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Buch­tipp: Berg­hotels 1890–1930: Süd­tirol, Nord­tirol, Tren­tino

In einer zweibändigen Publikation präsentiert das Touriseum – Südtiroler Landesmuseum für Tourismus die erste umfassende Geschichte des Hotelbaus in den heimischen Bergregionen. Realisiert wurde sie in Zusammenarbeit mit der Architekturfakultät der Universität Innsbruck, wo sich die Autorin Bettina Schlorhaufer schon seit Jahren auf die Erforschung des alpinen Bauens spezialisiert hat.

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Unter anderem bearbeitete sie den Nachlass des „Bureaus für Architektur und Ingenieurbau Musch & Lun“ aus Meran. Entstanden ist ein Schau- und Lesebuch über eine längst vergangene Hotelbautradition in Südtirol, Nordtirol und dem Trentino. Sie enthält Abbildungen von zum Teil musealer Qualität, die bisher noch nie der Öffentlichkeit vorgestellt wurden. Das Material stammt aus privaten und öffentlichen Sammlungen wie dem Touriseum, der Österreichischen Nationalbibliothek und dem Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck. Ausgangspunkt der Publikation ist ein Text, der um die Jahrhundertwende entstand und in dem das Hotel als „eine Synthese von Klinik, Wagon-lits und Maschine“ bezeichnet wird. Auf ihrer Spurensuche zeichnet Bettina Schlorhaufer die lange Geschichte des Hotelbaus entlang der Entwicklung des Tourismus als Massenphänomen ab ca. 1800 nach. Detailliert beschreibt sie, wie die systematische Beherbergung aus dem Hospital und dem Kurhaus hervorging und wie früh die Architekturproduktion der Hotels auf der Basis innovativer Entwurfsmethoden in Serie bzw. anhand von Modulprogrammen erfolgte. Zahlreiche Bilder und Baupläne – unter anderem aus dem Archiv von Musch & Lun – belegen diese Entwicklung. Facettenreich beleuchtet die Autorin die Geschichte des Berghotel-Baus aus der Sicht seiner Erbauer. Sie waren allesamt Quereinsteiger im Fremdenverkehr, darunter der Alpinist, Autor und Politiker Theodor Christomannos, der Architekt Otto Schmid und der Ingenieur Carl Lun von Musch & Lun. Ihre Biografien geben Aufschluss über die unterschiedlichen Beweggründe, die zu den Berghotel-Entrepreneurships führten. Durch ihre interdisziplinäre Sichtweise erschließt Bettina Schlorhaufer auf mehreren Ebenen wissenschaftliches Neuland. Wirtschaftshistorisch war der von Entrepreneuren wie Theodor Christomannos gegründete „Verein für Alpenhotels in Tirol“ bisher noch nie Gegenstand von Untersuchungen. Christomannos und sein Kreis an Berghotel-Gründern verfügten über ein engmaschiges Netzwerk an finanzkräftigen Liebhabern der Alpen, das bis nach Wien, Berlin und Köln reichte. Mit der Errichtung von Hotels an ausgewählten Aussichtspunkten verfolgte der Verein das Ziel, den Gebirgstourismus voranzutreiben. Darüber hinaus waren die Häuser politische Symbole, denn mit ihrer Errichtung wollte man der schon weit vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs einsetzenden Italianisierung der Berggebiete entgegenwirken. Auch in ihrem äußeren Erscheinungsbildern trugen die „Alpenhäuser“ dem politischen Motiv der Raumbeanspruchung Rechnung. Als Bollwerke des Deutschtums in den Bergen wurde schon für die Gestaltung der ersten Berghotels in Sulden, Trafoi und am Karersee ein international verfügbares Repertoire an architektonischen Stilmitteln „regionalisiert“. Dabei handelte es sich z. B. um formale Bestandteile aus dem Bauwesen der Eisenbahn und mittelalterlichen Bautraditionen wie der Gotik. Letztere wurden in der Ära des ausgehenden Gothic Revivals als besonders „germanisch“ betrachtetet. Vor den Bergkulissen Südtirols platziert, gelangten sie zu einer neuen Wirkung und vermittelten sich als bodenständig und bereits bestehenden lokalen Sehgewohnheiten verbunden. Das Motto „innovation in tradition“ spielte bei den Berghotels eine besondere Rolle. Die Gebäude wurden schon früh elektrifiziert, weshalb selbst Gebäude an den entlegensten Standorten über den neusten Stand der Haustechnik verfügten. Zugleich musste das Lebensgefühl in den Häusern aber auch dem herrschenden Publikumsgeschmack entsprechen. Aus diesem Grund wurde insbesondere das Flair der Hotelhallen und Speisesäle jenem der Repräsentationsräume in („gotischen“) mittelalterlichen Burgen nachempfunden. Band 1 ist der Tourismusgeschichte, den Berghotel-Gründern und dem architekturhistorischen Kontext gewidmet. In Band 2 werden 18 Berghotels und nicht verwirklichte Projekte von Otto Schmid und Musch & Lun vorgestellt.

Informationen zum Buch

Bettina Schlorhaufer
Berghotels 1890–1930: Südtirol, Nordtirol und Trentino
Bauten und Projekte von Musch & Lun und Otto Schmid
Herausgegeben vom Touriseum – Südtiroler Landesmuseum für Tourismus
Birkhäuser 2021
Zwei Bände à 304 Seiten mit 536, teils farbigen Abbildungen
Electronic ISBN: 9783035622706
Paperback ISBN: 9783035622690
Ladenpreis: 79,96 Euro
https://www.degruyter.com/document/doi/10.1515/9783035622706/html

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