Eduard-Rhein-Preis für Cochlea-Implantate

Ingeborg Hochmair-Desoyer und Erwin Hochmair wurden vergangene Woche für ihre Pionierleistungen in der Cochlea-Implantationstechnik im Deutschen Museum in München im Beisein von Rektor Tilmann Märk mit dem Eduard-Rhein-Preis ausgezeichnet.
ers_medaille_900x540.jpg
Bild: Die Eduard-Rhein-Medaille (Credit: Eduard-Rhein-Stiftung)

„Die Entwicklungen des Ehepaars Hochmair und Blake Wilson sind exemplarisch für den Grundgedanken des Eduard-Rhein-Preises – die Verbindung von Disziplinen wie zum Beispiel Mikroelektronik, Hochfrequenztechnologie, Signalverarbeitung, Mechanik, Informationstechnologie und Physiologie führen zu einem Ergebnis, das den betroffenen Menschen ein hohes Maß an Lebensqualität gibt und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht“, begründet Hans-Joachim Grallert, Vorstand der Eduard-Rhein-Stiftung die Vergabe des Technologiepreises 2016 an die drei Preisträger. „Weiterhin entscheidend war, dass die Entwicklungen mit aktuell weltweit 500.000 Implantaten ihre große Relevanz nachweisen kann.“ Rektor Tilmann Märk unterstrich die Bedeutung dieser Entwicklung: „Für mich persönlich ist das eine der wichtigsten Entwicklungen in der Medizin der letzten Jahrzehnte, der mehr oder weniger vollständige Ersatz eines Sinnes ist die Königsklasse in der Medizin, und ich würde dafür den Nobelpreis vergeben.“

Das Ehepaar Hochmair begann in den 1970er-Jahren als Pioniere auf dem Gebiet des sogenannten „Cochlea“-Implantates. Durch Miniaturisierung eines Mikrofons zur Aufnahme akustischer Informationen und einem elektronischen Prozessor verbunden mit elektrischen Verbindungen zu den Nervenzellen können geschädigte Sinneszellen in der Ohrschnecke (Cochlea) überwunden werden. Von anderen Cochlea-Implantaten heben sich die Entwicklungen des Ehepaars Hochmeier zunächst an der TU Wien und dann an der Universität Innsbruck dadurch ab, dass Signale über mehrere Kanäle übertragen werden, die eine zeitlich versetzte Stimulation der Sinneszellen ermöglicht, was beim Anwender zu einem besseren Wort- und flüssigerem Sprachverständnis selbst beim Telefonieren führt.

Entscheidend für die Realisierung des mehrkanaligen Cochlea-Implantats ist dabei das von Prof. Blake Wilson von der Duke University, USA, entwickelte Kodierverfahren Continuous Interleaved Sampling, das einzelne Bandbereiche bestimmten Elektroden zuordnet und so die zeitlich versetzte Stimulation möglich macht. Ingeborg und Erwin Hochmair vermarkten das mehrkanalige Cochlea-Implantat über das Spin-off-Unternehmen MED-EL Medical Electronics. Prof. Blake Wilson ist Direktor des ersten MED-EL-Forschungslabors in Durham.


Unileben aktuell – die neuesten Beiträge

weitere Beiträge