Hoch­schulen im Zeit­alter der Digitali­sierung

Bereits zum neunten Mal lud die Tiroler Hochschul­konferenz Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wissenschaft am Montagabend zu ihrem jährlichen Empfang. Im Zentrum standen in diesem Jahr die Herausforderungen für Hochschulen durch den digitalen Wandel.
Ruth Breu, Michael Jäckel und Andreas Altmann
Bild: v.l.: IT-Professorin Ruth Breu, Festredner Michael Jäckel und MCI-Rektor Andreas Altmann (Credit: Uni Innsbruck)

Einen „Karneval der Visionen“ präsentierte Michael Jäckel, Präsident der Universität Trier und Festredner beim diesjährigen Empfang der Tiroler Hochschulen im Kaiser-Leopold-Saal der Universität Innsbruck. Der digitale Wandel wird in den von ihm zitierten Zukunftsvisionen von Peter Drucker, Marshall McLuhan und anderen zum Totengräber der klassischen Universität. Die Digitalisierung bedeutet demnach das Ende der Solisten, die Auflösung der Fachgrenzen und der Abschied vom Campus. Jäckel relativierte diese Prognosen, in dem er auf viele Vorteile der Digitalisierung im Arbeitsalltag verwies, die sich nach einer zugegeben meist mühsamen Umstellung als digitale Helferleins bewähren. Überhaupt eröffne die Digitalisierung viel Raum für Experimente und trage auch zu einer interessanten Veränderung der Lernorte bei. Als eine enorme Herausforderungen sieht Jäckel die Verfügbarmachung von Daten, die Grundlage eines digitalen Studiums und der digitalen Forschung sind. „Die Open Science ist hier an vielen Fronten gefährdet“, sagte Michael Jäckel.
In sieben Thesen fasste der Soziologe seine Einschätzung der Digitalisierung im Kontext der Hochschulen zusammen: Demnach werde der Einfluss auf die Lehrinhalte überschätzt. Gleichzeitig müssten die Universitäten in der digitalen Welt verstärkt um ihren Rang kämpfen. Der Zugang zu Wissen werde erleichtert, ihre Wertschätzung aber gemindert. Curriculare Standards träfen auf curriculare Ästhetik. Openness werde zu einem Prüfstein für geistiges Eigentum und Reputation. Die Universitäten werden internationaler, analog und digital. Und die Universität werde eine wichtiger Diskursraum der digitalen Gesellschaft. In einer von MCI-Rektor Andreas Altmann moderierten Diskussion zwischen Jäckel und der Informatikerin Ruth Breu wurden konkrete Probleme der Digitalisierung an den Hochschulen erörtert.

Acht Hochschulen

In der Tiroler Hochschulkonferenz haben sich 2009 die fh gesundheit (FHG), die Fachhochschule Kufstein Tirol, die Kirchliche Pädagogische Hochschule Edith Stein (KPH-ES), das Management Center Innsbruck (MCI), die Medizinische Universität Innsbruck, die Pädagogische Hochschule Tirol (PHT), die Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik & Technik (UMIT) und die Universität Innsbruck zusammengeschlossen, um die gemeinsamen Kräfte noch besser zu bündeln, Synergien zu fördern und den Forschungs- und Wissenschaftsstandort Tirol international zu positionieren. Rektor Tilmann Märk zeigte sich erfreut über die gute Entwicklung dieser gemeinsamen Initiative und präsentierte Beispiele der einzelnen Hochschulen aus im vergangenen Jahr. „Der Hochschulstandort Tirol ist in den vergangenen 20 Jahren bunter und attraktiver geworden“, sagte Märk. Besonders hervor hob der Rektor den gemeinsamen Health & Life Science Cluster, der Anfang Dezember seine erste gemeinsame Tagung abhalten wird. Erfreut über die verstärkte Kooperation zeigte sich auch der Innsbrucker Bürgermeister Georg Willi: „Davon profitieren vor allem die jungen Menschen in dieser Stadt.“ Aufgrund einer Terminkollission nur über eine Videobotschaft unterstricht Landesrat Bernhard Tilg diese Aussagen: „Der Zusammenschluss der acht Tiroler Hochschulen bedeutet einen unschätzbaren Mehrwert für den Standort Tirol.“

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