Ein digi­taler Weg­wei­ser bei so­zia­len Prob­lemen

Der Zugang zu sozialen Unterstützungsleistungen ist durch zahlreiche Hürden geprägt. Das erhöht für die Betroffenen die Gefahr der Mangelversorgung. Um dem zu begegnen, stellen mehrere Partner aus Wissenschaft, IT und Sozialwesen in Tirol, Salzburg und Vorarlberg das in den Städten Innsbruck und Salzburg etablierte Instrument des „Sozialroutenplans“ auf neue, digitale Beine.
Eine Hand hält ein Smartphone.
Bild: In einem neuen Projekt soll ein digitaler „Sozialroutenplan“ für Vorarlberg, Tirol und Salzburg entstehen. (Credit: freestocks/Unsplash)

„In Westösterreich sind mindestens 300.000 Menschen auf den Zugang zu sozialen Unterstützungsleistungen angewiesen“, umreißt Dr. Andreas Exenberger vom Institut für Wirtschaftstheorie, -politik und -geschichte der Uni Innsbruck die Ausgangslage. Er ist als Vertreter der Universität Innsbruck Teil des Projektteams, das für die Bundesländer Salzburg, Tirol und Vorarlberg nun einen digitalen Sozialroutenplan umsetzt. „Betroffen sind ganz unterschiedliche Menschen, von der alleinerziehenden Mutter über Pflegebedürftige bis zu Menschen, die plötzlich ihren Job verlieren. Digitalisierung kann hier Ausgrenzung verstärken, aber auch Chancen bieten, wenn man sie richtig umsetzt. Beides wird durch die jüngsten Erfahrungen während der Covid-19-Pandemie noch unterstrichen.“

Sozialroutenplan

Insgesamt arbeiten nun fünf wissenschaftliche Einrichtungen, drei IT-Unternehmen und 14 Sozialeinrichtungen in einem integrierten und partizipativen Prozess und gemeinsam mit potenziellen Nutzer*innen an der Umsetzung einer umfassenden digitalen Lösung, die dabei möglichst exakt auf die Bedürfnisse der Betroffenen Rücksicht nimmt. „Wir streben mehrere digitale Werkzeuge als Ergebnis an, etwa eine offene Schnittstelle, auf die andere Angebote aufbauen können, eine mobile App oder eine Web-Anwendung. Personen, die soziale Unterstützungsleistungen brauchen, sollen so Informationen über Beratungsstellen, Angebote und Voraussetzungen sowie rechtliche Rahmenbedingungen in möglichst flexibler und niederschwelliger Form erhalten. Dabei sind Barrierefreiheit, Usability und Anti-Diskriminierung zentrale Grundprinzipien der Entwicklungsarbeit“, erläutert Andreas Exenberger.

Am Ende dieses auf drei Jahre von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) finanzierten Projekts soll ein Best-Practice-Beispiel stehen, das es so vielen Menschen mit Anspruch auf soziale Leistungen wie möglich erlaubt, sie auch zu erhalten. „Unsere Vision besteht darin, dass alle daran interessierten Menschen die entwickelten digitalen Werkzeuge nutzen können, um sich über soziale Unterstützungsleistungen zu informieren. Das sollte idealerweise aus eigener Kraft möglich sein oder wenigstens durch die Unterstützung von Sozialeinrichtungen“, betont Andreas Exenberger.

Projektpartner*innen:
Wissenschaft: Universität Innsbruck; FH Vorarlberg – University of Applied Sciences; Internationales Forschungszentrum für soziale und ethische Fragen (ifz) Salzburg; MCI | Die Unternehmerische Hochschule®
IT-Branche: ICC Werbeagentur GmbH & Co KG; M-Pulso GmbH; Michael Holzknecht
Sozialeinrichtungen: AQUA Mühle Vorarlberg; Diakonie Flüchtlingsdienst (Salzburg); DOWAS für Frauen (Tirol); Frau & Arbeit (Salzburg); IFS Vorarlberg; Lebenshilfe Tirol; Offene Jugendarbeit Dornbirn; ÖZIV Tirol; Pro Mente Salzburg; Schuldenberatung Tirol; Verein für Obdachlose (Tirol); Volkshilfe Tirol; unicum:mensch (Tirol/Salzburg); Zentrum für MigrantInnen in Tirol

(Andreas Exenberger/red)

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