Ringvorlesung WiSe 2022/23
Geschlecht, Ethnizität, Kultur: Körper im Spannungsfeld von Unterwerfung und Subversion

Verschwundene/ Verwundete Körper: Grammatik der Gewalt und forensische Ästhetik in Lateinamerika
Estefanía Bournot

 

Abstract:

Lateinamerika ist eine der gewalttätigsten Regionen der Welt, mit einer der höchsten Rate an Morden, Entführungen und genderspezifischer Gewalt (allein in Mexiko wurden 2021 mehr als 1000 Frauen ermordet); gleichzeitig ist Lateinamerika einer der Orte, an denen sich am konsequentesten ein neues radikalfeministisches Denken durchsetzt, das versucht, die zugrundeliegenden Strukturen patriarchalisch-kolonialer Gewalt aufzubrechen und neue soziale und symbolische Ordnungen zu entwerfen.

Dieser Vortrag befasst sich mit den Texten der argentinischen Anthropologin Rita Segato über die "Expressivität der Gewalt", die als eine Pädagogik der Grausamkeit gegenüber feminisierten, rassifizierten Körpern und subalternen Gruppen funktioniert (wir werden mit Auszügen aus ihren ins Deutsche übersetzten Büchern arbeiten: Wider die Grausamkeit. Für einen feministischen und dekolonialen Weg, 2021; Femizid. Der Frauenkörper als Territorium des Krieges, 2022).

Im Zusammenhang mit dem Verschwinden und der Verletzung von Körpern wird auch die Rolle der Kunst und das Aufkommen einer neuen forensischen Ästhetik (Weizmann) erörtert, die zur Ermittlung von Gewaltverbrechen und zur Ausübung einer Art symbolischer Gerechtigkeit für die Gesellschaft dient.

 

Zur Person:

Estefanía Bournot ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Post-Doc) am Institut für Romanistik der Universität Innsbruck und Mitglied des CGI, wo sie die Konferenzreihe “La nueva marea feminista: Kunst, Literatur und Aktivismus in Lateinamerika” geleitet und organisiert hat. Seit November 2022 leitet sie das Projekt “Forgotten Routes across the Atlantic. Cultural Trasfers between Africa and Latin America (1969-1990)”, gefördert von der ÖAW. Ihre Spezialgebiete sind lateinamerikanische Kunst und Literatur, Intellektuelle Geschichte und materielle Kulturen des globalen Südens sowie Gender-Theorie und dekoloniale Feminismen. Sie ist Autorin der Monografie Giros topográficos: (re) escrituras del espacio en la narrativa contemporánea de América Latina (Verlag Uni Potsdam, 2022) und mehrerer wissenschaftlicher Artikel.

 


 

Zeit: Donnerstag, 17. November 2022, 17:15-18:45
Ort: Campus Innrain, Hörsaal 7 (EG)


MA Gender, Kultur und Sozialer Wandel, Wahlmodul 4 und Angebot für alle MA Studien, Interdisziplinäre Kompetenzen

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