Co­rona-Mo­ni­to­ring am WC

Jeder Mensch scheidet täglich Abfallprodukte, Viren und Bakterien aus. Auch Fragmente des Coronavirus bahnen sich ihren Weg durch den Darm und landen schlussendlich in der Kanalisation, die in den lokalen Kläranlagen mündet, wo Wissenschaftler*innen der Uni Innsbruck bereits auf die wertvollen Daten warten.
Coronaviren im Abwasser
Bild: Fragmente des Coronavirus sind im Abwasser nachweisbar. (Credit: pixabay_PIX1861)

Über 15 Kläranlagen, verteilt in ganz Österreich, werden von Expert*innen um Heribert Insam, Wolfgang Rauch und Rudolf Markt engmaschig kontrolliert. Das Team vom Institut für Mikrobiologie und vom Institut für Infrastruktur arbeitet bereits seit einem Jahr eng mit Forschungsteams der TU Wien, allen voran Norbert Kreuzinger, und der Gerichtsmedizin der Medizinischen Universität Innsbruck im „Coron-A“ Konsortium zusammen. Unterstützt wurde die Gründung durch das Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung. Ziel war und ist es eine offene gemeinsame Plattform für die Abwasserepidemiologie zu bieten und der Erfolg der gebündelten Abwasser-Kompetenz ist damit garantiert. „Das Ziel der Arbeit an der Uni Innsbruck ist es, die wissenschaftlichen Grundlagen für eine flächendeckende epidemiologische Erfassung für die Zeit nach den Coronawellen zu liefern. Teure Individualtestungen von Gesunden sollten damit überflüssig werden“, so Heribert Insam. Nach intensiver Forschung ist es den Wissenschaftler*innen gelungen, einen sehr dichten Datensatz zu generieren und auch Varianten des Virus zu erkennen.

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Menschen scheiden Abfallprodukte aus, die später in Analysen des Abwassers nachweisbar sind. (Grafik: Heribert Insam)

Über 1000 Abwasserproben wurden bisher von den Wissenschaftler*innen auf das Auftreten von RNA-Fragmenten des SARS-CoV-2 Virus untersucht. Die Universität Innsbruck ist für die Bundesländer Vorarlberg, Kärnten und Salzburg zuständig. Das Institut für Infrastruktur mit Wolfgang Rauch sowie das universitäre Spin-Off hydro-IT sind mit Modellierungs- und IT-Fragen in das Projekt mit eingebunden. Rudolf Markt, der am Institut für Mikrobiologie für die Abwasseranalytik die Innovation vorantreibt sieht den großen Vorteil darin, dass neue Infektionswellen gegenüber der Individualtestung mit einem Vorsprung von 3 bis 7 Tagen erkannt werden können. Erarbeitet werden die Daten von der AGES, bevor sie von Wolfgang Rauch, Daniel Grünbacher und Rezgar Arabzadeh weiter modelliert werden. „Die Sequenzierung von Abwasserproben durch das Labor Bergthaler (Research Center for Molecular Medicine, CeMM der ÖAW) erlaubte es, die Ausbreitung neuer Varianten über die Bundesländer zu erfassen“, erläutert Insam. Initiale Unterstützung erfuhr das Prestige-Projekt vom Förderkreis 1669 der Uni Innsbruck.

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