Erster Klima­rat der Bürger*in­nen Öster­reichs gestar­tet

Wie wird Österreich bis 2040 klimaneutral? Ab 15. Jänner gestaltet ein 100-köpfiges „Mini-Österreich“ die Klima-Zukunft aktiv mit. Begleitet wird die Initiative von einem wissenschaftlichen Beirat, dessen Co-Leiter der Klimaforscher Georg Kaser ist. Auch der Ökologe Michael Bahn ist Teil des Teams.
Blick auf den schmelzenden Langenferner Gletscher
Bild: Feldarbeiten am Langenferner Gletscher: Der Klimawandel und seine Folgen spielen in der Forschung an der Universität Innsbruck eine große Rolle. (Credit: Stephan Galos)

100 Bürger*innen, sechs Wochenenden, ein Ziel: ein klimagesundes Österreich – und damit Klimaneutralität – bis 2040. So lauten die Eckdaten des Klimarates der Bürgerinnen und Bürger, dessen Start Umweltministerin Leonore Gewessler am Dienstag, 11. Jänner 2022, im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien bekannt gab. Ab 2022 gestalten 100 völlig unterschiedliche Menschen die Klima-Zukunft des Landes aktiv mit. Sie wurden per Zufallsprinzip ausgewählt und bilden die österreichische Bevölkerung ab. Am Samstag, 15. Jänner, werden die Bürgerinnen und Bürger des Klimarats erstmals aufeinandertreffen. Gemeinsam werden sie Antworten rund um zentrale Zukunftsfragen entwickeln: Wie wollen wir uns in Zukunft fortbewegen? Woher beziehen wir unsere Energie? Wie werden wir uns in Zukunft ernähren, um den Planeten zu schützen? Wissenschaftliche Inputs liefern eine Grundlage für die Diskussionen dieser Schwerpunkte. 15 Wissenschaftler*innen und ein professionelles Moderationsteam begleiten den Prozess. Geleitet wird der Beirat durch Georg Kaser vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften gemeinsam mit Birgit Bednar-Friedl von der Uni Graz. Michael Bahn vom Institut für Ökologie ist ebenfalls im Expert*innen-Gremium. Die Ergebnisse werden Mitte des Jahres 2022 der Bundesregierung übergeben. Geburtsstunde des Klimarats war das Klimavolksbegehren im Juni 2020, das von fast 400.000 Menschen unterstützt wurde.
„Österreich bekommt seinen ersten Klimarat der Bürgerinnen und Bürger. 100 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Menschen aus allen Teilen Österreichs, mit ganz unterschiedlichen Lebensgeschichten, werden an sechs Wochenenden zusammenkommen und gemeinsam die Klimazukunft Österreichs aktiv mitgestalten. Sie werden ihre Alltagserfahrungen und ihre besonderen Herausforderungen im Klimaschutz nutzen und gemeinsam Empfehlungen für ein klimagesundes Österreich erarbeiten“, sagte Ministerin Gewessler. „Die Klimakrise betrifft uns alle und ich bin überzeugt davon, dass wir sie gemeinsam lösen können. Ich freue mich schon auf die Ergebnisse des Klimarates.“

Wissenschaftliche Grundlagen


Ganz wesentlich für die unabhängige Arbeit des Klimarats ist eine sorgfältige wissenschaftliche Begleitung. So haben Klimaforscher Georg Kaser und Umweltökonomin Birgit Bednar-Friedl für den Klimarat ein 15-köpfiges wissenschaftliches Begleitgremium zusammengestellt, in dem Wissenschaftler*innen aus vielen verschiedenen Fachrichtungen vertreten sind. „Bei derart großen gesellschaftlichen Veränderungen, wie es der Kampf gegen die Klimakrise verlangt, ist es notwendig, dass diese von der Bevölkerung mitgetragen werden. Ein Klimarat der Bürger*innen ist dafür ein starkes demokratisches Instrument. Da im Klimarat sicher unterschiedliche Meinungen aufeinandertreffen werden, wollen wir Wissenschaftler*innen die Teilnehmer*innen bei ihrer Konsens- und Entscheidungsfindung mit wissenschaftlichem Fachwissen unterstützen“, erklärt der weltweit renommierte Klimaforscher Georg Kaser.

Katharina Rogenhofer (Sprecherin Klimavolksbegehren), Leonore Gewessler und Georg Kaser nach der Präsentation des Klimarates in Wien am 11. Jänner. Credit: BMK / Cajetan Perwein

„Mini-Österreich“


Die Auswahl der Bürgerinnen und Bürger, die am Klimarat teilnehmen, wurde mittels Zufallsprinzips von der Statistik Austria durchgeführt. Der Klimarat spiegelt die österreichische Bevölkerung wider, was die Merkmale Wohnort, Alter, Geschlecht, Bildung und Einkommen anbelangt. Die Teilnehmer*innen sind mindestens 16 Jahre alt und haben ihren Hauptwohnsitz seit mindestens fünf Jahren in Österreich. Die jüngste Person im Klimarat ist 17 Jahre alt, die älteste 79 Jahre. Darüber hinaus wurde darauf geachtet, dass nicht nur Personen im Klimarat vertreten sind, die in der Klimafrage besonders engagiert sind – sondern ein Querschnitt der gesamten Bevölkerung.
Der wissenschaftliche Beirat wird geleitet von vom Klimaforscher Georg Kaser und der Umweltökonomin Birgit Bednar-Friedl. Das wissenschaftliche Team besteht aus: Michael Bahn (Universität Innsbruck), Harald Frey (TU Wien), Willi Haas (Universität für Bodenkultur Wien), Birgit Hollaus (Wirtschaftsuniversität Wien), Andrea Jany (Universität Graz), Monika Köppl-Turyna (EcoAustria), Nebojsa Nakicenovic (IIASA), Alexander Passer (TU Graz), Marianne Penker (Universität für Bodenkultur Wien), Gundula Prokop (Umweltbundesamt), Sebastian Seebauer (Joanneum Research Graz), Martin Schönhart (Universität für Bodenkultur Wien), Isabella Uhl-Hädicke (Universität Salzburg)

Die Eröffnung des ersten Klimarates der Bürgerinnen und Bürger mit Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Ministerin Leonore Gewessler erfolgt am Samstag, 15. Jänner 2022.

(APA-OTS BMK/red)

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