Frank­reich-Tag: Von Kinematik und Lyrik

Es genügt eben nicht, dass man empirisch feststellt, dass ein bestimmter Mechanismus funktioniert und wie; der Mensch ist so gebaut, dass er nicht nachgibt, bevor er auch verstanden hat, wieso. Das zeigte sich auch beim Frankreich-Tag 2017 in der Claudiana.
Frankreich-Preisträger 2017
Bild: Christophe de Winter, Stéphane Caro, Eva Lavric, Martin Pfurner, Manfred Husty, Rektor Tilmann Märk (von links nach rechts) (Credit: Romana Kaier)

Die programmatische Aussage könnte aus der Kinematik stammen, der Wissenschaft von den Bewegungen. Aus der Geometrie hervorgegangen, findet die Kinematik heute in der Robotik mannigfache Anwendungen. Man kann sie aber auch mit theoretischem Fokus betreiben um für Mechanismen, die schon seit Jahrzehenten in der technischen Praxis genutzt werden, endlich eine plausible und allgemeingültige mathematische Erklärung zu finden. Was stört es, dass man dafür den dreidimensionalen Raum überwinden und in einen nicht weniger als siebendimensionalen Raum vorstoßen muss? So oder jedenfalls so ähnlich erklärte der Frankreich-Preisträger 2017, Dr. Martin Pfurner, einem weitgehend ahnungslosen und staunenden Publikum sein prämiertes Projekt.  Dieses war im Rahmen eines größeren österreichisch-französischen Projekts entstanden, weshalb auch der Projektleiter, Prof. Manfred Husty und der französische Projektpartner, Dr. Stéphane Caro, das Ihre zu dieser Erklärung beitrugen.

All das geschah im Rahmen des Frankreich-Tags 2017, der am 12.12.2017 in der Claudiana stattfand. Begrüßt wurden die Festgäste von Rektor Prof. Tilmann Märk und vom ehemaligen Leiter des Institut français d’Innsbruck, Christophe de Winter, der in Vertretung des Botschafters angereist war, um den Preis zu vergeben. Die Leiterin des Frankreich-Schwerpunkts, Prof. Eva Lavric, blieb in ihrer Festrede der langjährigen Gewohnheit treu, eine Metapher auszuwählen und diese über die ganze Rede hin auszuspinnen. Diesmal verglich sie den interdisziplinären Frankreich-Schwerpunkt der Universität Innsbruck mit nichts Geringerem als mit der Milchstraße, was ihr Gelegenheit gab, den französischen Lyriker Guillaume Apollinaire (1880–1918) zu zitieren:

Voie lactée, ô sœur lumineuse

Des blancs ruisseaux de Chanaan

Et des corps blancs de amoureuses

Nageurs morts suivrons-nous d’ahan

Ton cours vers d’autres nébuleuses ?

 

O Milchstraße, du leuchtende Schwester

Der weißen Bäche von Chanaan

Und der weißen Leiber der Liebenden,

Werden wir als tote Schwimmer mühsam

Deinem Lauf zu andern Sternennebeln folgen?


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