Dolmetschen als Inszenierung

Für die AbsolventInnen des Universitätskurses „Community Interpreting“ wurde am 10. und 11. Juni 2016 ein ganz besonderes Aufbauseminar angeboten: „Dolmetschinszenierungen – DolmetscherInnen als Körper und als Mensch“ nach der gleichnamigen theaterpädagogischen Methode der renommierten Dolmetschwissenschaftlerin Dr. Şebnem Bahadır von der Universität Mainz/Germersheim.
Gruppenbild Dolmetschinszenierung
Bild: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seminars. (Credit: Elvira Iannone)

Wie bereits bei dem Seminar „Steuern & Co. – was DolmetscherInnen wissen müssen“ vor einem Jahr waren auch dieses Mal wieder GerichtsdolmetscherInnen mit von der Partie, was für zusätzlichen (Erfahrungs-)Austausch sorgte. Anderthalb Tage reflektierten und hinterfragten die 18 Seminarteilnehmerinnen und -teilnehmer ihre Rolle(n), die sie als DolmetscherInnen in einem Beratungsgespräch einnehmen. Nach Übungen zur Wirkung und Wahrnehmung des eigenen Körpers, der eigenen Mimik, Gestik und Stimme – aufgrund des wunderbaren Wetters im GEIWI-Hof – wurde das Szenario vorgestellt, das Gegenstand aller folgenden Übungen und Diskussionen war. Es stammte aus dem Beratungsalltag von Najmeh Musavi von der Unabhängigen Rechtsberatung des Diakonie Flüchtlingsdienstes, war also nicht nur ein realistisches sondern ein echtes Szenario. Dieses wurde von den Teilnehmerinnen und Teilnehmer entsprechend an ihren sprachlichen und kulturellen Hintergrund angepasst, um den Realitätsbezug beibehalten zu können. Während sich ein Teil der Gruppe auf ihre Rollen als DolmetscherInnen und Klientinnen und Klienten vorbereiteten, führte Musavi ein Drittel der Gruppe in die Prinzipien ihrer Rolle als Beraterin ein. In Kleingruppen wurde dann sprachenpaarspezifisch geprobt und schließlich im Plenum inszeniert. Proben fanden in den Sprachen Arabisch, Portugiesisch, Türkisch, Ungarisch und „Global English“ statt, zur Aufführungen kamen Inszenierungen auf Italienisch, Arabisch und Ungarisch. Es war aber weniger die Sprachenvielfalt als mehr das Einzugsgebiet von Feldkirch über Villach bis Wien, das eine Teilnehmerin zu der Feststellung verleitete: „Das ist hier ja richtig international!“.

Der Workshop Dolmetschinszenierungen wurde von Bahadır mit Unterstützung von Dipl.-Dolm. Elvira Iannone vom Institut für Translationswissenschaft der Universität Innsbruck geleitet und fand erstmalig an der Universität Innsbruck statt. Aufgrund der Nachfrage und der positiven Resonanz wird er 2017 wieder angeboten werden.

(Elvira Iannone)


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