Ringvorlesung WiSe 2022/23
Geschlecht, Ethnizität, Kultur: Körper im Spannungsfeld von Unterwerfung und Subversion

Das 'Wunderbare' und der Widerstand: Subversive Körperfigurationen in den Texten und Theaterstücken der Leonora Carrington
Doris Eibl

 

Abstract:

Als Schriftstellerin und Künstlerin, die mit einer atemberaubenden Vielfalt von Medien experimentierte - darunter Malerei, Bildhauerei, Textilien, Kino, Theater, Poesie, Prosa und Kochen – kann Leonora Carrington (1917-2011) als eine der interessantesten und oft unterschätzten intellektuellen Persönlichkeiten des 20. und 21. Jahrhunderts gelten. Für ihr Werk mobilisierte sie eine schwindelerregenden Vielfalt kultureller Referenzen und entwickelte eine genreübergreifende Ästhetik, der seit den späten 1930er Jahren u.a. eine systematische Demontage gängiger Körperbilder eignete. Zunächst im Dialog mit Max Ernst sowie den Pariser Surrealisten und ab den frühen 1940er Jahren in einer eigenwilligen Hybridisierung der für sie relevanten kulturellen Einflüsse erarbeitete Leonora Carrington ein vom surrealistischen merveilleux und dem Willen zum Widerstand gegen Autoritäten und gesellschaftliche Normen durchwirktes (Körper)Narrativ, das Ideen des Ökofeminismus vorwegnahm, auf die Wirkmacht burlesker und subversiver Performanz (Butler 1990) setzte und Grenzen sprengende Körperfigurationen imaginierte.
Am Beispiel ausgewählter Gemälde, der Kurzgeschichte „The Debutante“/“La débutante“ (1939), dem Prosatext The Hearing Trumpet (ca. 1950), der zunächst 1974 in einer französischen Übersetzung erschien, sowie dem Mitte der 1940er Jahre  gemeinsam mit Remedios Varo verfassten Theaterstück El Santo Cuerpo Grasoso (Erstveröffentlichung 2010) soll die literarisch-künstlerische Körperpolitik der Leonora Carrington illustriert sowie biografisch und soziokulturell kontextualisiert werden.


Zur Person:

Doris G. Eibl, Mag. Dr. phil., ist Romanistin, Leiterin des Zentrums für Kanadastudien der Universität Innsbruck und Mitglied der Forschungsplattform Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck. Zuletzt erschienen u.a. Artikel zur Pandemischen Prolepsis in der kanadischen Gegenwartsliteratur (2022) und den Familienerzählungen der Annie Ernaux (2021) sowie die Sammelbände Mensch-Tier-Beziehungen in den frankophonen Kulturen, Literaturen und Medien (Königshausen & Neumann 2020, hrsg. gemeinsam mit Christoph Vatter) und Zukunft/Utopie (iup 2020, hrsg. gemeinsam mit David Winkler-Ebner).

 


 

Zeit: Donnerstag, 12. Januar 2023, 17:15-18:45
Ort: Campus Innrain, Hörsaal 7 (EG)


MA Gender, Kultur und Sozialer Wandel, Wahlmodul 4 und Angebot für alle MA Studien, Interdisziplinäre Kompetenzen

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