Fest­vortrag in War­schau

Auf Einladung von Professor Wladek Czaplinski hat Peter Hilpold, Professor am Institut für Italienisches Recht, an der Warschauer Akademie der Wissenschaften den Festvortrag Prof. Krzyzstof Skubiszewski gehalten, der ein berühmter polnischer Völkerrechter war.
Hilpold in Warschau
Bild: Peter Hilpold hat in Warschau einen Festvortrag gehalten. (Credit: Peter Hilpold)

Skubiszewski wirkte im Osttimor-Fall 1995 als Richter am Internationalen Gerichtshof (IGH) und hat dabei ein bahnbrechendes Gutachten verfasst, das unsere Vorstellungen zum Selbstbestimmungsrecht der Völker auf eine neue Grundlage gestellt hat. Hilpold hat analysiert, wie sehr dieses Gutachten nachhaltigen Einfluss bis zur heutigen Zeit ausübt. 2019 hat der IGH ein Gutachten zum Chagos-Fall veröffentlicht und dabei darauf hingewiesen, dass Großbritannien die weiterhin als Kolonien besetzten Chagos-Inseln an Mauritius zurückgeben muss. Dies ist besonders problematisch, da Großbritannien die größte dieser Inseln, Diego Garcia, an die USA als zentralen Luftwaffenstützpunkt im Indischen Ozean weiterverpachtet hat. Laut Peter Hilpold hätte der IGH in diesem Fall, hätte er das Gutachten von Prof. Skubiszewski bis zur letzten Konsequenz berücksichtigt, weiter gehen müssen. Denn das große Problem der deportierten Inselbewohner, der Chagossianer, bleibt nach wie vor ungelöst. Diese leben auf Mauritius und weltweit verstreut, entwurzelt und vielfach in großer Armut. Hilpold betont, dass das Selbstbestimmungsrecht der Völker im 21. Jahrhundert primär das Los der Menschen im Augen haben muss. Die von tiefer Humanität getragenen Ausführungen von Prof. Skubiszewski hätten für den IGH auch diesbezüglich wegweisend sein müssen.

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Die Warschauer Akademie der Wissenschaften. (Bild: Peter Hilpold)

(red)

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