Gemeinsam lernen neu denken

Der Deutsche Verein zur Förderung der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung und das Institut für LehrerInnenbildung und Schulforschung an der School of Education der Uni Innsbruck luden zur Fachtagung „Gemeinsam lernen neu denken“ ein.
Vorstellung der Leadership Academy
Bild: Prof. Dr. Wilfried Schley (stehend) und Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Schratz (sitzend, im Bild vorne) stellten die Leadership Academy vor, die unter den Besucher/innen aus dem In- und Ausland sehr großes Interesse und die Lust zum Ausprobieren auslöste.(Bild: Romana Kaier)

In diesem Rahmen tauschten sich Expertinnen und Experten aus Deutschland, Österreich, Südtirol und der Schweiz über bewährte und neue Formen der Zusammenarbeit auf unterschiedlichen Systemebenen aus. Die Tagung fand vom 30. März bis zum 01. April 2016 statt. Neben den fünf angebotenen Workshops zu verschiedenen Thematiken wie beispielsweise zur Inklusiven Schulentwicklung, konnten die Tagungsteilnehmerinnen und -teilnehmer Schulen in und rund um Innsbruck näher kennen lernen. Die Schulbesuche gaben Einblick in innovative Entwicklungen im österreichischen Schulwesen, Gespräche mit Schullei­tung und Kollegium boten die Chance für einen transnationalen Austausch. In Posterpräsentationen wurden Aktivitäten der Fort- und Weiterbildung im deutschsprachigen Raum ausgetauscht, um künftige Vernetzungen zu erleichtern. Dazu haben österreichische Hochschulen, Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen die Möglichkeit genutzt, ihre Projekte und Aktivitäten zur Fort- und Weiterbildung als „Showcase“ darzustellen. Der Deutsche Verein zur Förderung der Lehrerinnen- und Lehrerfortbildung (DVLfB) stellte seine Serviceleistungen vor und lud zur Mitgliedschaft bzw. Mitarbeit ein.

In einem kritisch-ironischen, jedoch auch sehr ernst gemeinten Impuls-Vortrag zum Thema „Unfälle am Berg werden beklagt, Unfälle in der Bildung nicht - Alpine Sicherheitslehre als Modell für ‚Schule neu‘?“ hat Ass.Prof. Dr. Lars Keller vom Institut für Geographie der Universität Innsbruck eine vorsichtige Annäherung an die Frage gesucht, ob eine Anlehnung an Bildung für Alpine Sicherheit als kreativer Gegenentwurf für die Zeit nach dem Kompetenzhype bzw. für „Schule neu“ dienlich sein könnte. Unglücke am Berg sind für ihn heute wohl dokumentiert, Ursachen und Wirkungen gut untersucht.

Dr. Claudia Schmied, von 2007 bis 2013 Bundesministerin für Unterricht, Kunst und Kultur, setzte sich unter dem Titel „Mut zur Reform: Vom Prototyp zum gemeinsamen Erfolg“ mit dem Einfluss der Politik auf Innovationsprozesse an Schulen und erfolgskritischen Eckpunkten bei Reformvorhaben aus der Makroperspektive auseinander. Auf Basis von persönlichen Wahrnehmungen und Erfahrungen mit konkreten Innovationsprojekten, etwa der Einführung der „Neuen Mittelschule“ oder der „Bildungsstandards“ in Österreich hat sie in ihrem Vortrag auf Basis einer kritischen Bestandsaufnahme über die Verfasstheit des österreichischen Bildungssystems zehn Handlungsempfehlungen (essentials) für das Zustandekommen und für die Umsetzung von weitreichenden Innovationsvorhaben im Bildungsbereich herausgearbeitet. Ihren mit großem Applaus bedachten Mut machenden Vortrag beendete die ehemalige Ministerin mit dem Hinweis, „eine Kultur des Gelingens und eine Kultur der Freude am Erfolg zu pflegen“, auch wenn auf große Ideen oft kleinere Umsetzungsschritte folgen sollten.

Zum Tagungsabschluss griff Dr. Bernhard Weiser mit dem Titel „Von best practice zu next practice: Mut zur Bewegung, gemeinsam Lernen neu denken“ das Tagungsmotto auf, indem er alle Tagungsbesucherinnen und -besucher einlud, selbst nochmals in Bewegung zu kommen, Neues zu wagen und sich auch auf Unbekanntes und Ungewöhnliches einzulassen. Auf humor- und schwungvolle Art kam die Tagung nochmals in eine bewegungsreiche Phase zum gemeinsamen Verarbeiten und Austauschen, wodurch sich die wichtigsten Erfahrungen und Atmosphären aus den Workshops und Schulbesuchen zu einem gemeinsamen Abschlusserlebnis verdichten konnten.

(Michael Schratz)

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