Medien – Wissen – Bildung:
Augmentierte und virtuelle Wirklichkeiten

Call for Papers für die internationale Tagung an der Leopold-Franzens-Universität Innsbruck (25.-26. April 2019)

 

Modelle und Anwendungen augmentierter und virtueller Wirklichkeiten haben Konjunktur: Sie begegnen uns als Apps auf Smartphones, als Avatare und assistive Technologien sowie in Form von virtuellen Gemeinschaften, Klangwelten, Organisationen, Operationsräumen, Spielen und Produkten aller Art. Paradox ist hierbei einerseits, dass in vielen Lebensbereichen die informations- und kommunikationstechnologischen Bedingungen von Prozessen der Medialisierung, Mediatisierung und Normalisierung so sehr in den Hintergrund treten, dass alternative Entwicklungsoptionen kaum mehr denkbar scheinen. Andererseits können die pragmatischen Motive des Routinehandelns, der medialen Bequemlichkeit oder der Monetarisierbarkeit über ein verbreitetes Unbehagen in den Medienkulturen der Digitalität nicht hinwegtäuschen.

Digitale Technologien der Erweiterung, Anreicherung und Virtualisierung werden zunehmend auch in Lern- und Bildungskontexten erprobt und entwickelt. Das Spektrum reicht dabei von der frühen Medienbildung bis zur Virtuellen Hochschule, vom betrieblichen Workplace Learning bis zum Einsatz fotorealistischer 3D-Replica der eigenen Person in beziehungsökologischen Kontexten. Ähnlich wie im Zusammenhang grundlegender historischer Medienumbrüche sind auch hier euphorische und skeptische Perspektiven auszumachen.

Zentrale Fragen in diesem Zusammenhang sind: Welche Bedeutung kann augmentierten und virtuellen Wirklichkeiten in Bildungskontexten zukommen? Wie verhalten sich Dynamiken der Technisierung von Bildungs- und Wissensräumen zu Tendenzen der Normalisierung und Naturalisierung medialer Nutzungszusammenhänge? Inwiefern lassen sich Lernpotenziale und Bildungswerte in den Netzen virtueller Infrastrukturen und in den Repertoires medienkultureller Praktiken ausmachen? Welche epistemologischen und normativen Aspekte von ‚Realität‘, ‚Wirklichkeit‘, ‚Möglichkeit‘, ‚Potentialität‘, ‚Digitalität‘ und ‚Virtualität‘ sind in diesem Zusammenhang relevant? Wie verhalten sich diese zueinander? Welche begrifflichen Auffassungen sind hilfreich im Hinblick auf zukunftsoffene Beschreibungen und Zielbilder? Welche Akzentverschiebungen im Spannungsfeld der Erfahrung medialisierter Wirklichkeiten und medialer Wirklichkeiten der Erfahrung zeichnen sich ab? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Beschreibung, Analyse und Gestaltung von Bildungs-, Lern- und Wissensprozessen?

Wir laden Wissenschaftler*innen, Bildungsanbieter*innen, Pädagog*innen, Aktivist*innen und Medienschaffende zur Einreichung von Beiträgen ein. Die Einreichungen mögen einem der folgenden drei Themenbereiche zugeordnet werden:

  1. Theoretische Überlegungen, inter-/transdisziplinäre Zugänge sowie philosophische und wissenschaftstheoretische Grundlagen
    Welche epistemologischen, ethischen und methodologischen Konzepte erweisen sich in Bezug auf die genannten Thematiken als notwendig, relevant und fruchtbar? Und wie lassen sich unterschiedliche disziplinäre Zugänge sinnvoll verknüpfen? Wo liegen Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Unverträglichkeiten in theoretischer, methodologischer sowie gegenstands- und interessensbezogener Hinsicht?
  2. Zielbilder und normative Begründungen
    Worauf zielen Modelle und Praxen von Augmented Learning im Besonderen sowie von AR/VR im Allgemeinen? Welche Zukunftsbilder und bildungsrelevanten Entwicklungsszenarien spielen dabei eine Rolle? Welche normativen und medienethischen Begründungsmuster lassen sich unterscheiden? Welche Lernmotive und Bildungsziele, welche anthropologischen, technologischen, sozio-kulturellen und ökonomischen Basisannahmen gilt es dabei zu explizieren?
  3. Konkrete Konzepte und Anwendungsbeispiele
    Wie versuchen konkrete Anwendungen, Praxiseinsätze und Projekte ihren spezifischen Zielsetzungen gerecht zu werden? Wie lassen sich Fragen nach Sinn und Unsinn augmentierter und virtueller Wirklichkeiten mit spezifischen Handlungs- und Interventionsformen beantworten? Welche Methoden des Lernens in formellen und informellen Bildungskontexten erweisen sich als inspirierend und zukunftsoffen? Welche Strategien bewähren sich?

Folgende Formate kommen in Betracht:

  1. Vortrag (20 min.)
  2. Lightning Talk: Kurzvortrag 5 min.
  3. Paper-Diskussion (Textgrundlage im PDF-Format bis 30. März 2019 an mwb-conf@uibk.ac.at)
  4. Poster-Session
  5. Workshop

Eingereicht werden können akademische, pädagogische und künstlerische Beiträge. Die Einreichungen können die Form von Vorträgen theoretischer oder empirischer Studien, von Design-Artefakten oder von Workshops haben. Die Konferenz ist diskursorientiert und fördert offene Diskussionen zwischen den Teilnehmer*innen. Tagungssprachen sind Englisch und Deutsch.

Die internationale Tagung wird vom interdisziplinären Forum Innsbruck Media Studies und dem Institut für Medien, Gesellschaft und Kommunikation der Universität Innsbruck in Kooperation mit der AG Medienkultur und Bildung der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) sowie der Sektion Medienpädagogik der Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen (ÖFEB) als Teil der Tagungsreihe "Medien – Wissen – Bildung" veranstaltet.  

 

Konzept und Tagungsplanung:

Lisa Blasch, Theo Hug, Petra Missomelius, Günther Pallaver und Michaela Rizzolli

 

Termine:

  • bis 01.12.2018: Einreichung der Abstracts (max. 500 Wörter zzgl. Quellenangaben, Zuordnung zu Inhalt und Format – z.B. IIIc, IIa, Id usw. – und Kurzbio) an mwb-conf@uibk.ac.at 
  • 15.01.2019: Benachrichtigung der Referent*innen und Workshop-Leiter*innen
  • 25.-26. April 2019 Tagung an der Universität Innsbruck
  • bis 31.05.2019: Einreichung der Manuskripte (ca. 3500 bis max. 7000 Wörter inkl. Quellenangaben, Abstract im Umfang von max. 150 Wörtern, Kurz-CV und Versandadresse)
  • 15.07.2019: Benachrichtigung der Autor*innen über die Annahme des Manuskripts
  • Ende 2019: geplanter Erscheinungstermin des Tagungsbandes

 

Tagungswebseite: http://medien.uibk.ac.at/mwb2019 

 

Tagungsgebühr für Nicht-Vortragende:

€ 60,-- (€ 30,-- für Mitglieder einer der beteiligten Organisationen)

€ 20,-- für Studierende (ausgenommen aktiv mitwirkende)

 

Tagungsort: Universität Innsbruck, Claudiana, Herzog-Friedrich-Straße 3 (1. Stock) in der Altstadt von Innsbruck

 

Organisatorische Unterstützung: Ina Fleischer <mwb-conf@uibk.ac.at>