Bil­dung in der Flucht­gesell­schaft

Das Institut für Erziehungswissenschaft der Universität Innsbruck veranstaltete als Mitglied des Netzwerks für interkulturelle Bildung in Österreich (NIC) am 15. und 16. November 2018 die 7. NIC-Konferenz zum Thema Bildung in der Fluchtgesellschaft.
Szene aus „Lampedusa im Winter“. Der Film wurde auf der Konferenz im Leokino gezeigt. Im Anschluss fand eine Diskussion mit dem Regisseur statt.
Bild: Bildungskonzepte im Kontext von Flucht, globaler Not und Ungleichheit standen im Zentrum der Konferenz in Innsbruck. Das Bild zeigt eine Szene aus dem Film „Lampedusa im Winter“. Der Film wurde während der Konferenz im Leokino gezeigt. Im Anschluss fand eine Diskussion mit dem Regisseur statt. (Credit: Jakob Brosmann, http://lampedusaimwinter.derfilm.at/)

Das NIC Netzwerk lädt seit 2008 Akteurinnen und Akteure interkultureller Bildung regelmäßig zum transdisziplinären Austausch ein. Der Einladung nach Innsbruck folgten die Partnerorganisationen aus Wien – die Österreichische Gesellschaft für Politische Bildung und das Interkulturelle Zentrum -, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Österreich, Deutschland und Südtirol sowie Vertreterinnen und Vertreter von NGOs und Bildungseinrichtungen. Die Teilnehmenden konnten sich zum Auftakt bei einer Stadtführung zur Flucht in Innsbruck einen Eindruck über die Lebenssituation Geflüchteter in Tirol verschaffen und beleuchteten an den zwei Tagen aus Theorie- und Praxisperspektive die Herausforderungen für das Bildungshandeln von und mit Geflüchteten.

Die Herausforderung bestehe darin, so Dekanin Michaela Ralser, die Bildungslandschaft in Österreich als guten Ankunftsort zu gestalten. In den Beiträgen wurden Hindernisse herausgearbeitet wie Auswirkungen des Kolonialismus, Zwang zum Nichtstun für die Geflüchteten, Paternalismus und Grenzen der Solidarität. Der Dokumentarfilm „Lampedusa im Winter“, der im Beisein von Regisseur Jakob Brosmann gezeigt wurde, veranschaulichte dies bespielhaft und zeigte eindringlich, wie es den Inselbewohnerinnen und -bewohnern dennoch gelingt, die eigenen Probleme nicht gegen die Probleme der an ihren Küsten Gestrandeten auszuspielen.

Anregungen zum Perspektivenwechsel in der Bildung wurden eingebracht: Kunst des Überlebens statt Opferbild, Möglichkeiten der Anerkennung des kulturellen Kapitals der Geflüchteten, Demokratie neu denken. Vertreterinnen und Vertreter von Initiativen und Institutionen diskutierten die praktische Umsetzbarkeit und schlossen die Veranstaltung mit einer kritischen Reflexion der Handlungsmöglichkeiten in „flüchtigen Zeiten“ (Z. Bauman) ab.

Das Programm der Tagung ist hier zu finden.

(Sabine Aydt)

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