Gegen das Vergessen wirken

Aus Anlass des Jahrestages des „Anschlusses“ Österreichs erinnerten die Universitätsräte der beiden Innsbrucker Universitäten auch dieses Jahr wieder an die ab März 1938 ausgegrenzten, vertriebenen und ermordeten ProfessorInnen, ÄrztInnen und StudentInnen der Universität Innsbruck. Umrahmt wurde die Gedenkstunde von Oberkantor Mag. Shmuel Barzilai.
Gruppenbild vor dem Denkmal
Bild: Stefan Deflorian, Shmuel Barzilai, Danielle Engelberg-Spera, Helga Fritsch, Wolfgang Meixner, Günter Lieder, Reinhard Putz. (v.l.) (Credit: Medizinische Universität Innsbruck)

Im Namen der Veranstalter eröffnete der Vorsitzende des Universitätsrates der Medizinischen Universität Innsbruck, Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Reinhard Putz, die Gedenkstunde beim – von der Künstlerin Dvora Barzilai angefertigten – Mahnmal am Gelände der Universitätskliniken.

„Die jedes Jahr im März stattfindende Gedenkveranstaltung soll das Mahnmal in das Bewusstsein rücken und die Erinnerung an die Vertriebenen und Ermordeten mit in den Alltag nehmen“, unterstrich Medizin-Uniratsvorsitzender Reinhard Putz die Bedeutung dieser Gedenkveranstaltung.

Ansprachen und klare Worte der Mahnung, das Gedenken aufrecht zu erhalten fanden der Geschäftsführer der Tirol Kliniken und der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Tirol und Vorarlberg, Günter Lieder, der meinte: „Unsere Aufgabe wird es sein, gegen das Vergessen zu wirken.“ Die Universitätsrätin der Medizinischen Universität Innsbruck, Dr.in Danielle Engelberg-Spera, erinnerte an zwei exemplarischen Biographien: Irene Link, unter anderem Assistenzprofessorin an der medizinischen Fakultät, die 1940 ins Exil getrieben sowie Melanie Adler, die in Innsbruck Medizin studiert hatte und im Lager Maly Trostinec 1942 ermordet wurde.

Biographische Daten

Irene Link, wurde 1908 als Tochter des Hohenemser und später Innsbrucker Rabbiners Dr. Josef Link in Hohenems geboren. Seit 1914 lebte die Familie in Innsbruck. Sie begann nach der Promotion eine Facharztausbildung für Psychiatrie. Für kurze Zeit arbeitete sie als Assistenzärztin an der Universitätsklinik in Innsbruck, von 1933 bis 1938 im Nervenkrankenhaus Maria Theresien-Schlössel in Wien. Irene Link heiratete Max Hitschmann, einen Wiener Juristen. Dieser wurde nach den Novemberpogromen für kurze Zeit im Konzentrationslager Dachau interniert. Er wurde entlassen und musste sofort mit seiner Frau emigrieren. In Shanghai fand das Ehepaar ein erstes Exil und im April 1940 erhielten sie die Einreisebewilligung in die Vereinigten Staaten.

Melanie Adler wurde am 12. Januar 1888 in Prag geboren. Sie begann ein Medizinstudium in Wien. 1927 wechselte die bereits 39jährige im fünften Semester nach Innsbruck, das sie 1930 wieder verließ. Ihre Promotion legte sie am 20. November 1936 in Wien ab. Am 20. Mai 1942 wurde Melanie Adler nach Minsk deportiert und im Lager Maly Trostinec am 26. desselben Monats ermordet.

(Redaktion Medizinische Universität Innsbruck)


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