeln, interessante Menschen aus den verschiedensten Ländern kennenlernen und jede Menge Spaß haben kann.

Das Schönste waren für mich persönlich die vielen Komplimente und die Wertschätzung, die das gesamte Dolmetschteam von allen Seiten erfahren hat: Nicht zuletzt trägt eine Veranstaltung wie diese zum Verständnis eines ganzen Berufsstandes bei und ich freue mich, ein Teil davon gewesen zu dürfen. Zu guter Letzt möchte ich alle Interessierten und ganz besonders alle aufstrebenden Dolmetschstudierenden dazu ermutigen, sich im nächsten Jahr zu bewerben – es lohnt sich!

(Alice Barwich)


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