Ringvorlesung WiSe 2022/23
Geschlecht, Ethnizität, Kultur: Körper im Spannungsfeld von Unterwerfung und Subversion

Abwesende Anwesende. Körper, staatliche Macht und politische Ordnung
Gundula Ludwig

 

Abstract:

Körper nehmen in der Politik eine eigentümliche Rolle ein: sie sind abwesend und anwesend zugleich. So zieht sich einerseits durch die gesamte politische Theorie ebenso wie durch die Politik selbst die Vorstellung, dass politisches Handeln nichts mit Körpern zu tun hätte. Andererseits aber sind Körper für Staat und Politik von zentraler Bedeutung: als politische Körper in der Konstruktion der politischen Ordnung und als leibliche Körper, über die politische Ein- und Ausschlüsse legitimiert werden. Vor diesem Hintergrund möchte ich in dem Vortrag aufzeigen, dass Körper nicht obwohl, sondern gerade weil sie in der Politik als (vermeintlich) ‚naturgegeben‘ und präpolitisch gelten, eine gewichtige Rolle einnehmen. Aus feministischer, queerer, rassismuskritischer, dekolonialer und ability-zentrismus-kritischer Perspektive werde ich unterschiedliche Dimensionen des Zusammenspiels von Körpern und staatlicher Macht sowie politischer Ordnung aufzeigen: Erstens werde ich darlegen, wie vergeschlechtlichte, heteronormative, rassifizierte und ability-zentrierte Imaginationen des Körpers eine bestimmte Vorstellung von Staat und Nation mit hervorbringen. Zweitens werde ich darlegen, wie über Körper festgelegt wird, wer als politisches Subjekt und was als Politik gilt. Drittens werde ich zeigen, wie der Staat gesellschaftliche Ungleichheiten über vielfältige Körperpolitiken – wie etwa Abtreibungspolitiken, racial profiling oder Seuchenpolitiken – aufrechterhält und wie sich staatliche Macht auf diese Weise auch in Körper einschreibt.

 

Zur Person:

Gundula Ludwig ist Professor*in für Sozialwissenschaftliche Theorien der Geschlechterverhältnisse und Leiter*in der Forschungsplattform Center Interdisziplinäre Geschlechterforschung Innsbruck. Davor forschte und lehrte sie an den Universitäten Wien, Marburg, Bremen, der HU und FU Berlin sowie an der University of Minnesota. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u.a. Staats- und Demokratietheorie aus queer-feministischer Perspektive, Körpergeschichte, Medizingeschichte und Biopolitik.

 


 

Zeit: Donnerstag, 27. Oktober 2022, 17:15-18:45
Ort: Campus Innrain, Hörsaal 7 (EG)

 

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