Bedeu­tet Medien­viel­falt gleich Qua­litäts­­ver­lust?

Wie steht es um die Medienvielfalt in Österreich? Fake-News, die aktuellen Schwierigkeiten des kritischen Journalismus und das Wechselspiel zwischen Medien und Politik – das waren die Themen, der Referent*innen beim Medientag 2018, der unter dem Motto „Das Ende der Viefalt? Zur Diversität der Medien“ interessierte Zuhörer*innen an die Universität Innsbruck lockte.
Clemens Pig, Hermann Petz, Georg Laich (Moderation), Nina Horaczek, Anthony Loewstedt und Agnieszka Szymanska (v. links nach rechts) diskutierten am Podium angeregt über die Zukunft der Mediendiversität.
Bild: Clemens Pig, Hermann Petz, Georg Laich (Moderation), Nina Horaczek, Anthony Loewstedt und Agnieszka Szymanska (v. links nach rechts) diskutierten am Podium angeregt über die Zukunft der Mediendiversität. (Credit: Michelle Fetka)

Am 20. November 2018 lud das Interfakultäre Forum Innsbruck Media Studies wieder zum Medientag an die Universität Innsbruck. Zentrales Thema war diesmal die Vielfalt und Diversität der Medien in Österreich und Europa. Beim Blick auf die Medienlandschaft in Österreich liegt die Annahme nahe, dass eine rege Medienvielfalt herrsche: Eine geraume Zahl an journalistischen Angeboten, die sich selbst als unabhängig betiteln, das umfangreiche Repertoire des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und das Internet, das mittlerweile eine unüberschaubare Menge an Informationen für die Rezipient*innen bereitstellt - da kann es doch nicht an Vielfalt mangeln, oder? Die Problematik hierbei: Vielfalt bedeutet nicht Qualität. „Eine Vielfalt einfältiger Medienangebote macht einen Unterschied im Vergleich zu einer Vielgestaltigkeit qualitativ unterschiedlicher Angebote.“, stellte Theo Hug, Sprecher des Interfakultären Forums Innsbruck Media Studies, gleich zu Beginn klar: „Eine gewisse Streubreite und Variatät von Fake-News verändern die öffentliche Wahrnehmung auf andere Weise als eine vielfältige Medienlandschaft, in der auch Qualitätsmedien eine prominente Rolle spielen.“ Das Angebot unterschiedlicher Medien bekomme ihren Wert erst wenn gleichzeitig die Diversität und Qualität gegeben ist. In diesem Punkt waren sich auch die anderen Referent*innen einig. Guter Journalismus müsse auf professionellen journalistischen Standards basieren – nur Qualitätsjournalismus hätte Überlebenschancen.

Doch wo verlaufen hier die Grenzen?

Unseriöse (oft auch gefälschte) Inhalte, die, teilweise auch von Regierungsgrößen, auf Plattformen der sozialen Medien geteilt werden und aufgrund der professionellen Aufmachung nicht als sogenannte „Fake-News“ wahrgenommen und millionenfach weiterverbreitet werden, stellen besonders auf Plattformen der sozialen Medien ein großes Problem dar. Anthony Löwenstedt, Medienwissenschaftler an der Webster Universität Wien, zeigte am eigenen Beispiel, wie leicht es ist in die Falle von Fake-News zu tappen: „Es war mein erster Tag auf Facebook und ich teilte eine Meldung über ein Einreiseverbot in die USA. […] Ich bin auf Fake-News reingefallen, weil ich reflexartig und unreflektiert reagiert habe.“

Verschwörungs-Websites und Propaganda-Blätter, die sich geschickt als seriöse Quellen präsentieren, erschweren das Entlarven von falschen Informationen. Qualifizierte kritische Medien sehen sich zunehmend mit diesem Phänomen konfrontiert.

„Journalismus ist ein professionelles Handwerk“, stellte Clemens Pig, CEO der Austria Presse Agentur, klar - und das nicht ohne Grund. Schließlich haben Medien laut Pig eine „wesentliche soziale Rolle“ inne. Medien tragen Ereignisse und Neuigkeiten auf Ebene der Politik und Wirtschaft an die Bürger*innen heran. Sie fungieren hierbei als Vermittlungsinstanz und haben gleichzeitig eine wichtige Kontrollfunktion. Berichterstattung nach professionellen journalistischen Standards ist darum ein unumgängliches Kriterium: „Bei aller Liebe zu digitalen Medien, wenn es darum geht, Themen wirklich gut aufbereitet zu bekommen, geht man zu klassischen Journalisten.“, so Pig.

Dass dies immer öfter nicht der Fall ist, machte Falter-Journalistin Nina Horaczek am Beispiel von Italiens Innenminister Salvini, der versucht kritischen Medien mithilfe seiner Präsenz auf Social Media zu umgehen, klar: „Für ihn ist es einfacher, ein Facebook-Video zu posten, als mit einem Journalisten zu reden.“ Horaczek eröffnet damit eine weitere Thematik, die den heutigen, qualitativ hochwertigen Journalismus ebenfalls erschwert. Das Zurückhalten von Informationen seitens der Politik gegenüber regierungskritischen Medien ist in Polen und Ungarn mittlerweile ein alltägliches Problem, wie die polnische Wissenschafterin Agnieszka Szymanska erklärte. Doch auch in Österreich zeigen sich hier bedenkliche Tendenzen. Besonders die E-Mail aus dem Innenministerium diesen Herbst, in der darauf verwiesen wurde kritischen Medien nur die nötigsten Informationen bereitzustellen, sorgte für Aufruhr und brachte die berechtigte Frage auf: Ist die Pressefreiheit in Österreich gefährdet?

Nina Horaczek zeigte sich hierbei vorsichtig optimistisch, verweist aber auf die Wichtigkeit und den Wert der Pressefreiheit: „Wir leben in einem freien Land mit einer funktionierenden Demokratie, Presse- und Meinungsfreiheit, aber das sind Dinge, auf die wir alle sehr gut aufpassen müssen.“

Was ist also zu tun, damit dieses Gut in Österreich erhalten bleibt?

Einerseits müssen Medien und Regierung so gut zusammenarbeiten, dass das Zurückhalten und Selektieren von Informationen, auch in Hinblick auf regierungskritischen Medien, kein Problem darstellt. Nur so können Medien ihrer Hauptaufgabe nachgehen und Informationen an die Bevölkerung herantragen. Andererseits liegt es auch an den Rezipient*innen, die durch eine kritische und reflektierte Haltung gegenüber Medien, als auch gegenüber der Politik, zu der Erhaltung der Pressefreiheit und zu einer lebendigen Vielfalt an Qualitätsmedien beitragen können.

Laut Hermann Petz, CEO der Moser Holding, geht der Trend seitens der Rezipient*innen bereits in die richtige Richtung. Globalisierung ist heutzutage zwar ein wesentlicher Bestandteil der Gesellschaft und Wirtschaft, dennoch zeigt sich „wieder eine Hinwendung zum Regionalen“, wie es zum Beispiel an den Zuwächsen der Tiroler Tageszeitung bei Print- und Online-Beiträgen festzustellen ist. Dadurch könne eine „wirtschaftlich solide Basis für Qualität“ geschaffen werden.

(Michelle Fetka)

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