Maden sind gesund: Heribert Insam in "Krone der Wissenschaft"

Das Citizen-Science-Projekt erforscht die Maden der südamerikanischen Schwarzen Soldatenfliege.
Krone der Wissenschaft - Heribert Insam

Die Menschen produzieren Berge von Abfällen, und die Welt droht, darin zu ersticken. Auch die Behandlung von Bioabfall, organischen Abfällen aus Haushalt und Industrie, wartet auf eine Lösung. Vielleicht kann die Schwarze Soldatenfliege einmal eine ähnlich wichtige Rolle als Nahrungsmittel spielen, wie die ebenfalls aus Südamerika stammenden Erdäpfel.

„ Die Maden dieser tropischen Fliege fressen Bioabfall und werden so zu Eiweißbomben, von denen sie selbst für ihr Überleben zehren können: in nur drei Wochen werden sie dick und fett und suchen sich einen trockenen Ort zur Verpuppung. Dort gesammelt, können sie als Fisch- oder Hühnerfutter einen regionalen Kreislauf sicherstellen“, so Prof. Heribert Insam vom Institut für Mikrobiologie der Universität Innsbruck.

Ein Citizen- Science- Projekt des Fonds zur Förderung der Wissenschaftlichen Forschung ( FWF) mit 60 Schülern und Schülerinnen soll helfen, die Ekelreaktion vor Insektenmaden abzubauen, damit sich deren Konsum in Zukunft nicht auf den Casu Marzu, den insektengereiften Pecorino ( Schafskäse) aus Sardinien, beschränkt. Aber das ist nicht das einzige Ziel der Gruppe um Prof. Insam, wenn es um die Schwarze Soldatenfliege geht.

Es sind vielmehr die Bakterien – das sogenannte Mikrobiom – interessant, die im Darm und außen auf der Haut dieser Maden leben. „ Dieses Mikrobiom verleiht den Maden Gesundheit, auch wenn sie in Rindermist oder verderbendem Bioabfall wühlen“, so Insam. Der Dissertant Thomas Klammsteiner untersucht mit molekulargenetischen Methoden, welche Bakterien typische Bewohner der Soldatenfliege sind, und was sie dazu beitragen, krankmachende Keime von den Maden fernzuhalten. „ Diese Beobachtungen könnten auch für den Menschen relevant sein, denn auch wir sind für die Gesundheit auf unsere bakteriellen Mitbewohner, zum Beispiel im Darm, angewiesen“, so der Umweltmikrobiologe Insam.

Doch nicht nur Fliegenmaden interessieren die Forscher, sondern auch jene Mikroorganismen, die aus Holzfasern Biomethan produzieren, oder in Kläranlagen Schadstoffe entfernen. „ Bakterienstämme, die aus Tirol nach Washington exportiert werden, ermöglichen in der dortigen Kläranlage Stromgewinnung auch aus den Fäkalien des Weißen Hauses und tragen damit zum Klimaschutz bei, auch wenn der Hausherr nicht an den Klimawandel glaubt“, so Prof. Insam.

Erschienen in: Kronen Zeitung, 22. Januar 2019

  PDF: Krone der Wissenschaft - Maden sind gesund (Heribert Insam)

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